Lörrach Schlagzeuger mit eigener Handschrift

Verblüffend vielfarbig: das Dominik Hoyer Quartet im Jazztone Foto: Beatrice Ehrlich Foto: Die Oberbadische

Von Beatrice Ehrlich

Lörrach. Eher selten kommt es vor, dass ausgerechnet der Schlagzeuger Stücke schreibt für seine Band, noch seltener ist sie nach ihm benannt. Anders beim Dominik Hoyer Quartet. In überaus reizvoller Besetzung mit Größen aus dem Basler Jazzleben hat es sich ganz den fantasievollen und facettenreichen Kompositionen des Schopfheimers verschrieben.

Musikalisch vor allem in Basel bestens vernetzt, hat der 25-Jährige für sein Konzert im Jazztone exzellente Musiker gewinnen können, die in den frischen Kompositionen Hoyers faszinierende Akzente setzen – absolut hörenswert. Neben Lukas Reinert an der Posaune, der regelmäßig mit Hoyer auftritt, sind das Roberto Koch am Bass und David Cogliatti am Piano.

Kreativ und abwechslungsreich sind die Stücke Hoyers, seine Ansagen – humorvoll und hintergründig – tun ein übriges, um die Aufmerksamkeit für jedes einzelne von ihnen zu wecken. Schon die Titel lassen aufmerken: „Diavolo“ - „eine Hommage an die Pizza gleichen Namens“ – lässt aufmerken durch ein wahrhaft pfeffriges Staccato, das mit eindringlicher Penetranz durch die Stimmen wandert, ein Stück, das bestimmt niemanden kaltlässt. Oder „Spanisch Icecream“ gleich darauf, eine eingängige Ballade mit geradezu lyrischen Passagen und von der Vorstellung südländischer Lebensart beeinflussten melodischen Details.

Vor allem in den schnellen Stücken beeindruckt der Schlagzeuger durch rhythmische Rafinesse, die höchste Ansprüche an seine Mitmusiker stellt. „Move“ heißt so ein Stück, das vom 7/4 in den 6/4-Takt wechselt und damit auch den Zuhörern einiges an Beweglichkeit im Kopf abfordert – im Jazztone, wo sich seit über einem halben Jahrhundert Jazz-Kenner ein Stelldichein geben, eine Art Ritterschlag für junge Künstler. Oder der mitreißende Titel „1243“, in dem sich zum Quartett noch Christian Dietkron an der Gitarre als illustrer Gastmusiker gesellt – und gleich gehörig Eindruck macht mit einem Grundrhythmus, mit dem er dem Rest der Band ähnlich einer ufernahen Unterwasserströmung unterschwellig entgegenläuft. Hoyer’sche Zahlenspiele sind das, an denen sich schon ein ganz besonderer Stil erkennen lässt, der Lust macht auf mehr.

Aber es geht auch ganz einfach: „Four Notes for Noah“ heißt ein bezaubernd eingängiges Stück, das im Schlagzeugunterricht für einen Schüler entstanden ist. Glasklar nachvollziehbar zieht sich das aus vier Tönen bestehende Grundmuster durch das Werk, von den vier Musikern vielfarbig ausgestaltet, um ganz am Schluss wieder beim Anfangssignal anzukommen. Ob Noah wohl schon gehört hat, was sich aus der im Schlagzeugunterricht erdachten Tonfolge entwickelt hat?

Es sei ihm eine Ehre, hier auftreten zu dürfen, bedankte sich der begabte junge Musiker am Ende des Konzerts bei Werner Büche und seinem Team. Der begeisterte Applaus des am Freitag altersmäßig bunt gemischten Jazz-Publikums bewies, dass das auch umgekehrt der Fall war.

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