Lörrach Schnell und schlagfertig

Die Oberbadische, 23.03.2018 02:35 Uhr

Dicht besetzt war die Aula des Hans-Thoma-Gymnasiums (HTG) bei der zweiten Auflage des Impro-Theater-Wettkampfs am Mittwoch. Auf der Bühne saßen sich zwei bestens vorbereitete Schülerteams von HTG und Freier Evangelischer Schule (FES) gegenüber, lautstark unterstützt von den Fanblocks im Publikum.

Von Beatrice Ehrlich

Lörrach. Zum langen Überlegen bleibt keine Zeit: Beim Impro-Theater oder Theatersport sind Schnelligkeit und Schlagfertigkeit die einzige Münze, die zählt. Ist der Spielort festgelegt und die Rollen verteilt, die Schauspieler mit rhythmischem Klatschen „eingezählt“, geht es sofort los.

Wie im Sport messen sich die Darsteller in Disziplinen

In Windeseile versetzen sich jeweils zwei bis drei Akteure an Orte, die ihnen aus dem Publikum zugerufen werden: Toilette oder Tennisplatz, Pommesbude oder Shisha-Bar. Sie schlüpfen in Rollen, die sie zuvor nicht geprobt haben. Da tritt Harry Potter mit Zahnschmerzen in Erscheinung oder ein pedantischer Mathematiker auf einer Yacht.

Wie im Sport messen sich die Darsteller in verschiedenen Disziplinen. Etwa im Genre-Mix: Wie auf Knopfdruck wechseln die Darstellerteams mitten in einer Szene vom Horror- in den Rosamunde-Pilcher-Modus, von der „politischen Rede“ zum Western-Style. Oder im Sprechen in Drei-Wort-Sätzen von „Ich geh Heizmann“ bis „Die Photonen drängen“, eine echte Herausforderung für Schüler wie Lehrer.

Manches gelingt den versierten Theatersportlern mit scheinbarer Leichtigkeit: Der schnelle Bühnentod etwa, bei dem am Ende alle regungslos da liegen, oder blitzschnelle Szenenwechsel. Schwierig wird es allem Anschein nach da, wo die zu übernehmenden Rollen wenig Überrschungspotential bergen, etwa wenn der Gärtner im Garten aktiv wird.

Das Publikum ist stets eingebunden: es bestimmt – durch lautes Schreien – Orte und Rollen, die es auf der Bühne sehen möchte, kürt – durch möglichst lautes Klopfen und Stampfen – die Gewinner und wird – etwa beim Format „Von Standbild zu Standbild“ – auch selbst auf der Bühne aktiv. Miriam Stöger und Johannes Lorch, die an den beiden Schulen das beliebte Wahlfach leiten, übernehmen die Moderation.

Der besondere Reiz des Impro-Theaters als Schulveranstaltung liegt im Perspektivenwechsel, denn hier steht die gewohnte Welt Kopf: Schüchterne Schüler springen über ihren Schatten, Klassenkasper werden zu Helden. Lehrer wälzen sich beim Wettstreit der Lehrerteams brüllend am Boden. Perfekt beherrschen die Teilnehmer das Spiel mit Posen und Pointen in diesem seltsam inhaltsleeren Spiel.

Der Siegespokal geht wie schon bei der Premiere an die FES – aufgrund der deutlich größeren un disziplinierteren Fangruppe. Mit einer objektiven Bewertung ihrer Performance können die Teilnehmer bei diesem Veranstaltungsformat nicht rechnen, denn gebrüllt, beziehungsweise geklopft und gestampft wird grundsätzlich immer für die eigene Mannschaft – wie im Sport.