Lörrach Schuldloses „Nachsitzen“

Die Oberbadische, 17.04.2018 17:50 Uhr

Mit dem Fach Deutsch sollten heute die Abschlussprüfungen an den Realschulen in Baden-Württemberg beginnen. Wegen eines geöffneten Umschlags mit den Prüfungsaufgaben an einer Schule in Bad Urach hat das Kultusministerium die Prüfung nun auf den 27. April verschoben.

Von Guido Neidinger

Lörrach/Stuttgart. Viele der 142 Zehntklässler an der Lörracher Theodor-Heuss-Realschule (THR) bombardierten ihre Lehrer am Montagabend per Telefon und WhatsApp mit Fragen, als die Nachricht sich wie ein Lauffeuer verbreitete. „Die Schüler erfahren so etwas heute manchmal schneller als wir“, meinte Sonja Mohren, die Rektorin der THR, schmunzelnd gegenüber unserer Zeitung.

Gestern Morgen sei bei den meisten Schülern die größte Aufregung bereits verflogen gewesen. Während die Zehntklässler sich nur auf den neuen Termin einstellen müssen, fallen für die Lehrer Umplanungen an.

Weil der Aufwand für die Korrekturen in Deutsch am größten sei, liege der Prüfungstermin für dieses Fach immer am Anfang des Prüfungsreigens. Jetzt aber rücke Deutsch an den Schluss. Hinzu kommt laut Mohren, dass am 27. April, dem neuen Prüfungstermin, bereits fachinterne Überprüfungen im Fach Naturwissenschaftliches Arbeiten angesetzt seien. Dafür müsse nun ein neuer Termin gefunden werden. „Wir müssen jetzt flexibel sein, aber das kriegen wir hin“, wirkte allerdings auch die Lörracher Realschul-Rektorin alles andere als hektisch.

Dennoch sei dieser Vorgang „total ärgerlich“ und „unnötig“ sagte Mohren. Sie kann sich „nicht erklären, wie so etwas passieren kann“: Denn die Vorgaben des Kultusministeriums, wie mit den Prüfungsaufgaben zu verfahren sei, seien eindeutig und einfach zu erfüllen.

Den Vorgang, wie die Schulen zu den Prüfungsaufgaben kommen, beschreibt Mohren so: „Normalerweise holt unser mit einer Vollmacht ausgestatteter Hausmeister den verschlossenen und versiegelten Umschlag beim Schulamt ab. Wir legen diesen dann unverzüglich bis zum Prüfungstag in den Schultresor. Fertig!“ Den Vorfall in Bad Urach, wo am Freitag ein vollständig geöffneter Umschlag mit den Deutsch-Prüfungsaufgaben gefunden wurde, kann Mohren nicht nachvollziehen.

Nach den Ausführungen von Kultusministerin Susanne Eisenmann habe die Schule in Bad Urach (eine Gemeinschaftsschule) „eine lückenlose und sichere Verwahrung der Prüfungsaufgaben an einem dazu geeigneten Ort nicht sichergestellt“. Es sei nicht ausgeschlossen, „dass sich unbefugte Dritte Zugang zu den Prüfungsaufgaben verschafft haben“. Deshalb habe sich das Ministerium zur Verschiebung der Deutsch-Prüfung entschlossen. Die damit verbundenen Unannehmlichkeiten bedauere sie in hohem Maße. Geprüft wird am 27. April mit den für den Nachtermin vorgesehenen Aufgaben.