Lörrach Spielerisch und unbeschwert

Die Flötistin Julia Habenschuss (rechts Dirigent Michal Nesterowicz) spielte im Burghof mit dem Sinfonieorchester Basel Mozarts Flötenkonzert, das so rein gar nicht dessen Abneigung gegen das Instrument bestätigen konnte – im Gegenteil. Foto: Jürgen Scharf

Lörrach - Dass Mozart die Flöte „nicht leiden“ konnte, ist kaum zu glauben, wenn man am Sonntagabend sein Flötenkonzert in G-Dur mit dem Sinfonieorchester Basel (SOB) und Julia Habenschuss im Lörracher Burghof gehört hat. Die österreichische Flötistin entkräftet die unliebsame Äußerung Mozarts, und auch Orchester und Publikum ließen sich die Freude an diesem spielerisch-unbeschwerten Konzert nicht verderben.

Flöte und Harfe soll er anscheinend nicht sonderlich geliebt haben: Mozart ein Flötenfeind? Wer ein Konzert wie dieses KV 313 so berückend schön komponiert, dass es nicht umsonst zu den beliebtesten Werken für dieses Instrument gehört, muss der Flöte doch zugetan gewesen sein! In keinem einzigen Takt spürt man die angebliche Abneigung Mozarts, schon gar nicht in dem besonders beeindruckenden, tiefsinnigen zweiten Satz. Diesen bläst Julia Habenschuss lyrisch in der Tongebung mit natürlicher Grazie und fast schon romantisch in der Klangfärbung.

Überhaupt gefiel die kultivierte Klanglichkeit ihres delikaten Bläserklangs. Habenschuss spielt elegant und kontrolliert, mit klarer Artikulation in den Ecksätzen; die üppigen Solokadenzen gestaltet sie spiel- und atemtechnisch perfekt, aber ohne jede Virtuosenhektik. Das Sinfonieorchester Basel unter Leitung seines ersten Gastdirigenten Michal Nesterowicz begleitet ebenso elegant-flexibel.

Der Dirigent korrespondiert sichtbar als partnerschaftlich-aufmerksamer Begleiter dieser hervorragenden Orchesterflötistin, die ihre beeindruckenden solistischen Qualitäten vorführen konnte. Lediglich in der Zugabe, dem flötistischen Paradestück „Syrinx“ von Debussy, hätte Julia Habenschuss’ Flötenton etwas selbstvergessener und leidenschaftlicher klingen können.

Nesterowicz dirigiert nach der Pause die gerade mal 26-minütige neunte Sinfonie von Schostakowitsch, die ohne den aufgesetzten „optimistischen Lärm“ anderer Finalsätze daherkommt, solide und sachlich als neoklassistizisches, freches Stück mit heiteren und witzigen Episoden, ohne ideologische Scheuklappen. So war die Schockwirkung, die das Werk 1945 bei den sowjetischen Kulturfunktionären durch die fehlende pathetische Sieges-Apotheose auslöste, in dieser glanzvollen Orchesterwiedergabe weniger nachvollziehbar. Zumal auch die Bläsersolisten sich nicht grotesk übersteigert gaben.

Im Orchester sah man die in Lörrach lebende schottische Flötistin Julie Stewart-Lafin, die kurzfristig für die Orchesterparts der ersten Flötistin eingesprungen war. Im SOB ist es nämlich üblich, dass Solisten aus den eigenen Reihen am selben Abend nicht im Orchester mitspielen. Julie Stewart-Lafin war bei Schostakowitsch vor allem im zweiten Satz stark gefordert. Einige markante Einsätze im Largo hatte auch der Solofagottist David Schneebeli in seinen Rezitativen im Dialog mit den einschüchternden schweren Blechakkorden der Blechbläser, leitete aber dann freudig über ins übermütige Finale.

Hier setzte sich bei der Zirkustrompete einmal mehr der hervorragende erste Solotrompeter der Basler, Immanuel Richter, mit brillanten Spitzentönen in Szene. Das sauber-pointierte Orchesterspiel machte vor allem in den ironisch-parodistischen Wendungen viel Freude. Auch eingangs in der Ouvertüre aus „Ruslan und Ludmila“ von Michail Glinka zeigte sich das Sinfonieorchester Basel schwungvoll auf die russische Musik eingestellt.

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