Lörrach Stadt und Fluss zueinander bringen

Lörrach - Die Stadt am Wasser: Das sei ihr ein Herzensanliegen. Mit diesem Bekenntnis begrüßte Bürgermeisterin Monika Neuhöfer-Avdic am Montag die Besucher des Stadtspaziergangs an der Wiese. Die Spaziergänge gehören zum Lörracher Dialogsommer und bieten den Bürgern Gelegenheit, ihre Meinungen und Wünsche zu Facetten der Stadtentwicklung einzubringen.

Die kleine Gruppe mit Vertretern von Stadtverwaltung, Gemeinderat und nur einem Bürger startete am rechten Wieseufer unterhalb der Seniorenresidenz Gevita.

Konfliktpotenzial für Velofahrer und Fußgänger

Der Veloweg am rechten Ufer ist in Lörrachs „Fahrradstrategie 2025“ als Pendlerroute West festgehalten. Senioren und viele andere Leute würden sich gar nicht mehr trauen, am rechten Wieseufer spazieren zu gehen, weil die Velofahrer auch wegen der E-Bikes immer schneller würden, sprach Gemeinderätin Christa Rufer (SPD) Konflikte zwischen Radfahrern und Fußgängern an. Neuhöfer-Avdic hatte kurz zuvor Konflikte unter Radfahren selbst erlebt. Als sie mit der Seniorenbeauftragten Ute Hammler gemütlich zum Treffpunkt radelte, habe ein Rennradfahrer sie energisch aufgefordert Platz zu machen, erzählte sie. Rufer und Hammler forderten eine klare Trennung von Rad- und Fußweg.

Optionen für Pendlerroute entlang der Wiese

Planer Kurt Sänger erklärte, dass die Pendlerroute West mit einem vier Meter breiten Radweg und einem 2,50 Meter breiten Fußweg ausgebaut werden solle. Dafür könne man den Damm Richtung Wiese aufschütten und eventuell in den Hang des Tüllinger Berges hineinbauen. Man müsse allerdings Stauraum für ein Jahrhunderthochwasser belassen. Als Problem bezeichnete es Sänger, dass der Radweg unter den Lörracher Brücken bei Hochwasser oft überflutet ist.

Umweltschutzbelange

Britta Staub-Abt, Fachbereichsleiterin Umwelt und Klimaschutz im Rathaus, erinnerte an den Artenschutz. Das FFH-Schutzgebiet Tüllinger Berg reiche teilweise bis zum Radweg. Die alten Bäume an der Wiese dürften nicht gefällt werden, da sich Fledermäuse daran orientierten.

Die Fahrradstrategie

Mit der Fahrradstrategie 2025 soll der Anteil der Radfahrer am Verkehr in Lörrach von 17 auf 33 Prozent verdoppelt werden. Daher sollen die beiden anderen Pendlerrouten Mitte und Ost, die durch die Stadt führen, als Fahrradstraßen ausgewiesen werden. Die Stadt rechnet mit Kosten von 25 Millionen Euro, allerdings auch mit Zuschüssen von 50 bis 60 Prozent.

Das Teichmatten-Quartier

„Hier ist ein Ort entstanden, wo man gerne hingeht“: Als die Gruppe bei der Tumringer Halle stoppte, skizzierte Thomas Nostadt, Geschäftsführer der Wohnbau Lörrach, zufrieden die abgeschlossene Entwicklung des Teichmatten-Quartiers mit rund 200 renovierten und neuen Wohnungen, mit Geschäften und einem Café als Treffpunkt sowie dem wieder eröffneten Traditionsgasthaus „Mättle“.

Die Gevita-Erweiterung

Zuvor hatte Stadtplaner Alexander Nöltner darauf hingewiesen, dass der Bebauungsplan „Am Stammbachgraben“ nun eine Erweiterung der Seniorenresidenz Gevita möglich mache. Ute Hammler begrüßte dies, weil in Lörrach Pflegeplätze fehlten. Doch die Gruppe war sich einig, dass die meisten Senioren ganz andere Dinge brauchen: barrierefreie Wohnungen wie im Teichmatten-Quartier, Anlaufstellen wie das Café und eine Quartiersarbeit, in die sie sich einbringen können.

Wiese-Ufer naturnah und einladend gestalten

Neuhöfer-Avdic nannte als Ziel, das Wiese-Ufer beim Teichmattenquartier naturnah und gleichzeitig für die Menschen einladend zu gestalten. Sie wolle den Menschen Lust machen, vielleicht nach einem Glas Wein im Mättle, an den Fluss zu kommen, sagte sie. Der Plan, den Flusslauf der Wiese bei Tumringen mit einem Seitenarm naturnah zu gestalten, kam schon vor Jahren wieder ins Stocken. Sie wolle nach der Sommerpause mit dem zuständigen Regierungspräsidium sprechen, kündigte Neuhöfer-Avdic an. Außerdem will die Stadt an den Gewerbekanälen Zonen der Begegnung schaffen.

Sänger: Vorhaben zügig anpacken

Wenn das Vogelbachareal nach Eröffnung des Zentralklinikums im Jahr 2025 und das Areal des Kreiskrankenhauses neu überplant werden, soll auch der Zugang zur Wiese eine Rolle spielen. Dies kündigten die Bürgermeisterin und Nöltner an.

Als Britta Staub-Abt über eine Zwischenlösung für das Wiese-Ufer bei Tumringen nachdachte, schlug Kurt Sänger vor, das Vorhaben gleich richtig anzupacken. Der Fluss könne auch später innerhalb der bestehenden Dämme renaturiert werden – ähnlich wie in Basel.

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