Lörrach Stadtwald ist in vielfacher Hinsicht gefragt

Marco Fraune
 Foto: Marco Fraune

Für die Waldentwicklung auf der Lörracher Gemarkung gibt es klare Zielsetzungen: Erhalt im bisherigen Umfang, Erziehung klimastabiler Wälder, nachhaltige Holznutzung, Artenvielfalt sowie ein ausgeglichenes Haushaltsergebnis. Ein entsprechender Waldentwicklungsplan ist in Bearbeitung, Stadtverwaltung und -politik sind gemeinsam im Boot.

Von Marco Fraune

Lörrach. Das Heft des Handelns hat die Stadt in der Hand: So entfallen 75 Prozent der gesamten 1600 Hektar Waldfläche im Stadtgebiet Lörrach auf die Kommune als Eigentümerin. Im Wald dominiert der Laubbaum mit 83 Prozent, wobei es sehr viele Baumarten gibt – vor allem Buche, Eiche und Esche, wie der stellvertretene Fachbereichsleiter Manuel Harter im Ausschuss für Umwelt und Technik ausführte. Trotz eines Hiebsatzes (geplanter Holzeinschlag während eines Jahres) von 7500 Festmetern, das heißt 6,8 Festmeter pro Jahr, verzeichne der Wald einen laufenden Zuwachs von 7,6 Festmetern pro Jahr pro Hektar.

Die Herausforderungen

Als „große Herausforderung“ bezeichnete der Experte die Verkehrssicherungspflicht. Eschentriebsterben und Klimawandel machen sich hier bemerkbar. „Die Förster kommen bei der Verkehrssicherung nicht mehr hinterher.“

Mit der Pflanzung von Eichen und Douglasien begegne man im Forst dem Klimawandel – also mit trockenheitstoleranten Baumarten. Die Holznutzung erfolge im Rahmen der Möglichkeiten. Holz werde als Baustoff beispielsweise für den Waldorfkindergarten und für das Lauffenmühle-Areal genutzt, aber auch als Energieholz für die Heizzentrale Hallenbad und weitere Einrichtungen.

Mit Stilllegungsflächen soll zugleich die Artenvielfalt im Wald erhalten und erhöht werden. Im Forstbetriebsplan geht es ums ausgeglichene Haushaltsergebnis (nebenstehender Bericht).

Um die Entwicklung des Waldes gemeinsam zu gestalten, wurde eine Arbeitsgruppe mit der Erstellung des Waldentwicklungsplans im April beauftragt. Mit dabei sind Verwaltungskräfte und Fraktionsvertreter, die sich schon mehrfach getroffen haben, aber noch mit der Erarbeitung des Plans beschäftigt sind. Die Ziele und Maßnahmen des beschlossenen Waldentwicklungsplans sollen in die künftigen Betriebspläne einfließen.

Das sagen die Fraktionen

Kritische Töne fand in den Fraktionsstellungnahmen Fritz Böhler (Grüne). Für die Arbeitsgruppe wünschte er sich mehr personelle Kontinuität, teilweise seien Fragen der Grünen auf Widerstand gestoßen. „Doch es gab auch wichtige Antworten.“ Den Plan-Entwurf bewertet Böhler von der Substanz her „etwas gemischt“.

Positiv zur Kenntnis nahm Christiane Cyperrek (SPD) die Ausführungen. Gut sei, dass eine öffentliche Diskussion erfolge. Die Bürger-Beteiligung habe sich aber auch in Grenzen gehalten. Jürgen Exner (CDU) sprach von einer guten und informativen Vorlage, hinterfragte aber die Steigerung der Holzhackschnitzel-Anlagen: „Wie viele vertragen wir?“ Matthias Lindemer (FW) meinte: „Der Plan ist auf einem guten Weg.“ Es gelte aber, die genetische Variabilität der Baumarten stärker zu nutzen, damit sich der Wald ans Klima anpassen kann.

Die Bürgermeisterin

Bürgermeisterin Monika Neuhöfer-Avdic setzt auch auf eine Regionalisierung des Rohstoffes. Holz soll in der Region verwertet und nicht in Hochseecontainern in die weite Welt verschifft werden. Die ersten Beschlüsse für den Waldentwicklungsplan erwartet sie für nächstes Jahr. Klar sei aber auch, dass es ein langjähriges System sei. „Der kritische Punkt zwischen wollen und tun ist der Anfang.“ Und der Anfang sei geschafft.

Lörrach (mcf). Die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen der forstlichen Bewirtschaftung sind angesichts von Energiekrise, Preissprüngen auf dem Holzmarkt und Inflationsauswirkungen auf Kosten und Erlöse sowie einer unklaren wirtschaftlichen Entwicklung herausfordernd, wie Bernhard Schirmer im Ausschuss für Umwelt und Technik am Donnerstagabend vor Augen führte. Der Leiter des Forstbezirks Kandern zeigte zudem auf, dass die naturgegebenen Rahmenbedingungen ebenso schwierig sind. Die Kombination aus Wärme plus Trockenheit führen zu Trockenschäden oder auch Borkenkäferschäden: „Ein aktiver Waldumbau ist über die Naturverjüngung hinaus nötig.“

Der geplante Einschlag beläuft sich für das nächste Jahr auf 6300 Festmeter, der Deckungsbeitrag aus der Holznutzung belaufe sich auf plus 143 000 Euro. 3600 Bäume sollen gepflanzt werden. Die Investitionen in Jungbestände für einen Waldumbau werden mit 58 000 Euro beziffert, die Investitionen für die Bürgerschaft in Form von Waldwegenunterhaltung und mehr auf 87 000 Euro. Unterm Strich steht beim Betriebsergebnis ein Minus von 61 200 Euro, deutlich geringer als noch im Vorjahr – trotz gestiegener Kosten (wir berichteten).

Klar sei, dass Ökologie und Erholung investive Bereiche seien. Klar sei auch, dass es Totholz im Wald brauche, dies seien Lebensräume für Tiere und Pflanzen.

Fraktionsübergreifend wurde das „relativ gute Ergebnis“ trotz der schwierigen Situation anerkannt. Die Politik weiß, dass der Wald keinen Gewinn abwirft. Schirmer machte den Ausschussmitgliedern auch deutlich, dass der „Schwammwald“ nicht unendlich Regen aufnehmen kann.

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