Lörrach Stadtwald unter Druck

Der Wald ächzt unter dem Klimawandel, ist aber in seiner Funktion als Kohlenstoff-Speicher und Lieferant des Baustoffs Holz auch Teil einer Lösung (Symbolfoto) Foto: zVg/Weissbrod

Lörrach - Der massive, von Protestbekundungen der Bürgerschaft begleitete Escheneinschlag auf dem Maienbühl war aus Sicht von Forstbezirksleiter Bernhard Schirmer unvermeidlich. Anlass dieser Debatte im städtischen Ausschuss war eine Anfrage von Fritz Böhler (Grüne). Indes wurde rasch klar, dass die Maßnahmen in Stetten lediglich Facetten eines Wandels widerspiegeln, der in einem größeren Kontext erörtert werden muss.

Der Wald steht unter Druck: Hitze und Niederschlagsausfälle setzen ihm zu, unabhängig vom Klimawandel löst etwa Pilzbefall das Eschen-Triebsterben aus und verschärft damit die angespannte Situation.

Der Maienbühl-Einschlag

Die erheblichen Einschläge in dem bei Bürgern beliebten Maienbühl-Forst – rund 700 Eschen wurden entnommen – seien aus Sicherheitsgründen vorgenommen worden. Mit der durch das Eschen- Triebsterben verursachten Beschädigung des Wurzelwerks gehe ein unkalkulierbares Risiko von Baum-Umstürzen einher, so Schirmer.

Auch Fachbereichsleiterin Annette Buchauer betont in der Sitzungsvorlage, dass der Waldeigentümer insbesondere „entlang öffentlicher Straßen und der Bebauung die Pflicht hat, Gefahren, die vom Wald ausgehen, zu beseitigen.“

Nach dem Hinweis von Matthias Lindemer (Freie Wähler), diese Pflicht werde andernorts etwas lockerer genommen, wies Schirmer nochmals darauf hin, dass die Stadt bei einem Unglück schnell juristische Probleme bekommen könne, wenn sie in solchen bebauungsnahen Bereichen ihren Pflichten nicht nachkomme. Alfred Kirchner (CDU) sagte, seine Fraktion vertraue auf das Wort der Forst-Fachleute.

Die Holzmenge

Aufs Ganze besehen, so Buchauer, gelte: „Durch das Eschentriebsterben fallen die forstlichen Maßnahmen ortsweise stärker aus als bei planmäßigen Nutzungen. Die anfallenden Mengen werden aber an anderer Stelle weitgehend eingespart.“ Insgesamt werde dem Stadtwald weniger Holz durch Fällungen entnommen, als durch Wachstum hinzukommt, so Schirmer. Allerdings werde die Esche zunehmend fehlen.

Breite Debatte gefordert

Böhler konnten die Argumente Schirmers weniger überzeugen als die Stadträte anderer Fraktionen. Er stellte die Nachhaltigkeit der Forstmaßnahmen in einer ausführlichen Stellungnahme in Frage.

Christiane Cyperrek (SPD) wies dagegen darauf hin, dass die nach Böhlers Anfrage formulierten Aussagen in der Vorlage allesamt bekannt seien. Böhlers Versuch, aus der Maienbühl-Vorlage mit einem „Rundumschlag“ eine Grundsatzdebatte zu entwickeln, sei hier und heute im Ausschuss für Umwelt und Technik fehl am Platz. Nichtsdestotrotz sei eine breiter aufgestellte Diskussion sinnvoll, hierfür müsse aber ein geeignetes Format gefunden werden, sagte Cyperrek.

Multitalent im Dauerstress

Denn: Natürlich verwies die Debatte über das kleine, tatsächlich ziemlich zerzauste Waldgebiet, auf das große Ganze. Wie entwickelt sich der Wald? Welche Herausforderungen, Chancen und Risiken sind mit dem unvermeidlichen Prozess des Wandels in unseren Wäldern und der Begleitung durch die Forstwirtschaft verbunden?

Dem Multitalent Wald wird viel abverlangt – womöglich mehr, als er zu leisten vermag. Er ist Erholungsgebiet, Sportstätte, Lebensraum für Tiere, Klimaschützer, Wirtschaftsfaktor und vieles mehr. Wobei es längst nicht mehr darum gehe, Gewinn aus dem Forst zu schlagen, wurde betont.

Gleichwohl, so Bürgermeisterin Monika Neuhöfer-Avdic, gelte es, so genanntes „Schadholz“, das „technisch noch funktionsfähig ist“, sinnvoll zu nutzen. Die Bürgermeisterin hatte dabei nicht zuletzt das Lauffenmühle-Areal im Blick: Es soll zum ersten deutschen Null-Emission-Gewerbegebiet in Holzbauweise entwickelt werden. Indes könnte der Mangel an Sägewerken im Umfeld von Lörrach womöglich eine „Engstelle“ in diesem Prozess bilden.

Der Wald ist gleichzeitig Leidtragender und Hoffnungsträger: Er ächzt unter dem Klimawandel, ist aber in seiner Funktion als Kohlenstoff-Speicher und Lieferant des Baustoffs Holz auch Teil einer Lösung. Dabei, so Schirmer, habe ein „gut bewirtschafteter Wald eine bessere Klimabilanz als ein still gelegter Wald. Stirbt ein Baum ab und fällt um, zersetzt er sich und lässt durch diesen Prozess das CO2 wieder in die Atmosphäre frei.“

In der Regel erfolge die Klimaanpassung von Wäldern neben der Umsetzung von Pflege- und Vitalisierungsmaßnahmen durch einen aktiven Waldumbau. Dabei werden – zusätzlich zur vorhandenen Naturverjüngung – weitere, häufig trockenheitstolerante Baumarten angepflanzt.

Perspektiven

In diesem Zusammenhang regte Schirmer etwa Pflanzaktionen mit geeigneten Gewächsen im Zusammenspiel mit Verbänden und Interessengruppen zur proaktiven Förderung der Bestandsverjüngung an. Auch eine wissenschaftliche Abschlussarbeit (Bachelor-/Master) zum Thema „Klimaschutzleistung des Stadtwaldes Lörrach“ könne ein unterstützender Beitrag sein. Matthias Koesler (FDP) lobte abschließend das Engagement der Kommune, die erkennbar vielerorts neue Bäume im Stadtgebiet gepflanzt habe.

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