Lörrach Täglicher Kampf gegen Vorurteile

Kundgebung auf dem Senser Platz                                Foto: Regine Ounas-Kräusel

Lörrach - Rund 150 Menschen demonstrierten am Samstag in der Innenstadt für eine Gesellschaft ohne Alltagsrassismus, für Offenheit und Chancengleichheit. Sie sahen sich als Teil der weltweiten Bewegung „Black Lives Matter“, die entstand, nachdem der Afroamerikaner George Floyd in den USA von Polizisten getötet wurde.

Eine Gruppe von Einzelpersonen um Joana Kafasi, Naima Kraus und Marek Wick hatte die Demonstration organisiert. Man kenne sich aus dem Umfeld des Jugendzentrums „Café Irrlicht“ in Schopfheim und sei schon seit Jahren gegen Rassismus aktiv, berichteten Kraus und Wick.

Dunkelhäutige Menschen  noch immer benachteiligt

„Ich wünsche mir eine Gesellschaft, in der ich nach meinem Charakter beurteilt werde“, rief Naima Kraus zu Beginn der Kundgebung am Senser Platz. Die Zuhörer, unter ihnen viele junge Leute, applaudierten begeistert. Dunkelhäutige Menschen würden in Deutschland noch immer benachteiligt, obwohl das Grundgesetz Diskriminierung verbiete, schilderte sie ihre Erfahrungen.

Joana Kafasi bekannte, dass sie als weiße Frau privilegiert sei. Sie erfahre in Bildung, Beruf und anderen Lebensbereichen keine Nachteile. Vor der Polizei müsse sie keine Angst haben, vielmehr vermittle ihr diese Sicherheit. Die weiße Gesellschaft müsse ihre Privilegien hinterfragen und Vorurteile ablegen.

Auch Menschen, die Diskriminierung erfahren haben, kamen zu Wort. Vor fünf Jahren sei er aus Gambia nach Deutschland gekommen, erzählte Jaffa Tamba aus Rheinfelden: „Ich bin sehr gut integriert.“ Er mache eine Ausbildung und fühle sich im Betrieb wie zu Hause.

Erlebnisse mit Alltagsrassismus

Dennoch schilderte der 28-Jährige Erlebnisse mit Alltagsrassismus. Einmal wollte er eine Wohnung mieten und musste nur noch den Vertrag unterschreiben. Doch plötzlich zog der Vermieter sein Angebot zurück. Einmal hatte er Geld abgehoben und wollte gerade den Raum mit dem Geldautomaten verlassen. Eine Frau klemmte plötzlich ihre Tasche vor den Bauch, als ob sie einen Diebstahl befürchtete. „Bin ich kein Mensch oder was?“, fragte Tamba unter Beifall der Zuhörer.

„Ich bin 19 Jahre alt und ein ganz normaler Typ“, stellte sich Sean Albans aus Wehr vor. Er sei in Deutschland aufgewachsen, sein Vater stamme aus Nigeria. Er frage sich, warum er in den Augen vieler Leute „anders“ sei und oft nach seiner Herkunft gefragt werde. Albans ermutigte seine Zuhörer, ihre Komfortzone zu verlassen, mit anderen Menschen zu reden und eigene Erfahrungen zu machen.

Kien Mensch ist ohne Vorurteile

Kein Mensch sei ohne Vorurteile, sagte Marek Wick. Das sei auch kein Wunder, weil das Bild vom privilegierten Weißen als Relikt aus der Kolonialzeit bis heute fortbestehe. In Schulbüchern tauche noch der veraltete Begriff „Neger“ auf, nannte er ein Beispiel. Der deutsche Innenminister weigere sich, eine Studie über Rassismus in der Polizei in Auftrag zu geben. Die NPD und andere Rechte dürften ungehindert gegen Flüchtlinge hetzen.

Auch Marek Wick forderte die Menschen auf, ihr Denken und Handeln zu hinterfragen und offen zu sein: „Lernt zuzuhören.“

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