Lörrach Integration ist kein Selbstläufer

Markus Greiß (v. l.), Rolf Folk und Jürgen Exner im Hof der Gemeinschaftsunterkunft Gretherstraße Foto: Kristoff Meller Foto: mek

Die drei Gemeinschaftsunterkünfte für Flüchtlinge in Lörrach werden im kommenden Jahr aufgelöst. Dafür muss die Stadt rund 500 Personen in der Anschlussunterbringung mit Wohnraum versorgen. Dies stellt nicht nur die Stadt sondern auch den Freundeskreis Asyl Lörrach vor Herausforderungen.

Von Kristoff Meller

Lörrach. „Die Stimmung unter den Flüchtlingen ist durch die anstehende Auflösung der Gemeinschaftsunterkünfte (GU, siehe Kurzinfo) belastet – viele verunsichert es, dass sie umziehen müssen“, erklärt Markus Greiß vom Freundeskreis Asyl im Gespräch mit unserer Zeitung. Denn die Anschlussunterbringung (AU) erfolgt in der Regel dezentral in normalen Wohnungen im Landkreis.

Somit werden nicht alle derzeit in Lörrach wohnenden Flüchtlinge hier bleiben können, auch wenn die Stadt  das Landratsamt gebeten hat, Flüchtlinge, die bereits in Lörrach untergebracht sind, hier arbeiten oder Kindergärten, Schulen und Ausbildungsstätten besuchen, auch in der AU vor Ort zu belassen. „Das bringt Unruhe in unsere Arbeit“, sagt Rolf Folk.

Die Situation sei mitunter auch für die etwa 100 ehrenamtlichen Helfer frustrierend, von denen rund 50  eine Patenschaft übernommen haben: „Sie haben mit viel Arbeit etwas auf die Beine gestellt und nun werden manche ihrer Schützlinge beispielsweise von Brombach nach Efringen-Kirchen umgesiedelt. Aber wir kennen natürlich die schwierige Wohnraumsituation in Lörrach.“

Paten gesucht
Wer in der AU in  Lörrach bleiben kann, wird künftig tendenziell weniger Unterstützung von der Sozialbetreuung erhalten: „Der Betreuungsschlüssel bleibt gleich wie in der GU – ein Sozialbetreuer kommt auf 100 Flüchtlinge. Da bleibt nicht viel Zeit für die Einzelperson, wenn noch Fahrzeiten dazu kommen“, sagt Greiß. Darum werde 2017 eine der Hauptaufgaben des Freundeskreises darin bestehen, Paten zu stellen, die die Asylbewerber im Alltag unterstützen: „Das können wir mit unseren aktuellen Ressourcen nicht leisten und  darum suchen wir weitere Mitstreiter.“  

Veränderte Aufgaben
Während es nach der Gründung des Helferkreises vor zweieinhalb Jahren zunächst darum ging, den Flüchtlingen beim Ankommen zu helfen und Angebote für einen geregelten Tagesablauf zu machen, haben sich die Aufgaben verändert: „Am Anfang stand die Nothilfe im Mittelpunkt, nun geht es um die Integration der Menschen in unsere Gesellschaft“, so Greiß.

„Manche Dinge, die wir anfangs angeboten haben, können andere besser – etwa der Fußballverein, bei dem nun viele Flüchtlinge Fußball spielen“, erzählt er. „Wir sind froh, dass sich immer mehr Akteure gefunden haben, die Angebote auf ihrem jeweiligen Spezialgebiet machen.“ Somit hat der Freundeskreis laut Jürgen Exner auch eine Vermittlerrolle zwischen den Flüchtlingen und diesen Akteuren eingenommen.

 Immer wichtiger werde zudem die Einzelfallbetreuung, beispielsweise von Schülern bei den Hausaufgaben oder wenn es darum gehe, pünktlich alle Rechnungen zu bezahlen. Da die Wohnungen in der AU in der Regel unmöbliert sind, benötigen die Asylbewerber eine eigene Wohnungsausstattung. Die Stadt hat dem Freundeskreis für Möbelspenden dafür drei Garagen bei der Villa Lioba als Zwischenlager zunächst bis Ostern kostenlos zur Verfügung gestellt.

UMA-Anlaufstelle
In der ab Januar eingerichteten zentralen Anlaufstelle für Unbegleitete Minderjährige Ausländer (UMA)  in Brombach  wird sich der Freundeskreis laut Exner nicht engagieren. „Die UMAs werden dort intensiv   vom Jugendamt betreut.“ Zumal diese nur wenige Wochen bleiben und dann auf das Bundesgebiet verteilt werden. 

Ehrenamtliche Kontinuität
Bei allen Veränderungen seien die große Hilfsbereitschaft der Lörracher Bevölkerung und die bunte Mischung der Aktiven im Freundeskreis Asyl sowie deren konsolidiertes Engagement geblieben, so Folk: „Der Freundeskreis bildet fast das ganze Spektrum ab – von ganz links bis wertkonservativ. Wir engagieren uns aus ganz unterschiedlichen Antrieben.“ Alle eint dabei jedoch das Ziel, einen Beitrag zur „Integration und zu einem friedlichen Zusammenleben in unserer Stadt“ zu leisten.


Unterkünfte für Flüchtlinge in Lörrach:
Die Gemeinschaftsunterkunft (GU)  Brombach wird zum 31. Dezember geschlossen. Die Gebäude sollen für die vorläufige Unterbringung von Unbegleiteten Minderjährigen Ausländern (UMA) genutzt werden. In der Gretherstraße wird die GU Anfang 2017 aufgelöst und kann für die Anschlussunterbringung (AU) genutzt werden. Die GU „Innocel“ wird noch bis zum 30. Juni 2017 beibehalten und danach für Gewerbeansiedlung freigegeben.

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