Lörrach Über sich hinausgewachsen

Anne-Sophie Bereuter konzentrierte sich ganz nach innen. Foto: Gottfried Driesch Foto: Die Oberbadische

Von Gottfried Driesch

Lörrach. Das jüngste Konzertprogramm des Oberrheinischen Sinfonieorchesters war zumindest im ersten Teil ein Experiment und eine Herausforderung für die Musiker. Das Orchester wuchs im Verlauf des Konzerts über sich selbst hinaus.

Bereits zum dritten Mal spielte das Orchester sein Sommerkonzert in der Kundenhalle der Hauptstelle der Sparkasse Lörrach. Dirigent Stephan Malluschke hatte fast vollständig auf Blasinstrumente verzichtet und präsentierte ein reines Programm für Streichorchester. Im ersten Programmblock schob Malluschke zwischen die drei Sätze des Divertimento B-Dur KV 137 von Wolfgang Amadeus Mozart zwei Werke aus dem 20. Jahrhundert ein. Dem ersten Mozart-Satz „Andante“ fehlte noch die Leichtigkeit in der Interpretation, die der Mozartschen Musik zu Eigen ist. Mozart komponierte das Divertimento als 16-Jähriger. Besonders die Begleitung in den Bässen war sehr kräftig.

Nun begann das „neue Hörerlebnis“, wie der Dirigent es bezeichnete. Es folgte von dem estnischen Komponisten Arvo Pärt (*1935) „Summa für Streichorchester“, komponiert 1977/1991. Der Musikfluss wird immer wieder durch kurze Pausen unterbrochen. Trotzdem entsteht der Eindruck eines durchgängigen Musikstückes.

Wesentlich freier erklang dann der zweite Mozartsatz „Allegro di molto“. Das Orchester ging regelrecht beflügelt an diesen Satz heran.

Als „unbeantwortete Frage“ (The unanswered Question) stellt sich das gleichnamige Werk von Charles Ives (1874-1954) dar. Es wurde 1908 komponiert. In einer Zeit, als durch Schönberg ein radikaler Umbruch in der Musik eingeleitet wurde. Ives hat in diesem Werk die tonale Musik des Streichorchesters durch atonale Einwürfe von fünf Bläsern angereichert. Damit ließ der Komponist die Frage, welcher Kompositionsstil in die Zukunft weise, offen. Der dritte und letzte Satz des Mozart-Divertimento „Allegro assai“ beendete schwungvoll den ersten Block.

Anne-Sophie Bereuter war die Solistin des Abends. Gefühlvoll, mit hervorragendem Ton, spielte sie das Violinkonzert Nr. 1 C-Dur von Joseph Haydn. Bereuter stammt aus Lörrach und ist bereits bei zahlreichen Anlässen in ihrer Heimatstadt aufgetreten. Hier hat sie wieder einmal ihr großes Potenzial unter Beweis gestellt.

Auch wenn es eigentlich unüblich ist, ein Solokonzert mit Noten zu spielen: Ob im langsamen Satz mit ruhig fließenden Bögen oder in den virtuosen raschen Sätzen – immer strahlte ihr Ton über dem Orchester. Stephan Malluschke dämpfte dabei das Orchester zu einer perfekten Begleitung.

Die Serenade für Streichorchester E-Dur op. 22 von Antonín Dvorák war bereits 1875 bei der Uraufführung ein großer Erfolg. Die Verwendung von slawischen Tänzen in den einzelnen Sätzen beflügelte das erwachende slawische Nationalgefühl der Menschen. Malluschke traf hervorragend die Stimmung in der Musik und machte die Serenade zu einem Kunsterlebnis.

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