Lörrach Viel Zoff in Wald und Flur

Immer wieder kommt es auf Feld- und Waldwegen zu Konflikten zwischen Radlern und Fußgängern. Foto: Kristoff Meller

Lörrach-Hauingen - Illegale Trails, Nachtfahrten, zerstörte Schilder: Der Konflikt mit Mountainbikern nimmt zu. „Kaum ein Tag vergeht ohne Zoff“, beklagt der Hauinger Ortsvorsteher Günter Schlecht.

„Wir freuen uns, dass der Forst in diesen Wochen von vielen als Erholungsraum und fürs Sporttreiben neu entdeckt wird. Zugleich macht uns die große Zahl der Konflikte etwas ratlos“, bedauert der Rathauschef und vertritt die Auffassung: „Es hilft wohl nur die gegenseitige Toleranz und Rücksichtnahme.“

Der überwiegende Teil der Beschwerden stammt laut Schlecht von Fußgängern, die Unerfreuliches mit Mountainbikern erlebten. Rücksichtslos seien diese unterwegs und benutzten Wege, die fürs Mountainbiken nicht erlaubt sind (Anm. d. Red.: Das sind laut Landeswaldgesetz Waldwege unter zwei Meter Breite). Appell an Disziplin Angeprangert wird, dass eine Reihe vermeintlich sportlicher Radler „wie die Wilden“ über Feld-, Wald- und Wanderwege „fegt“, die Natur ignoriere und Fußgänger und Wanderer gefährde – auch im besonders geschützten Bannwald.

Die Sorge kam am Rande der jüngsten Sitzung des Ortschaftsrates zur Sprache, nachdem Revierförster Markus Dischinger den Betriebsplan für das Forstwirtschaftsjahr 2021 erläutert hatte (wir berichteten). „Kein großer Aufwand“ Aus den Reihen des Gremiums wurde Dischinger auf das Problem angesprochen. Er antwortete: „Ich denke, wir brauchen eine Singletrail-Strategie.“ Sinnvoll, so sagte er, wären ausgewiesene Strecken im Wald- und Flurgebiet. Diese unter den Mountainbikern bekannt zu machen, wäre nach Einschätzung Dischingers „kein großer Aufwand“. Über eine App könnten speziell ausgewiesene Strecken aufgerufen werden. Mehrere Beinah-Kollisionen Die jüngste, im Hauinger Rathaus eingegangene Beschwerde bezieht sich auf den Radwanderweg entlang des Steinenbachs von Hauingen nach Steinen. Eine Bürgerin schreibt: „In den letzten Monaten kam es leider immer wieder zu Vorfällen mit rücksichtslosen Rennradfahren oder E-Bikern.“ Auf dem Radwanderweg seien viele Familien mit Kindern unterwegs – „oder auch ältere Herrschaften und Leute wie ich, die mit dem Hund Gassi gehen.“

Die Frau beklagt in einem der Redaktion vorliegenden Schreiben: „Es ist nun schon des Öfteren vorgekommen, dass Rennradfahrer oder E-Biker von hinten sich rasant annähern, teilweise geschätzt mit gut 30 Stundenkilometern. Sie machen sich nicht bemerkbar und drängeln sich zwischen Spaziergängern und Familien mit Kindern einfach durch.“

Schon sehr häufig habe es „fast einen Zusammenstoß“ entweder mit ihr, der Beschwerdeführerin, oder mit dem Hund gegeben. „Auf Einsicht kann man leider nicht hoffen und auf Nachfrage, ob die Radler nicht klingeln können, wird man meist noch beschimpft, und es fallen Sätze, wonach man mit dem Köter doch woanders laufen soll.“ „Auch vernünftige Radler“ Die Frau will jedoch „nicht alle über einen Kamm scheren“. Es gebe sehr viele vernünftige Radfahrer, die früh genug klingelten. Ihr gehe es ausschließlich um die „teilweise aggressiven Rennradfahrer“, die den Radwanderweg als Rennstrecke benutzten und meinten, alle müssten aus dem Weg hüpfen, sobald sie kämen.

Die Schreiberin des Briefs, der auch ans Rathaus ging, hat sich nach eigenen Worten Gedanken gemacht, wie man das Problem lösen könnte: „Eine Möglichkeit wäre das Einbringen leichter Bodenwellen“. Ein generelles Verbot von Radlern im Wald wäre wahrscheinlich nicht durchsetzbar, bedauert sie. IG Velo sieht Dilemma Die IG-Velo-Ortsgruppe Mittleres Wiesental sieht das Problem differenzierter. „Gleichwohl ist uns das Konfliktpotenzial geläufig“, erklärt Volker Zimmermann.

Zimmermann bestreitet nicht, dass die Gruppe der Rennradfahrer und die der Pedelecs – E-Biker mit einem starken Elektromotor und Kennzeichenpflicht – häufiger dazu neigten, aufgrund ihrer Geschwindigkeit Spaziergänger mit oder ohne Kind oder Hund in Panik zu versetzen.

Berufspendler und Alltagsradler entlang der Steinen-Hauingen-Strecke wolle er ausdrücklich in diese Gruppe nicht einreihen.

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