Lörrach Vom Gemeindezentrum zur WG

Pfarrerin Martina Schüßler (5.v.l.) führt im Anschluss an den Vortrag von Gottfreid Gerner-Wolfhard (rechts neben ihr) in ihr WG-Pfarrhaus. Foto: Beatrice Ehrlich Foto: Die Oberbadische

Von Beatrice Ehrlich

Lörrach. Einen Themenabend zum evangelischen Pfarrhaus veranstaltete die Kirchengemeinde Hauingen am vergangenen Samstag anlässlich des „260. Hochzeitsjubiläums“ der Eltern von Johann Peter Hebel, die am 30. Juli 1759 in der Hauinger Kirche geheiratet hatten. Am Sonntag folgte ein besonderer Gottesdienst rund um Hebels „Entwurf einer Antrittspredigt in einer Landgemeinde“, eine Predigt, die Hebel zu seinem eigenen Bedauern nie halten konnte, da er zum ersten Prälaten der unierten badischen Landeskirche berufen wurde.

Das evangelische Pfarrhaus stand im Mittelpunkt des aufschlussreichen Vortrags von Gottfried Gerner-Wolfhard, Pfarrer im Ruhestand und ehemaliger Ausbildungsreferent beim Oberkirchenrat aus Karlsruhe am Samstagabend. Anhand prägnanter Beispiele und Zitate schlug er einen Bogen vom Pfarrhaus früherer Zeiten, Zentrum des Gemeindelebens und „Bildungs-Hotspot“, in dem auch die Pfarrfrau mit oft vielen Kindern eine wichtige Rolle spielte bis in die heutige Zeit, in der es als „bröckelndes Symbol“ auch angesichts eines gewandelten Berufsbilds des Pfarrers seine einstige Bedeutung verloren hat.

Die Zukunft ihrer Pfarrhäuser ist ein Thema, dass die evangelische Kirche in Baden schon seit Jahren beschäftigt. Energetisch ineffizient und oft viel zu groß entsprechen die prächtigen, historischen Gebäude oft nicht mehr den Ansprüchen der Pfarrer und Pfarrerinnen von heute, oder werden aufgrund von Zusammenschlüssen kleinerer Pfarrgemeinden nicht mehr gebraucht. Erst vor kurzem kam die Pfarrhaus-Problematik beim Gespräch zwischen Prälatin Dagmar Zobel und Gudrun Heute-Bluhm vom Städtetag in der Alten Feuerwache zur Sprache. Demnach ist die Kirche in jüngster Zeit wieder davon abgekommen, den Gemeinden den Verkauf ihrer Pfarrhäuser zu empfehlen, stattdessen steht das Aufspüren neuer, kreativer Nutzungen im Fokus.

Das historische Pfarrhaus in Hauingen ist dafür ein Paradebeispiel. Mit ihrem WG-Pfarrhaus geht Martina Schüßler, seit September 2018 Pfarrerin in Hauingen, neue Wege. Auf Anregung der alleinstehenden Pfarrerin haben sich der Kirchengemeinderat und der Oberkirchenrat in Karlsruhe darauf eingelassen, das Gebäude mit Baujahr 1560 WG-gerecht umzubauen. Zu diesem Zweck wurde ein neues Bad eingebaut und das bestehende vergrößert. Neben der Pfarrerin, die im Obergeschoss zweieinhalb Zimmer bewohnt, ist nun im ersten Stock, wo sich auch Küche und Esszimmer befinden, Raum für drei Untermieterinnen.

Im Erdgeschoss befinden sich das Pfarramt sowie das für ein Pfarrhaus obligatorische Gästezimmer. Gern nahmen die Vortragsbesucher, darunter Gemeindeglieder, aber auch Nachbarn und Bewohner Hauingens, die Einladung von Pfarrerin Schüßler und ihren drei Mitbewohnerinnen an, sich in dem gemütlich eingerichteten WG-Pfarrhaus umzusehen.

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