Lörrach Vom Zauber der Linie

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Linien sind ein faszinierendes Thema in der Kunst. Diesem widmet sich die neue Ausstellung des Vereins Bildende Kunst Lörrach (VBK), die am Samstag im Dreiländermuseum eröffnet wird. Sechs sehr unterschiedliche Künstler stellen aus

Lörrach (hau). Der VBK hat sich auf die Fahnen geschrieben, die „lebende“ bildende Kunst in der Stadt hochzuhalten, erklärt dessen Vorsitzende Marga Golz beim Pressegespräch. Mit engagierten Kuratoren und einer Mischung aus regionalen und überregionalen Künstler-Präsentationen gehören die regelmäßigen Ausstellungen des Vereins zu den wichtigen Gelegenheiten, Bildende Kunst in der Stadt erleben zu können.

Die Linie: Sie ist Ende und Anfang, setzt Akzente, schafft Spannung

Mit präzisem Blick hat sich das aktuelle Kuratoren-Team mit Gabriele Menzer, Jürgen Unseld und Hanna Benndorf diesmal der Linie gewidmet. Die sechs geladenen Künstler zeigen vielschichtig und stilübergreifend, welche Inspiration von der Linie ausgeht: Sie ist Ende und Anfang, sie umrahmt und schafft Objekte, sie komponiert ein Bild, setzt Akzente, schafft Spannung.

Spannender Entwicklungsprozess

Andreas Durrer arbeitet in seinen oft großformatigen Bildern mit der Linie gezielt auf die zu bespielende Fläche hin. Die Linie kann in seinen abstrakten Werken ruhig fließen oder dramatische Akzente setzen. Sie hilft ihm, sich nach und nach herantastend, ein Bild zu komponieren, zu verdichten – für ihn ein unvorhersehbarer Entwicklungsprozess.

Je nach Distanz des Betrachters verschwimmen Fläche und Linie

Gabriela Morschett präsentiert Zeichnungen und Objekte aus schwarzem geglühtem Eisendraht, wie er in der Industrie verwendet wird. Sie formt und biegt ihn zu skulpturenartigen Objekten, schafft durch unterschiedliche Dicke und Ausformung Tiefe, Halbtöne und faszinierenden Schattenwurf. Neben filigranen Werken zeigt Morschett kompakte Arbeiten: ein Wechsel von Verdichtung und Auflösung, den sie als Grundthema ihrer Arbeiten sieht. In ihren Zeichnungen setzt sie vorsichtig Farbe dazu, die für Emotionalität sorgt und bringt mittels weißer Tusche auch hier Dreidimensionalität hinein.

Die aus Korea stammende Künstlerin Keummi Paik-Baumeister geht völlig anders mit der Linie um: Mit ihrer konkreten Kunst präsentiert sie gleichformatige Serien, in denen sie auf unifarbiger Acrylfläche akribisch zart senkrecht in Öl Linie für Linie setzt. Damit legt sie eine Art Raster über das Bild.

Und je nach Distanz des Betrachters verschwimmen Fläche und Linie, entsteht eine optische Mischung, die indes trotz der konzentrierten Arbeitsweise ohne Hilfsmittel auch untergründige Spannung verrät.

Eigene Bildsprache

Eine ganz eigene Sprache hat Naomi Middelmann entwickelt: Sie zeichnet oftmals auf Gaze Landkarten, nicht konkret, sondern Karten ihrer eigenen inneren Reise. Intuitiv legt sie mit roten Fäden über Fotografien aus ihrer Vergangenheit Spuren, verbirgt so Konkretes und geht auch hier dem Thema nach, wie das eigene Erinnern unterschiedlich geformt werden kann.

Kritisch und frech

Eva Früh hielt sich wochenlang an einem Flughafen auf. Ihr Thema sind Innenräume. Mit Architekturstift auf stets gleichem Papierformat zeichnet sie Linie für Linie einzelne Ausschnitte, Eindrücke, des Flughafens, menschenlos. Eine Art akuter Bestandsaufnahme. Jeder Raum hat einen eigenen Takt, einen Rhythmus, ein Faszinosum. Die vielen einzelnen Bilder setzt sie am Ende zum sich immer wieder ändernden Gesamtwerk zusammen.

Einen riesigen Fanclub hat Zeichner Tom Körner, bekannt als Touché. Ein Bleistift, eine Idee – seine Figuren erzählen in nur drei Bildern amüsante, kritische, nachdenklich machende, freche Geschichten. Neben Illustrationen, Cartoons und Comics ist er mit seinen treffenden Statements aus der Zeitungslandschaft nicht mehr wegzudenken.

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