Lörrach Von der Hauptschule in den Bundestag

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Mitten unter Schülern: Takis Mehmet Ali Foto: Claudia Schäfer

Zum zweiten Mal besuchte Bundestagsabgeordneter Takis Mehmet Ali die FES. Als ehemaliger Hauptschüler nahm er die Einladung von Werkrealschulleiterin Astrid Witt gern an, seine Geschichte zu erzählen.

Lörrach. Der Funke sprang schnell über: Zunächst verhalten, dann mutiger, brachten sich die diesjährigen Abschlussschüler ein. Interessiert erfuhren sie, dass Mehmet Ali selbst eine Hauptschule in der Nähe von Düsseldorf besucht hatte und mit seinem Traum, Staatsanwalt zu werden, nur müde belächelt oder gar abgewiesen wurde.

Mut bei Berufswahl

Der Abgeordnete ermutigte durch das Erzählen seiner Biografie, einen Berufswunsch konsequent zu verfolgen und sich nicht von vorgefertigten Vorstellungen, welche Berufe für Werkrealschüler in Frage kommen, festlegen zu lassen.

Aus einem Arbeiterviertel im Ruhrgebiet stammend, besuchte er eine Schule mit hohem Migrationsanteil. Trotzdem ließ er sein Studienziel nicht aus den Augen und sei im Augenblick „am Promovieren im sozialmedizinischen Bereich“.

Dazu kommt: Er ist ein viel beschäftigter Abgeordneter, der seinen Wahlkreis alle zwei Wochen besucht. „Der Kalender bestimmt meinen Rhythmus!“ Ob denn da noch Zeit für die Familie bliebe? Mehmet Ali lächelt und erklärt, er sei Single und seine Eltern sehe er regelmäßig.

Ein hohes Einkommen sei jedenfalls nicht die Motivation für den jungen Politiker, jede Woche zwischen Badenweiler und Berlin zu pendeln. „Für das Geld würde ich den Job nicht machen“, meinte eine Zehntklässlerin.

Die Jugendlichen erfuhren auch, dass Takis Mehmet Ali sein Engagement im Ausschuss für Arbeit und Soziales – der „Herzkammerausschuss“ der SPD – wichtig sei und er dafür bei gegenteiliger Meinungsäußerung auch Schelte aushalte oder als Deutsch-Grieche rassistische Anfeindungen und Beschimpfungen bei Einsätzen auf Marktplätzen in Kauf nehme.

Humor ist hilfreich

Humor sei eine wichtige Eigenschaft für einen Politiker. Außerdem brauche er Struktur, müsse Flagge zeigen können und stressresilient sein. Wichtig sei auch eine gewisse Fehlertoleranz sich selbst und anderen gegenüber. Für ihn sei das absolute „No-Go“, wenn er von Kollegen höre: „Wir sind dafür nicht zuständig!“ und konstruktive Arbeit so verhindert werde, denn: „Politiker sind für alles zuständig.“

Die Teenager waren erstaunt darüber, dass er in seinem jungen Alter fähig sei, von einer speziellen Frage zu einer Aussage von globalem Interesse, auch Schülerinteresse, zu gelangen. Bleiben wird den Jugendlichen zum einen das Unverständnis über die teilweise rassistisch motivierten Hassnachrichten, die ein sozial engagierter Politiker erhält; zum anderen aber Dankbarkeit dafür, dass sich „so jemand“ so viel Zeit für sie genommen hat.

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