Lörrach Von magischer Strahlkraft

Tonio Paßlick
Das Trio „White Raven“ verzauberte im Burghof mit seinen Stimmen. Dazu las Doris Wolters Foto: Tonio Paßlick

Von Tonio Paßlick

Lörrach. „Kein Geheimnis ist so groß wie das Elend“, zitiert Doris Wolters aus dem vielleicht schönsten Märchen von Oscar Wilde. Der „Glückliche Prinz“ wird im ersten Teil des Konzertes des A Cappella-Trios „White Raven“ umrahmt von neuen Lied-Arrangements der Sopranistin und Harfenistin Kathleen Dineen. Lieder, die Geschichten erzählen. Von Not und Sehnsucht, von Liebesschmerz, Verinnerlichung und Träumen, in denen archaische Bilder aufblühen in traumwandlerischen Harmonien und vergehen in Solo-Gesängen.

Ein Konzert mit „White Raven“ fällt insbesondere in Zeiten einer globalen Pandemie zusammen mit der ursprünglichen Sehnsucht nach meditativer Verinnerlichung, nach Auflösung bedrückender Wirklichkeiten in seelischer Läuterung. Wie ein klangliches Licht von magischer Strahlkraft. In Lörrach darf das Konzert der drei Magier irischen Gesangs deshalb nicht mehr fehlen in der Adventszeit. Als es vor einem Jahr wegen der Corona-Pandemie doch abgesagt werden musste, trafen sich Kathleen Dineen, der amerikanische Tenor Robert Getchell und der Bariton Mathias Spoerry in Basel, um mit der Dramaturgin Marion Schmidt-Kumke zumindest persönlich an der Kontinuität festzuhalten.

Nach den vielen gefeierten Konzerten in Lörracher Kirchen durfte das Trio in diesem Jahr die Weite des Burghofs mit seinen Stimmen füllen. Alte irische Lieder und Balladen und im zweiten Teil Christmas Carols und zwei deutsche Weihnachtslieder berührten mit lupenreiner Klarheit und Transparenz der Stimmführung und der Homogenität der drei bestens in Alter Musik geschulten Vokalkünstler.

Verzaubertes Publikum

Genau vor 20 Jahren hatte die seit langem in Basel lebende Kathleen Dineen das Trio gegründet. Ihre männlichen Partner begleitet sie instrumental mit einer keltischen Harfe oder der ursprünglich aus Indien stammenden Shrutibox.

Der Abend tauchte sofort in keltische Wurzeln ein, bevor das Märchenhafte der irischen Balladen faszinierend schlicht und lyrisch in seinen Bann zog.

Der wunderbare Tenor von Robert Getchell verzauberte das Publikum endgültig mit dem alten irischen Bordun-Gesang „The Immigrants Farewell.“ Das Trio vermag in jeder Konstellation den Charakter eines Liedes herauszuschälen, den Zauber einer Melodie mit zarten harmonischen Ornamentierungen und schlichter Stimmführung ohne Vibrato oder klassischer Dynamik zu beschwören. Vor allem im ersten Teil gelingen mit jedem Arrangement atemberaubend schöne Stimmungen.

Die Schauspielerin und Hörspiel-Spezialistin Doris Wolters nahm den Faden ihrerseits auf und las mit ihrer warmen und fein nuancierenden Stimme das Märchen „Der Glückliche Prinz“ – wie die Lieder von „White Raven“ eine Geschichte voller Poesie und Zauberkraft. Und eine Erzählung gegen das Wegschauen, die Oscar Wilde geschrieben hat – beeinflusst von Hans Christian Andersen.

Hymne an die Freundschaft

Denn die handelnden Personen sind unglücklich und werden durch ihr unerschütterliches moralisches Einstehen für Werte und Menschen in Not in eine andere verheißungsvolle Welt verklärt. Doris Wolters breitet die Erzählung mit ansteckender Ruhe aus und gibt der kleinen Schwalbe und dem goldüberzogenen Prinzen durch kleine stimmliche Veränderungen eine faszinierende Eigenständigkeit.

Sehr berührend „In The Bleak Midwinter“ – eine Komposition von Gustav Holst nach einem Gedicht von Christina Rossetti, mit dem Eis und Schnee gezeichnet werden, bevor das irische Wiegenlied „The Gartan Mothers Lullaby“ die Verletzlichkeit und den Zauber der einen Winternacht besingt.

„God rest you merry Gentlemen“ ist durch viele aktuelle Arrangements schon fast ein Gassenhauer. Und am Ende umarmte das Trio sein treues Publikum mit dem Lied, das in England zu Silvester im Kreis der gekreuzten Hände gesungen wird: „The Auld Lang Syne“ ist eine Hymne an die Freundschaft. Lang anhaltender Beifall bedankte sich für die wieder wunderbaren Stimmen im Advent.

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