Lörrach Vorfahrt auf zwei Rädern

Mit dem Antrag „Velo-Offensive“ fordern die Grünen ein eigenständiges Radverkehrskonzept für Lörrach. Sie wollen erreichen, dass im Jahr 2030 30 Prozent aller Wege in der Stadt mit dem Rad zurückgelegt werden – aktuell sind es 17 Prozent. Wie das gelingen kann, darüber diskutierten sie am Dienstag mit Michael Obert, dem früheren Baubürgermeister von Karlsruhe.

Von Regine Ounas-Kräusel

Lörrach. Im Jahr 2015 zeichnete das Land Lörrach als fahrradfreundliche Kommune aus, nun will die Stadt mit der Planung eines umfassenden Verkehrskonzepts beginnen. Vor diesem Hintergrund starten die Grünen ihre Velo-Offensive. Sie wollen ein attraktives Wegenetz schaffen mit Pendlerrouten und Fahrradstraßen, aus denen Autos nicht verbannt werden, auf denen Fahrräder aber Vorrang haben (wir berichteten).

Wichtig finden sie auch attraktive Abstellplätze, und weitere Maßnahmen wie einen flächendeckenden Radverleih. Einen umstrittenen Punkt sprach Stadtrat Gerd Wernthaler an, als er fast 50 Zuhörer im Forum der Volkshochschule begrüßte: „Wir wollen Konflikte mit Fußgängern vermeiden und lehnen daher gemeinsame Rad- und Fußwege in der Innenstadt ab.“ Die Grünen wollen das Radverkehrskonzept unter Beteiligung der Bevölkerung entwickeln.

Die Stadtplanung müsse wegkommen von der jahrzehntelangen Förderung des Autos, sagte Obert. Ein Auto stehe die meiste Zeit herum und blockiere öffentliche Flächen. Aber: „Wenn ein Fahrradweg gebaut wird, fallen in der Regel Parkplätze weg. Das führt zu Protesten“, stellte er klar.

Die Stadt Karlsruhe hat seit 2005 ein Radverkehrskonzept. Michael Obert hat es als Baubürgermeister maßgeblich mit umgesetzt. Das Ergebnis: Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) hat Karlsruhe beim diesjährigen Fahrradklima-Test als fahrradfreundlichste Großstadt mit mehr als 100 000 Einwohnern in Deutschland ausgezeichnet.

Laut Obert sind in der Fächerstadt die Bedingungen für den Radverkehr günstig: Im Zentrum sind Geschäfte, das Theater und andere Ziele auf kurzem Weg zu erreichen. In der Stadt leben 44 000 Studenten. Im „Radlerforum“ diskutieren seit vielen Jahren so verschiedene Akteure wie das Rathaus und der Gemeinderat, die Polizei, der ADFC oder die Industrie- und Handelskammer über den Radverkehr. Für diesen hat die Stadt Karlsruhe inzwischen fast 50 Fahrradstraßen geschaffen. An vielen Kreuzungen gibt es Fahrradstellflächen und -ampeln, die vor den Autoampeln grün werden. Zwei „Bypässe“ für Velos führen um die Innenstadt, da Radfahren in der Fußgängerzone verboten ist. Außerdem kann man flächendeckend per Handy-App Räder und telefonisch auch Lastenräder leihen.

Obert nannte aber auch Defizite der Fahrradstadt: So mangelt es an Abstellplätzen, und es werden viele Velos geklaut. Fahrradschnellstraßen gibt es bisher nicht, weil sie teuer sind.

Neuhöfer-Avdic: „Radfahren in der Fußgängerzone ist gefährlich“

Bürgermeisterin Monika Neuhöfer-Avdic, die mit Obert und Wernthaler auf dem Podium saß, betonte die Wichtigkeit einer durchgehenden Nord-Süd-Achse für Fahrräder durch die Stadt. Beim Erstellen des Verkehrskonzeptes will sie alle wichtigen Interessengruppen einbeziehen.

Die Fußgängerzone möchte sie während der Haupteinkaufszeiten hingegen von Radfahrern frei halten. Als Mutter von vier Kindern wisse sie: „Radfahren in der Fußgängerzone ist gefährlich.“

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