Lörrach Während der Predigt werden schon mal Geschäfte erledigt

Bei de Durchsetzung der Reformation im Markgräfler Land unterstützten die Landvögte von Rötteln den Margrafen mit Geschick und guten Bezihiehungen nach Basel. Foto: Archiv Foto: Die Oberbadische

Von Regine Ounas-Kräusel

Lörrach. Im Jahr 1556 führte Markgraf Karl II. von Baden-Durlach die Kirchenreformation ein. Dadurch wechselte auch das Markgräflerland zum evangelisch-lutherischen Glauben. Der Historiker Peter Kunze erläuterte in seinem Vortrag „Rötteln und die Reformation“ im vollbesetzten Hebelsaal des Dreiländermuseums die wichtige Rolle der Kirche und der Landvögte von Rötteln. Kunze war 2017 Kurator der Ausstellung „500 Jahre Reformation am Oberrhein“.

Es war eine Kirchenreformation von oben, eine Fürstenreformation, so Kunze. 1517 schlug Luther seine Thesen mit Reformvorschlägen für die Kirche in Wittenberg an. Doch schon vorher herrschte Unruhe: Auf den Konzilen von Konstanz und Basel wurde über die Reformierung der Kirche gestritten, Vorboten der Reformation wie Jan Hus wurden als Ketzer verbrannt.

Auch am Oberrhein herrschte Unmut über Ablasshandel, ausufernden Reliquienkult, schlecht ausgebildete und sittlich fragwürdige Priester, erläuterte der Referent. Doch die Markgrafen zögerten mit der Einführung der Reformation. Es gab keine Basisbewegung aus der Bevölkerung, wie Kunze darlegte.

Während die Städte am Oberrhein sich für Luthers Lehren öffneten, blieben die Bauern reserviert. Sie hätten zunächst gehofft, dass ihnen Luthers Lehre von der Freiheit eines Christenmenschen bei der Befreiung aus der Leibeigenschaft helfen würde. Doch Luthers Haltung in den Bauernkriegen hätten sie gegen die Reformation aufgebracht, so Kunze.

Tatsächlich hatte Martin Luther den deutschen Fürsten empfohlen, die Aufständischen mit Gewalt niederzuschlagen. Im Markgräflerland landeten Beschwerden über die Kirche bei den Landvögten von Rötteln. So zeigte das Dorf Kirchen das Basler Kloster Sankt Peter unter anderem wegen sexuellen Missbrauchs und Gewalt an.

Die Badischen Markgrafen zögerten mit der Einführung der Reformation außerdem, weil ihr Territorium angrenzte an die katholischen Gebiete Vorderösterreichs und an eidgenössische Gebiete, in denen die protestantischen Strömungen von Zwingli und Calvin vorherrschten.

Erst als der Augsburger Religionsfriede 1555 Rechtssicherheit schaffte, führte Karl II. die Reformation in Baden-Durlach ein. Nach der Regel „Cuius regio, eius religio“ (wessen Land, dessen Religion) bestimmte von nun an der Herrscher die Religion seiner Untertanen.

Bei der Durchsetzung der Reformation halfen die Landvögte von Rötteln ihrem Markgrafen mit diplomatischem Geschick und guten Beziehungen zum damals lutherischen Basel, so Kunze. Der Basler Münsterpfarrer Simon Sulzer wurde Superintendent in Baden-Durlach und schickte für die Ausbildung der Pfarrer den Theologen Ulrich Koch.

Sulzer und die Landvögte machten in den Kirchengemeinden Visitationen. Dabei bekämpften sie „alte Irrtümer“ wie katholische Gottesdienste, Kirchweihen und Viehsegnungen, berichtete Kunze. In Rötteln habe die kirchenferne Bevölkerung während der Predigt auch mal Handelsgeschäfte oder Feldarbeiten erledigt.

Doch nach vielen Konflikten und dem 30-jährigen Krieg entwickelte sich langsam ein friedliches Miteinander der Konfessionen. Im Jahr 1682 erhob der Markgraf Lörrach zur Stadt und gewährte den Bewohnern Bekenntnisfreiheit. 1821 gründeten lutherische und reformierte Christen die „Vereinigte evangelisch-protestantische Kirche im Großherzogtum Baden“. Auch Johann Peter Hebel wirkte dabei als Prälat mit.

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