Lörrach Wandel vom Terrorkämpfer zum Friedensaktivisten

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Taysir Abu Saada mit Hanna Scheinker und Jörg Müller (rechts) Foto: zVg

Lörrach. In der Lörracher Synagoge berichtete der Palästinenser Taysir Abu Saada, ein ehemaliger Terrorkämpfer der PLO (heute Fatah), vor einem fast voll besetzten Davidsaal aus seinem Leben. Der Vortrag war eingebunden in die Reihe „Begegnungen“, die von den Freien Wählern Lörrach gemeinsam mit dem Verein Emahti ins Leben gerufen wurde.

Hanna Scheinker erzählt von ihrem Leben

Hanna Scheinker, Vorsitzende der jüdischen Gemeinde erzählte in einleitenden Worten von ihrem Schicksal, als sie auf der Flucht war und schließlich in Lörrach eine neue Heimat fand. Sie stellte dabei einen konkreten Bezug zu den aktuellen Geschehnissen in der Ukraine her.

Im Namen der Veranstalter begrüßte Jörg Müller die Anwesenden und dankte der jüdischen Gemeinde für die langjährige gute Beziehung und das Vertrauen, einen Redner mit einem solchen Hintergrund sprechen zu lassen, so eine Mitteilung der Freien Wähler.

„Es ist einfach, jemanden zu töten, aber es ist nicht einfach, damit zu leben“

Dies sei um so bedeutender, da an diesem Tag der Unabhängigkeitstag Israels gefeiert wurde, unmittelbar nach dem Gedenktag für die Gefallenen des Nahostkonflikts. Besonders beeindruckt habe ihn der Satz von Taysir Abu Saada: „Es ist einfach, jemanden zu töten, aber es ist nicht einfach, damit zu leben!“

Beim Lesen der Tora erkannte er, dass Juden und Araber zusammengehören

Mit zahlreichen persönlichen Erlebnissen erzählte Saada aus seinem bewegten Leben: wie er sich mit 16 Jahren Jassir Arafat anschloss, in vielen Kämpfen und später als Scharfschütze und Attentäter Dinge tat, die ihn bis heute nicht loslassen. Saada beschrieb, welchen jahrzehntelangen Prozess er durchlief, um heute Juden nicht mehr zu hassen, sondern lieben zu können. Beim Lesen der Tora, der jüdischen Heiligen Schrift erkannte er, dass Juden und Araber zusammengehören. In seinem letzten Treffen mit Arafat kurz vor dessen Tod, habe er gesagt: „Mr. President, es ist Zeit für Frieden, unser Volk hat genug gelitten.“

Er bezeichnet sich heute als Christ

Mit diesem Volk meinte er sowohl die Palästinenser als auch die Juden. Heute engagiert er sich mit Projekten in Israel, der Westbank und dem Gazastreifen und setzt sich für Versöhnung ein. Gerade durch die Gründung von Kindergärten und Schulen engagiert er sich dafür, dass eine neue, veränderte Generation heranwächst. Die Worte der Bergpredigt haben ihn motiviert, ein Friedensstifter sein zu wollen: Er bezeichnet sich heute als Christ.

Sein Ziel: Hoffnung geben

Saada erläuterte, dass er damals falsch lag und schuldig wurde: Es sei nicht seine Absicht, seine Lebensgeschichte mit Stolz zu erzählen, sondern den Zuhörern Hoffnung zu geben, dass sich Menschen verändern können. „Seine Bitte um Verzeihung bei allen Jüdinnen und Juden im Raum und die Umarmung mit Hanna Scheinker hinterließen bei allen einen tiefen Eindruck“, so die Medienmitteilung.

Im Anschluss an seinen Vortrag beantwortete Saada fast eine Stunde lang die Fragen der Zuhörer und signierte im Anschluss auf Wunsch Bücher, die man gegen eine Spende erhalten konnte.

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