Lörrach Wie man den richtigen Beruf findet

Regine Ounas-Kräusel
Was brauchen Jugendliche beim Übergang von Schule zum Beruf: Darüber diskutierten, moderiert von Gudrun-Heute-Bluhm: Diana Stöcker, Horst Eckert (verdeckt), Dr. Rudolf Schick, Karin Maßen und Alexander Käppele (von links) Foto: Regie Ounas-Kräusel

Seit 20 Jahren unterstützt das Theater Tempus fugit mit seinem interaktiven Theater „Nur Mut“ Jugendliche in Schulen bei ihrer Berufswahl. Am Donnerstag feierte Tempus fugit dieses Jubiläum mit Weggefährtinnen und Begleitern.

Am Donnerstag feierte Tempus fugit dieses Jubiläum mit Weggefährtinnen und Begleitern. Vieles war für jugendliche Schulabgänger vor 20 Jahren anders als heute: Damals waren Ausbildungsplätze rar, heute werden Auszubildende gesucht. Junge Frauen hatten es damals in technischen Berufen schwerer, heute liefert das Internet Infos zu Berufen. Doch eines ist gleich geblieben: Für junge Leute ist es mit Stress verbunden, aus der Vielfalt an Berufen den richtigen zu finden. Die Berufswahl wird von Zufällen beeinflusst: von dem, was Eltern oder Freunde machen, etwa. Dies bestätigten die Praktikanten aus dem Spielzeitteam im Gespräch mit Theaterleiterin Karin Maßen.

Die Anfänge

Karin Maßen und die Bundestagsabgeordnete Diana Stöcker erinnerten an die Anfänge vor 20 Jahren. Diana Stöcker, die damals das Innovationszentrum Innocel leitete, suchte nach Wegen, wie Wirtschaft und Schulen Jugendliche beim Einstieg in die Berufswelt unterstützen können.

Karin Maßen entwickelte dann das interaktive Format „Nur Mut“: Tempus fugit spielt in Schulen Szenen zum Thema „Ausbildung und Berufswahl“. Danach dürfen die Schüler die Szenen nach ihren Vorstellungen verändern. Dadurch würden sie ihre Umwelt als veränderbar erleben und ermutigt, ihre Berufswahl aktiv in die Hand zu nehmen, so Maßen.

Heute agiert Tempus fugit mit „Nur Mut“ in einem großen Netzwerk: Das Theater hat im Kreis Lörrach vor allem an Werkreal-, Gemeinschafts- und Förderschulen bisher fast 34 000 Jugendliche erreicht, auch zu Schulen im Kreis Waldshut bestehen Kontakte. Partnerfirmen unterstützen das Projekt als Sponsoren und schicken Auszubildende zu Nur-Mut-Terminen. Es sei wichtig, dass sich Jugendliche mit Gleichaltrigen über deren Erfahrungen unterhalten könnten, sagte Alexander Käppele, Ausbildungsleiter bei der Firma A.Raymond.

Typische Szenen

Schauspieler von Tempus fugit zeigten zwei für „Nur Mut“ typische Szenen: In der ersten Szene tauschten sich Jugendliche über ihre Praktika zur Berufsorientierung aus. Nur einer saß schweigend in der Ecke - war sein Praktikum ein Flop? In der anderen Szene ging es um die Frage, was junge Leute nach dem Abi machen wollen.

Natürlich kamen auch Erfolge zur Sprache. Die Rektorin der Pestalozzi-Schule Lörrach Isolde Weiß erzählte von einem autistischen Schüler, der nie sprach: Nach der Auseinandersetzung mit „Nur Mut“ habe er deutlich gesagt, welches Praktikum er machen wolle. In einem Video der Firma Naturenergie erzählte die Leiterin Technische Ausbildung: Als Hauptschülerin habe sie sich wenig zugetraut. Durch „Nur Mut“ habe sie sich getraut, eine Ausbildung als Elektronikerin anzufangen.

Podiumsdiskussion

In der abschließenden Podiumsdiskussion lobten auch Horst Eckert, Geschäftsführer der Arbeitsagentur Lörrach, und Rudolf Schick, Direktor des Schulamtes Lörrach, das Projekt „Nur Mut“. Lörrachs frühere Oberbürgermeisterin Gudrun Heute-Bluhm moderierte. Sie regte eine Diskussion an, wie man das Projekt in Wirtschaft und Schulen noch bekannter machen und die Finanzierung verstetigen könnte. Bislang muss Tempus fugit jedes Jahr neue Gelder einwerben, obwohl es eine Handvoll treuer Sponsoren aus der Wirtschaft gibt. Die Arbeitsagentur übernehme seit 2005 jährlich bis zu 50 Prozent der Kosten, informierte Eckert.

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