Lörrach Zauberhaft getanzte Märchenwelt

Von Jürgen Scharf

Lörrach. Die Geschichte hat ein gutes Ende gefunden. Jeanny, der Flaschengeist, kann beruhigt das Märchenbuch schließen. Denn märchenhaft war die Aufführung von „Dornröschen“ in der Nachmittagsvorstellung des Russischen Nationalballetts, der am Abend die traditionelle „Schwanensee“-Vorstellung folgte. Beide Ballette sind im Burghof Selbstläufer.

Obwohl „Dornröschen“ mit zwei Stunden Aufführungsdauer auch „abendfüllend“ ist, sah man viele Kinder im Publikum. Zumal diese Version mit einer entzückenden Märchenerzählerin (Marina Beniashvili) aufwartet, die etwas über die Handlung und die Figuren erzählt – dies allerdings mit zahlreichen Aussetzern des Mikrofons. Die Choreografie nach Marius Petipa war wie aus dem Märchenland: mit prächtig kostümierter Königin und König (die Hoheiten Mokeeva Oksana und Rostislav Desnitskii gaben sich in der Pause im Foyer die Ehre und Autogramme).

Getanzt wurde, wie man das vom Russischen Nationalballett kennt, meist sehr präzise, mit den schönsten Hebefiguren, Drehungen, Sprüngen, und einem sehr synchronen Corps de Ballett. Höhepunkt war in dieser Geschichte über die hundert Jahre schlafende Prinzessin, deren Schloss von einer gewaltigen Dornenhecke umgeben ist, das wunderbare Rosen-Adagio, der berühmte Tanz, den Aurora mit den vier Prinzen-Verehrern tanzt.

Neben den Traumgestalten von Fliederfee und Elfen war die böse Fee Carabosse (ausdrucksstark: Andrey Subbotin) der dämonische Mittelpunkt, schwarz gekleidet, umgeben von einer Rotte strubbeliger Ratten. Auweia, denken die Kinder, wenn sich Aurora an ihrem 16. Geburtstag mit der Nadel piekst und die schlimme Prophezeiung der bösen Fee wahr wird. Doch, wie gesagt, wir sind im Märchen: Da gibt es noch die guten Feen...

Die Prinzen im Ballett, vor allem im russischen, müssen immer hübsch, jung, verliebt und athletisch sein. Und das waren sie auch in beiden Produktionen, im „Dornröschen“ noch mehr als im „Schwanensee“. Dmitrii Poliakov als Prinz Desiré zeigt sprungsichere Eleganz. Anna Seregina als Prinzessin Aurora gefällt durch anmutigste Drehungen und Pirouetten. So kann der Hochzeitstag kommen. Und wenn sich das junge Liebespaar im großen Tanz zu zweit, dem Grand Pas de deux, am Ende des Divertissements in wunderbarer tänzerischer Homogenität vereint, dann macht das einem schon Vorfreude auf die Tanznummern am Abend.

In der Abendvorstellung von „Schwanensee“ war wie immer der zweite Akt der Schwäne mit Odette als Imagination schlicht grandios. Einmal gesehen, vergisst man diesen Kordon der Schwäne nie mehr. Eine Augenweide ist die Ruhepose der Schwäne mit verschränkten Armen und Beinen. Wie stets ein Aha-Effekt: der originelle Pas de quatre der vier Schwäne mit überkreuzten Händen, eine tänzerische Bravournummer, die an diesem Abend erfreulich synchron ablief.

Die berühmte Pose der Schwanenkönigin mit den nach hinten ausgestreckten Armen, den Kopf im Nacken, demonstriert Anastasiia Abramova grazil-graziös. Mit sicherem Drehmoment und standfest führt ihre Odette die unzähligen Arabesken auf der Bühne aus - alles „auf Spitze“.

Mit Filipp Parkachev hat die anmutige Ballerina einen Schlaks als Prinzen, der weniger Leidenschaft als Kühle im Tanz ausstrahlte. Dafür verkörpert Abramova ebenso makellos die Rolle des kapriziösen schwarzen Schwans Odile. Ihr Pas de deux war ein Höhepunkt an diesem Ballettabend, zumal sie die Reihe der schnellen Pirouetten technisch außerordentlich brillant tanzt.

Das eindeutig choreographierte Happy End von Odette und Prinz Siegfried überraschte (es gibt auch ganz andere Versionen des Schlusses). Das Russische Nationalballett hat hier an die Uraufführung angeknüpft. Schließlich sollte in diesem Ballett die Liebe über den bösen Zauberer – das Pendant zur bösen Fee in „Dornröschen“ – siegen!

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