Lörrach Zeit zum Innehalten

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Frank Hovenbitzer (links) übergibt Olaf Andris von der Friedhofsverwaltung den Plan für das Fundament. Rechts Peter Jungbeck vom Vorstand der Bürgerstiftung Foto: zVg/Franz Schmider

Der neue, fünfte Bücherschrank für Lörrach ist fertig, und er hat auch bereits einen Standort: In Zusammenarbeit mit der Stadt hat die Bürgerstiftung das Gräberfeld 17 auf dem Hauptfriedhof gewählt.

Das Feld, das an den Ehrenfriedhof mit den Kriegsgräbern grenzt, wurde in den vergangenen Jahren von einem Landschaftsarchitekten als Ort für das Zur-Ruhe-Kommen neu gestaltet, der Bücherschrank passe genau in das Konzept. „Ein Friedhof ist ja vor allem ein Ort für die Lebenden, nicht nur für die Toten“, sagt Olaf Andris, technischer Leiter des Friedhofs, bei einer gemeinsamen Besichtigung mit Frank Hovenbitzer und Peter Jungbeck vom Vorstand der Bürgerstiftung.

Bezug zur Bibel

Dass es zu dieser Wahl kam, hat eine Vorgeschichte. Gräberfeld 17 wurde als Ersatz für das Gräberfeld für Ordensfrauen nahe der Aussegnungshalle neu entwickelt. Das war nötig, weil aufgrund der lehmigen Bodenverhältnisse des bisherigen Standortes dort nicht weiter bestattet werden soll. Das neue Gräberfeld sollte zum einen als Ort der Ruhe und der Kommunikation gestaltet und zudem so bepflanzt werden, dass ein Bezug zur Bibel besteht. Entsprechend wurde ein Feigen- und ein Olivenbaum gepflanzt, dazu Myrrhe, Ginster und weitere Gewächse mit einer Verbindung zum Heiligen Land. Auf den Grabsteinen der Ordensfrauen finden sich zudem Hinweise auf Stellen aus der Bibel, zu denen die Verstorbenen einen Bezug haben.

Hinter Abkürzungen blicken

Aber bei einer Vorbesichtigung habe man sich gefragt, wer denn noch wisse, was sich hinter „PS 29,11“ (Der Herr wird seinem Volk Kraft geben; der Herr wird sein Volk segnen mit Frieden), „1. Tim. 1,12“, , OFFB 2,17“ oder Joh.7,38“ (Wer an mich glaubt, von dessen Leib werden, wie die Schrift sagt, Ströme lebendigen Wassers fließen) verberge, erzählt Andris. „So kam es, dass wir uns gesagt haben: Eigentlich müsste hier eine Bibel stehen, falls das jemand nachschlagen will.“ Die Bibelstellen sind auch gedankliche Anregungen.

Zur Ruhe kommen

Hinzu kam die Beobachtung, dass sich immer wieder Menschen in der Mittagspause hier auf den Bänken niederlassen, oder Besucher von Grabstätten noch für einen Moment hier verweilen und ihren Erinnerungen nachhängen. „Das ist gar nicht so selten“, sagt Andris. Die Idee, einen Bücherschrank aufzustellen, war geboren, er soll das Gesamtkonzept ergänzen. Trauerorte müssten heute andere Bedingungen erfüllen als in früheren Jahrzehnten.

Unterstützer leisten Hilfe

Die Bürgerstiftung griff die Idee auf. „Wir fanden das eine richtig ungewöhnliche Idee, haben uns das angeschaut und zugesagt“, sagt Frank Hovenbitzer. Zudem klopfte die Bürgerstiftung bei der Gewerbeschule an mit der Frage, ob nicht die dortigen Metallfachschüler als Projekt einer praktischen Arbeit den Schrank bauen könnten. „Wir dachten, das könnte eine gute Win-Win-Situation werden“, so Hovenbitzer. Den Bau hat Jean Metz übernommen, der den Metallbereich leitet, wobei sich auch zeigte, dass für bestimmte Arbeiten das nötige Werkzeug fehlte, weshalb er wiederum mit Metallbaubetrieben zusammenarbeiten musste. Und es blieben die diversen Materialkosten zu decken. Hier sucht die Bürgerstiftung noch Unterstützer. (E-Mail an: kontakt@buergerstiftung-loerrach.de).

Schrank ist gebaut

Inzwischen ist der Schrank gebaut, Hovenbitzer übergab den Plan für den Bau des Fundamentes, das die Mitarbeiter des Friedhofes in den kommenden Wochen – sofern das Wetter mitspielt – legen werden. Und das Team um Andris wird es auch übernehmen, den Bücherschrank zu betreuen.

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