Lörracher Kundgebung Tausende Menschen demonstrieren für Demokratie und gegen Rechts

Gerald Nill
Veranstalter Klaus Nack hat die Demo organisiert. Foto: Gerald Nill

Eine starke Beteiligung erlebte die Demonstration gegen Rechts am Samstagmittag auf dem Rathausplatz in Lörrach. Klaus Nack freute sich als Veranstalter der zivilgesellschaftlich organisierten Kundgebung über die hohe Beteiligung von rund 2000 Teilnehmern. Während der Demo war sogar von 4000 Teilnehmern die Rede.

Von „kommt überhaupt jemand? „ bis „Die Rennen uns die Bude ein“ sei alles denkbar gewesen, sagte Nack vor der Veranstaltung, als immer mehr Menschen mit Transparenten, Luftballons und guter Laune zum Kundgebungsort strömten. Die Stadt rechnete da schon mit einer eher hohen Beteiligung, wie eine Mitarbeiterin des Ordnungsamtes schätzte.

Auf verschiedenen Transparenten wurden die Positionierungen deutlich. Foto: Gerald Nill

Unter die Redner mischte sich diesmal kein Politiker. Das sei aber keineswegs als Affront zu werten. „ Wir wollen der Politik beispringen“, erklärte der Veranstalter ausdrücklich. „Wir wollen zeigen, Bürger haben ein Interesse an Demokratie.“ Nack freute sich über die guten Bedingungen, das Wetter und den geeigneten symbolträchtigen Ort direkt vor dem Rathaus, der sich zusehends füllte, als es auf 5 vor 12, den Veranstaltungsbeginn, zuging. Auf den Transparenten der Bürger standen Sprüche wie „ Wer jetzt nicht aufsteht, hat nichts kapiert“ oder „Empathie und Demokratie statt Diktatur und Zensur“.

„Kein Teil unserer Demokratie

Die Ansprachen eröffnete Bernhard Hoechst. Er stellte klar: „Die AfD mit ihrer menschenverachtenden Gesinnung ist kein Teil unserer Demokratie.“ Hoechst stellte die Mitveranstalter der Kundgebung vor: beide christlichen Kirchen, GEW, SPD, DGB, Bündnis90/ Die Grünen, CDU, Piraten, Freie Wähler, Linke, Fridays for Future und andere.

Drangvolle Enge auf dem Rathausplatz bei der Kundgebung gegen Rechts und für Demokratie „5 vor 12“. Foto: Gerald Nill

Als Klaus Nack ans Mikro ging, dankte er zunächst den zahlreichen Teilnehmern: „Ich bin überwältigt, wieviele Leute zusammen gekommen sind!“ Nack nahm auf die aus dem Ruder gelaufene Kundgebung eine Woche zuvor Bezug, als Verschwörungstheoretiker und andere „viel Nonsens“ verbreitet hätten. Rechtsextremen zeigte Nack sinnbildlich die rote Karte. Faschismus sei ein Verbrechen. Es sei ein „Irrglaube, dass andere uns etwas wegnehmen.“ Das Gegenteil sei der Fall, die Gesellschaft brauche die Vielfalt. Selbstkritisch meinte Nack: „Wir haben zu lange geschwiegen.“ Ein Aspekt, den auch Bärbel Schäfer, Dekanin der evangelischen Kirche, aufgriff: „Warum haben wir geschwiegen?“ Und weiter: „Wir als Kirche sagen nein. Rechtsextreme Gruppen wollen Deportation und Vertreibung.“ Schäfer weiter: „Wer jetzt schweigt, schürt die Gefahr, denn es gibt ein zu spät.“ Wiederum selbstkritisch fügte sie hinzu: „Wir Kirchen haben zu oft geschwiegen.“

Die Jugend bezieht Stellung

Anschließend traten zwei Vertreter aus dem Jugendrat an Mikro. Roger und Florian zeigten sich überwältigt von der großen Resonanz der Veranstaltung: „Es ist der absolute Wahnsinn, wieviele Leute heute hier sind, um ein Zeichen zu setzen.“ Es sei „allerhöchste Zeit, dass wir uns zur Wehr setzen.“ Und weiter: „Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit.“

Die Menschen demonstrierten in der Innenstadt. Foto: Gerald Nill

Der abschließende Demonstrationszug setzte sich als schier endloser Lindwurm vom Rathausplatz über Sarrazinweg, Haagener Straße, Tumringer Straße, Marktplatz und Bahnhofstraße zurück zum Rathaus in Bewegung. Die Kundgebung verlief ohne Zwischenfälle.

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