Malsburg-Marzell (bn/kan). Mit Trauer vernahmen gestern viele Freunde und Bekannte die Nachricht vom Tod Günter Wagners, der im Alter von fast 88 Jahren in einem Kanderner Pflegeheim verstarb. Der als „Schattlochbuur“ weithin bekannte Marzeller Heimatdichter erlangte in den 1980er-Jahren durch seine umweltkritische Mundartlyrik beachtliche Popularität. Sein alemannischer Gedichtband „Ruuchi Bolle“, in dem er seinen Sorgen um den natürlichen Lebensraum seiner Wälderheimat, die Probleme der Höhenlandwirtschaft und den „sterbenden“ Wald starken poetischen Ausdruck verlieh, wurde ein Bestseller der regionalen Umweltschutz- und Protestliteratur.

Mundartlyrik zu Umweltthemen

Seine hochdeutsche Lyrik erschien 1990 unter dem Titel „Einsame Wege“ als Büchlein. Den Sorgenthemen seiner Lyrik galt auch sein kommunalpolitisches Engagement als langjähriger Marzeller Gemeinderat, SPD-Kreisrat während zwei Wahlperioden und als Vorsitzender des SPD-Ortsvereins, dessen gehaltvolle Erste-Mai-Reden immer große Beachtung fanden.

Aufgewachsen war Günter Wagner in Vogelbach, wo er auch die Volksschule besuchte, bevor an die Kanderner Mittelschule wechselte, die 1944 jedoch kriegsbedingt geschlossen wurde. Er selbst wurde noch 1945 zur Wehrmacht eingezogen und geriet einige Monate in amerikanische Gefangenschaft.

Nach der Rückkehr erlernte er das Schreinerhandwerk, das er bis zum Ruhestandsalter in der ehemaligen Kanderner Tonwerke GmbH ausübte. In seinem heimischen Anwesen betrieb der dreifache Familienvater zusammen mit seiner 1998 früh verstorbenen Frau Lisbeth eine Nebenerwerbslandwirtschaft auf dem Buck.

Bei alledem war Günter Wagner durchaus auch ein humorbegabter Mensch, der über viele Jahre hinweg mit seinen kabarettistisch aggressiven Auftritten an den Kanderner Zunftabenden das Publikum zugleich amüsierte und nachdenklich stimmte.

Fast in allen Vereinen der Berggemeinde war der Verstorbene aktives oder förderndes Mitglied. Besonderes Engagement widmete er dabei dem Skiclub als ambitionierter Tourenwart, dem Heimatverein als Initiator und Mitgestalter der „Nussabende“ und „Liechtgänge“ und dem Weideverband, bei dessen „50-Jährigem“ er die Festansprache hielt. Unterhaltsame Programme gestaltete er noch bis vor kurzem zusammen mit dem volkstümlichen Sänger Reiner Bauer für die Mitbewohner des Seniorenheims, in dem er seine letzte Lebenszeit verbrachte.