Maulburg Kinder lernen in und von der Natur

Maulburg -  Das Konzept steht, das Personal ist eingestellt, der Bauantrag eingereicht. Der Waldkindergarten soll, so das ehrgeizige Ziel, zum neuen Kindergartenjahr in Betrieb gehen – der rechtzeitige Eingang der Betriebserlaubnis vorausgesetzt.

Oberhalb des Sonnenhofs, auf der Hasenwaid, wird der jüngste Kindergarten der Gemeinde entstehen, erläuterte Hauptamtsleiterin Jessica Lang diese Woche beim Pressegespräch im Rathaushaussaal. Ein Hobbitwagen und eine Sanitäranlage – mehr bauliche Voraussetzungen braucht es für den Betrieb nicht. Man sei bewusst die personelle und bauliche Schiene parallel gefahren, sagt Lang. So soll gewährleistet werden, dass das künftige Team seine Vorstellung mit einbringen kann.

Johanna Schwald hatte dem Gemeinderat im vergangenen Jahr den Vorschlag unterbreitet, den Bedarf an Kindergartenplätzen mit einem Waldkindergarten zu decken und damit offene Türen eingerannt. Rasch bestand auch Einigkeit darüber, dass die Gemeinde die Trägerschaft des Kindergartens übernehmen wird, da sie sowieso für 90 Prozent der Betriebskosten aufkommen muss.

20 Plätze stehen Mädchen und Jungen ab drei Jahren in dem künftigen Waldkindergarten zur Verfügung. Betreut werden sie von einem dreiköpfigen Team unter der Leitung von Sebastian Greif zwischen 7.30 und 13.30 Uhr. Mit Greif (43 Jahre) hat die Gemeinde einen erfahrenen Pädagogen für die Kindergartenleitung gewinnen können.

Sebastian Greif hat über zehn Jahre im Waldkindergarten „Märchenwald“ in Weil am Rhein gearbeitet. Seine letzte berufliche Station war die Leitung des Erstelkindergartens in Inzlingen. Den Hort mit dem Schwerpunkt Naturpädagogik leitete er sechs Jahre lang bis zu seinem Wechsel nach Maulburg.

Während andere Einrichtungen um Personal ringen, hat die Gemeinde Maulburg scheinbar mühelos die entsprechenden Fachkräfte gewinnen können. Der gute Ruf, den die Gemeinde genießt, und die Gelegenheit, am pädagogischen Konzept des Waldkindergartens mitarbeiten zu können, haben den 43-Jährigen bewogen, sich auf die Leiterstelle zu bewerben. Für ihn sei es eine spannende Herausforderung sagt Greif, schließlich bekomme man nicht alle Tage die Gelegenheit einen Naturkindergarten zu etablieren.

Der Waldkindergarten hat seinen Ursprung in Skandinavien. Im dänischen Søllerød wurde in den 1950er Jahren der ersten Kindergarten dieser Art gegründet. Von Skandinavien breiteten sich die Naturkindergarten dann aus. In Deutschland fand die Waldkindergartenbewegung erst in den 1990er Jahren größeren Anklang. Der erste anerkannte Waldkindergarten startete 1993 in Flensburg.

Waldkindergärten sind zunächst ganz normale Kindergärten, in denen die Kinder spielen, lernen, basteln, toben und singen. Der Unterschied zum Regelkindergarten besteht darin, dass der Waldkindergarten bei Wind und Wetter im Freien stattfindet. Nur bei besonders schlechten Wetter ziehen sich die Kinder in feste Unterkünfte zurück. Für den neuen Waldkindergarten ist die Kindertageseinrichtung Neue Straße ein solcher Rückzugsort. Dort unterstützt Sebastian Greif bis zur Inbetriebnahme der neuen Einrichtung das Kindergartenteam und trifft parallel dazu die Vorkehrungen für den Waldkindergarten.

Laut Sebastian Greif entsprechen Waldkindergärten dem natürlichen Bedürfnis von Kindern. Sie ermöglichen ihnen den frühen Zugang zur Natur, in der sie den Reigen der Jahreszeiten erleben. Die Kinder sollen selbst entscheiden können, wie sie den Tag gestalten wollen. „Wir Erzieher sehen uns eher als Begleiter und Unterstützer“, sagt Sebastian Greif, der den Waldkindergarten als einen Ort sieht, an dem sich die Mädchen und Jungen wohlfühlen sollen. Während der Zeit im Kindergarten sollen sie eine Kernkompetenz entwickeln, die als Rüstzeug für das spätere Leben dient. „Die Kinder lernen sehr schnell in und von der Natur“, sagt Sebastian Greif. In der Natur finden die Mädchen und Jungen auch, was sie zum Spielen brauchen.

Mit möglichst wenig auszukommen, ist dabei ebenso Teil des Konzepts wie ein Förderverein, der dem Waldkindergarten einen familiären Charakter geben soll.

Anmeldungen zum Waldkindergarten sind noch nicht möglich, die Gemeinde wird dies aber rechtzeitig mitteilen. Auch Informationsveranstaltungen sind geplant.

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