Maulburg - Einen tiefen Blick in den Haushaltsplan der Gemeinde Maulburg fürs laufende Jahr warfen die Freien Wähler am Donnerstag im Rahmen eines Bürgertreffs.

Für die Besucher war die Präsentation von Erich Potschies Gelegenheit, ihre Anregungen einzubringen, bevor das Zahlenwerk im Finanzausschuss beraten und Ende Februar endgültig verabschiedet werden soll – noch später im Jahr als in Maulburg ohnehin üblich.

Neues Haushaltsrecht

Es ist erst das zweite Jahr, in dem Maulburg seinen Haushalt nach dem neuen Kommunalen Haushaltsrecht (NKHR) auflegt, und so gab’s von Potschies zunächst eine kleine Einführung ins kleine Einmaleins des NKHR.

Wichtige Neuerung

Wichtige Neuerung: Die Abschreibungen jeder Kostenstelle müssen dargestellt und erwirtschaftet werden – das also, was beispielsweise ein Gebäude jedes Jahr „kostet“, wenn man seine Herstellungskosten auf die Nutzungsdauer umlegt. Im Maulburger Haushalt summierten sich diese Aufwendungen 2018 auf immerhin 1,7 Millionen Euro, die so bislang nicht im Zahlenwerk auftauchten.

Riesenaufwand

Für das Rechnungsamt der Gemeinde bedeute die Umstellung einen „Riesenaufwand“ machte Potschies deutlich: Das es beim NKHR auch darum gehe, das Vermögen der Gemeinde zu taxieren, „musste so gut wie jede Schraube neu bewertet werden“.

Einnahmen

Größter Geldbringer im Maulburg ist seit Jahren schon die Gewerbesteuer; etwa neun Millionen sollen aus dieser Quelle 2019 sprudeln. Krux dabei: „Man kann nie recht absehen, was tatsächlich kommt“, so Potschies. So rechnete der Gemeindekämmerer 2018 mit zehn Millionen – tatsächlich flossen aber wohl (die endgültige Jahresrechnung steht noch aus) „nur“ etwa 8,1 Millionen Euro. Wichtiges Ziel des geplanten Gewerbegebietes West sei es denn auch, Fokussierung und Abhängigkeit der Gemeinde von wenigen großen Unternehmen ein wenig zu mildern.

Investitionen

Etwa sechs Millionen Euro will die Gemeinde im kommenden Jahr Investieren. Mit 4,1 Millionen soll dabei das meiste Geld in diverse Baumaßnahmen fließen. Größter Brocken mit 1,75 Millionen ist dabei einmal mehr der Bildungscampus; auf dem zweiten Ausgaberang liegt die Regenwasserbehandlung mit einer Millionen.

Ebenfalls auf der Agenda unter anderem: Neugestaltung Rathausplatz (510 000), Wiesebrücke (350 000) oder eine Planungsrate Seniorenheim (500 000).

Liquide Mittel

Über den immensen Ausgaben der vergangenen Jahre und bis heute werden die liquiden Mittel (vormals: Rücklagen) von 22 Millionen Anfang 2018 auf 5,6 Millionen Ende 2019 zusammenschrumpfen. „Dafür ist aber auch eine ganze Menge gegangen“, so Potschies mit Blick unter anderem auf den Bildungscampus.

Gut möglich auch, dass einmal mehr längst nicht alle im Haushaltsplan aufgeführten Vorhaben überhaupt angegangen werden – und die Kosten dafür dann also auch erste einmal aufgespart sind.

Leerstellen

Einige wichtige Punkte wiederum habe er vermisst, sagte Potschies und nannte unter anderem die Außenbeleuchtung am Dorfstübli oder das Pflanzen von Bäumen im Dorf. Hier soll in den Beratungen nochmals nachgehakt werden.

Dringend auf die Agenda gehörten auch die künftige Nutzung etwa von Munistall und Obergeschoss des alten Rathauses, oder ein neuer Standort für die heruntergewirtschafteten Obdachlosenunterkunft. Beim Blick über den Tag hinaus auf eine längerfristige Entwicklungsperspektive für Maulburg sei ein „Masterplan Verkehr“ dringend nötig, der die aktuelle Belastung im Dorf und das mutmaßlich steigende Verkehrsaufkommen der Zukunft in vernünftige Bahnen lenke, waren sich die Anwesenden einig.