Müllheim Deutlich weniger Alkoholexzesse

Eine starke Gemeinschaftsleistung ist das Müllheimer Jugendprojekt „Don’t drink too much“: (v.l.) Stadtjugendreferent Wolfgang Strachowsky, Projektpartner Arthur Albrecht, Jugendsachbearbeiter der Polizei, Martin Seywald, Projektpartner Izzet Dalsar, Dezernent Michael Kaszubski und Bürgermeisterin Astrid Siemes-Knoblich Foto: Dorothee Philipp Foto: Weiler Zeitung

Friedlich feiern ohne Exzesse – dass das auf Dauer geht, zeigt das erfolgreiche Müllheimer Gemeinschaftsprojekt „Don’t drink too much“ („Trink nicht zu viel“), in dem Polizei, Stadtjugendreferat und Jugendliche gemeinsam Eskalationen wie Koma-Saufen, Sachbeschädigungen oder Schlägereien unter Jugendlichen vorbeugen.

Müllheim. Auch die Fasnachtstage sind in Müllheim wieder ohne nennenswerte Zwischenfälle über die Bühne gegangen, berichtete Martin Seywald, Jugendsachbearbeiter beim Müllheimer Polizeirevier im Rahmen eines Mediengesprächs.

Nicht immer war es so ruhig im Dunstkreis größerer Veranstaltungen: Es gab vor zehn, zwölf Jahren in Müllheim eine „aktive“ Jugendszene mit bis zu 50 Leuten, die an verschiedenen Brennpunkten Ärger machten. Zusammen mit Stadtjugendpfleger Bernd Jahn habe er damals den persönlichen Kontakt zu den jungen Leuten gesucht, berichtete Seywald. „Unsere Absicht war auch, dass die Jugendlichen die Polizei auch mal von einer anderen Seite kennenlernen“, berichtete Seywald.

Denn etliche aus den Cliquen hätten ihm und den Kollegen oft im Revier gegenüber gesessen, wenn sie mal wieder was „verbockt“ hatten. Wichtige Stichworte hier seien Vertrauen und Respekt. Ein Runder Tisch wurde ins Leben gerufen, an dem sich die Beteiligten trafen, auch die „Häuptlinge“ der Jugendgruppen, die sich auf diese Art auf einmal ernst genommen fühlten. Dann gab es die Aktion „Feiern ohne Alkohol“ erstmals zum Stadtfest 2009. Einige Jugendliche erklärten sich bereit, auf alkoholische Getränke zu verzichten und das in der Gruppe positiv zu kommunizieren. Da sei Solidarität entstanden, so dass die andern dann auch auf Alkohol verzichtet hätten.

2010 waren es schon zweimal zehn Freiwillige, die an zwei Abenden sozusagen als Coaches in ihren Cliquen auf gefährdete Kumpels achteten und diese ansprachen. „Die Probleme sind seither zählbar zurückgegangen“, sagt Seywald. 2011 hat erstmals auch die Narrenzunft Müllemer Hudeli von der neuen Initiative profitiert. Jetzt versuchen die Beteiligten Jahr für Jahr neue junge Leute in das Projekt einzubinden, solche wie Izzet Dalsar und Arthur Albrecht. Dalsar war mit 14 Jahren der Jüngste, der beim Stadtfest 2016 bei „Don’t drink too much“ mitgemacht hat.

Inzwischen werden die Jugendlichen, die in der Öffentlichkeit mit Alkohol hantieren immer jünger, betrunkene Zehn- und Elfjährige sind keine Seltenheit mehr. Wenn sie von einem Teenie angesprochen werden, hören sie eher hin, hat Izzet beobachtet. Arthur ist 19 und bereits seit sechs Jahren für „Don’t drink too much“ aktiv.

Das Projekt kann inzwischen auf eine zehnjährige Erfolgsgeschichte verweisen und wurde 2013 mit dem Jugendzivilcouragepreis des Landes Baden-Württemberg ausgezeichnet. Es ist ein Mosaikstein im Präventions-Netzwerk „Müllheim macht stark“, über das in zahlreichen Veranstaltungen schon über 3000 Menschen erreicht wurden, berichtete Michael Kaszubski, Dezernent für Bildung, Bürger und Ehrenamt.

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