Von Dorothee Philipp

Müllheim. Am Sonntag wurden im Neuen Schloss in Meersburg die drei Preisträger des „Staatspreises Gestaltung Kunst Handwerk Baden-Württemberg“ bekannt gegeben. Unter ihnen ist die in Müllheim lebende Keramikerin Elisa Stützle-Siegsmund.

Der mit 4000 Euro dotierte Preis, der im zweijährigen Turnus vom Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau vergeben wird, ist für die seit 25 Jahren frei schaffende Künstlerin eine großartige Bestätigung, wie sie unserer Zeitung sagte.

Mit der Preisverleihung verbunden ist eine Ausstellung von 70 ausgewählten Wettbewerbsarbeiten im Neuen Schloss Meersburg.

Schon seit 2012 ist Elisa Stützle-Siegsmund an diesen Landesausstellungen mit ihren Arbeiten vertreten. Für die Teilnahme gelten ebenfalls harte Auswahlkriterien.

Nach dem Studium an der Hochschule für Technik Stuttgart (FHT) arbeitete sie zunächst als Ingenieurin, bevor sie ab 1991 ein zweijähriges Studium der Keramik in den Glen-Echo-Pottery-Studios in Washington aufnahm. 1994 gründete sie in Heidelberg ein eigenes Atelier. Gleichzeitig bildete sie sich an der Staatlichen Majolika-Manufaktur in Karlsruhe weiter. Von 2004 bis 2008 arbeitete Elisa Stützle-Siegsmund in einem Atelier der Bildhauerwerkstatt des BBK Berlin, und seit 2008 lebt und arbeitet sie in Müllheim.

Von überirdischem Blau

Als Wettbewerbsarbeit hat sie eines ihrer Gefäße der „geschlossenen Form“ eingereicht. Ein im Längsschnitt elliptisch geformter Hohlkörper, der sich mit einem kühnen Schwung nach unten verjüngt, was dem Gefäß eine im Raum schwebende Wirkung verleiht. Die runde Öffnung oben ist vergleichsweise klein, die leicht körnige Oberfläche leuchtet in einem überirdischen Blau. Hier waren mehrere Brände mit verschiedenen Farbschichten nötig, bis diese unwahrscheinliche Tiefenwirkung entstanden ist, berichtet sie. Schon allein die Form des Gefäßes zeugt von hoher Kunst und handwerklichem Können in einem.

Wie kommt sie mit dem Begriff Kunsthandwerk klar, mit dem die Meersburger Ausstellung etikettiert ist? „Ich würde lieber von materialbezogener Kunst sprechen“, sagt Stützle-Siegsmund. In Skandinavien zum Beispiel gebe es die Unterscheidung von Kunst und Kunsthandwerk überhaupt nicht. Auch andere Länder trennen da nicht so scharf. Vor allem in Deutschland würden Dinge, die aus dem angewandten Bereich kommen, schnell in die Schublade „Kunsthandwerk“ gesteckt. Der deutsche Kunstbegriff orientiere sich immer noch an Idealen des 18. Jahrhunderts, in dem die Malerei eine dominante Rolle spielte. Bei der materialbezogenen Kunst sei die absolute Beherrschung des Materials das A und O.

Der „Staatspreis Gestaltung Kunst Handwerk“ hat eine lange Tradition und wird schon seit 1953 im zweijährigen Turnus vergeben. Eine siebenköpfige Fachjury entscheidet über die Nominierungen und die Preise. In diesem Jahr hatten sich 112 Personen mit insgesamt 262 Arbeiten aus verschiedenen Sparten der materialbezogenen Kunst beworben. 70 Arbeiten wurden von der Jury für die Ausstellung ausgewählt. Die sechs für den Preis in einer Vorauswahl Nominierten kamen in diesem Jahr aus den Bereichen Textildesign, Möbeldesign, Keramik, Holzgestaltung und Flechtwerkgestaltung.

„Mit dem Preis wollen wir die Bedeutung, die kunsthandwerkliche Ateliers und Werkstätten für die gesellschaftliche und wirtschaftliche Struktur unseres Landes haben, deutlich machen“, stellt Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut in ihrer Pressemitteilung fest.  Ausstellung: bis 18. November