Müllheim Öffnen und Schließen nach Lage

Nach knapp viereinhalb Monaten Corona-Zwangspause war das Markgräfler Museum am vergangenen Wochenende wieder geöffnet – wenn auch nur nach Anmeldung und für maximal 20 Besucher pro Stunde.

Von Alexander Anlicker

Müllheim. Mehr als 3000 Besucher seien vergangenen Sommer nach dem ersten Lockdown ins Museum gekommen, berichtete Museumsleiter und Kulturdezernent Jan Merk. Darunter waren viele Besucher, die zuvor nicht ins Museum gingen und eine „sichere“ Freizeitaktivität gesucht hätten. Auch jetzt fange man unter allen Vorsichtsmaßnahmen an. „Zum differenzierten Gesamtkonzept gehört auch, dass wir eventuell öffnen und wieder schließen müssen“, erklärt der Kulturdezernent.

Tomi Ungerer

„Ich freue mich, eine Ausstellung vorstellen zu können, die wir geplant haben, ohne zu wissen dass sie zu Beginn der Öffnung hängt“, sagte Merk mit Blick auf die Ausstellung zum 90. Geburtstag des elsässischen Künstlers Tomi Ungerer. Partner ist die Agentur Baaske Cartoons.

Tomi Ungerer hätte am 28. November seinen 90. Geburtstag gefeiert. Das Markgräfler Museum würdigt ihn mit einer kleinen Ausstellung. Zu sehen sind 20 Originalzeichnungen, zehn Lithografien sowie jede Menge Bücher und Objekte, wie beispielsweise Tassen, Krawatten, Spiele oder Papiertüten, erläutert Wolfgang Baaske, der einen großen Teil der Ausstellungsstücke aus seiner privaten Sammlung zur Verfügung gestellt hat.

Baaske beschreibt den 2019 in Irland verstorbenen Künstler als natürlichen und zugänglichen Menschen, der nie abgehoben war. Seine Asche ist übrigens je zur Hälfte in Irland und in seiner elsässischen Heimat Straßburg beigesetzt worden. Als erstem französischem Künstler wurde ihm noch zu Lebzeiten ein eigenes Museum gewidmet. Das Tomi-Ungerer-Museum in Straßburg hat 13000 Originalzeichnungen.

Ungerer war äußerst vielseitig. Er illustrierte Kinderbücher ebenso wie erotische Bücher. Gestaltete für Firmen Objekte wie Spiele oder Krawatten. „Ungerer war auch ein hochpolitischer Mensch und gestaltete Poster zum Vietnamkrieg“, betonte Baaske. „Ich werde ein Wanderer sein“ sei Ungerers Wahlspruch gewesen. Geboren und Aufgewachsen ist er in Straßburg. Er lebte lange in New York und Kanada und zuletzt pendelte er zwischen seiner Farm in Irland und seiner elsässischen Heimat.

„Für uns ist wichtig, dass er als Elsässer einen Bezug zur Region hat“, erläuterte Museumsleiter Merk und hob insbesondere Ungerers Selbstbewusstsein hervor: „Was er für wichtig hielt, hat er auch ausgedrückt“. Dementsprechend wurde sein „kreativer Eigensinn“ auch folgerichtig mit dem Markgräfler Gutedelpreis im Jahr 2015 gewürdigt.

Else Blankenhorn

Neben der Tomi-Ungerer-Ausstellung ist bis zum 28. Mai eine Ausstellung zum 100. Todestag von Else Blankenhorn im Markgräfler Museum zu sehen. Die Tochter des Weinbaupioniers Adolph Blankenhorn wurde erst in den 1980er -ahren von der Kunstwelt entdeckt. Mit ihren mehr als 450 Einzelwerken spiele sie eine wichtige Rolle für die Entwicklung des Expressionismus (wir berichteten).

Ausblick

Das Museumsteam ist nicht untätig. Im Frühjahr will das Museum den Müllheimer Künstlern zum zehnjährigen Bestehen der offenen Ateliers gratulieren. Dabei soll jeder Künstler ein Werk im Museumsfoyer ausstellen.

Zu den langfristigen Projekten gehört die bereits für das vergangene Jahr geplante historische Ausstellung über die Nachkriegsjahre in Müllheim.

Auslaufen wird demnächst die Ausstellung zum Thema Corona. „Wir werden aber nicht aufhören, zu diesem Thema zu sammeln“, betont der Museumsleiter.

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