Neuenburg Eidechsen- und Schmetterlingsmusik

Die Grundwasserfauna ist Thema bei der Gestaltung der Unterführung der WesttangenteFoto: zVg/Léonie von Roten Foto: Weiler Zeitung

Das Thema Natur steht bei der künstlerischen Gestaltung der Unterführungen der Westtangente und der Autobahn anlässlich der Landesgartenschau 2022 im Mittelpunkt. Von Brunnentierchen und Grundwasserkrebsen sowie Eidechsen und Schmetterlingen hat sich die Künstlerin Léonie von Roten für ihren Siegerentwurf inspirieren lassen.

Von Alexander Anlicker

Neuenburg am Rhein. Der Gemeinderat hatte im April beschlossen, die künstlerische Aufwertung der Unterführungen auszuschreiben. Insgesamt neun Künstler hatten eine Bewerbung abgegeben, sieben nahmen am Ortstermin Anfang Mai teil und wurden für das weitere Verfahren zugelassen. Drei Arbeiten kamen in die engere Wahl, berichtete LGS-Geschäftsführer Nils Degen.

Die Jury, bestehend aus den Geschäftsführern Andrea Leisinger und Nils Degen, Bürgermeister Joachim Schuster sowie der Landschaftsarchitektin Lisa Friedmann und der Kunsthistorikerin Antje Lechleiter, votierte einstimmig für das Konzept der Sulzburger Künstlerin Léonie von Roten.

Einstimmiges Votum der Wettbewerbsjury

Bei der Begehung des Areals sei auch über die einmalige Grundwasserfauna mit Brunnentierchen und Krebsen gesprochen worden, verweist von Roten auf das in der Zähringestadt laufende Citizen-Science-Projekt „Grundwasser – der verborgene Lebensraum“. „Das hat mich inspiriert, und ich habe überlegt, wie ich das aufgreifen kann“, sagt die Künstlerin. Es gehe darum, diese im verborgen lebenden Tierchen sichtbar zu machen. Dafür eigne sich laut von Roten die Höhlensituation der Unterführung der Westtangente ganz gut.

Den Bereich zwischen Westtangente und Autobahn gestaltet die Künstlerin mit so genannten Holzsteinen in Form von großen Rheinkieseln, die unter anderem als Sitzgelegenheit dienen. Die Wände auf den jeweiligen Eingangsseiten der Unterführungen sollen mit Bruchsteinen aus Kalkstein verkleidet werden und zusätzlich Lebensraum für Insekten schaffen.

Für die östliche Unterführung der Autobahn hat die Künstlerin das Thema Eidechsen aufgegriffen, hat die Stadt doch im Zuge von Baumaßnahmen Eidechsen auf den Lärmschutzwall zwischen Autobahn und Westtangente umgesiedelt. Die westliche Unterführung werden Schmetterlinge zieren.

In der Unterführung erklingt Musik

Das Konzept umfasst neben der Gestaltung der Wände auch ein Beleuchtungskonzept mit LED-Leuchtbändern. Zudem wird der Lichtschacht zwischen den Fahrbahnen der Autobahn mit Milchglasscheiben und dem LGS-Logo neu gestaltet. An dieser Stelle gibt es auch Musik. Wenn man von Osten nach Westen läuft, soll passend zur Gestaltung der Wände eine „Schmetterlingsmusik“ erklingen und in der entgegengesetzten Richtung eine „Eidechsenmusik“. Komponiert werden soll sie vom Staufener Jazzmusiker Matthias Stich.

Im Wettbewerb habe es ganz unterschiedlich Ansätze gegeben, unter anderem auch mit großen Bildschirmen, berichtete Bürgermeister Schuster. Es gehe aber auch um das Thema Vandalismus, ergänzte der Rathauschef.

Mit kräftigen Farben gegen Graffiti

Das Thema Vandalismus und Graffiti beschäftigte auch die Ratsmitglieder. „Es gibt keine Lösung“, sagte von Roten und ergänzte, dass sie bewusst starke und kräftige Farben gewählt habe. „Ich werde die ,Battle’ annehmen und drübermalen“, sagte sie. Beispielsweise könne sie die Motive, wie die Eidechsen, mit Schablonen wieder hervorholen. Bunte Farben seien weniger einladend für Sprayer als weiße oder graue, ergänzte Bürgermeister Schuster.

Aufgegriffen wurde die Anregung von Stadträtin Iris Buck, dem Kunstwerk eine erklärende Infotafel beizufügen.

Für das Projekt stellt die LGS GmbH insgesamt 105 000 Euro zur Verfügung, darin sind aber auch alle Arbeiten inklusive Beleuchtung und rutschfestem Bodenbelag erhalten.

Die Arbeiten sollen Ende September beginnen und im Dezember abgeschlossen sein. Die Unterführung soll, laut Degen, erst zu Beginn der Landesgartenschau wieder geöffnet werden. Wenn das neue Seniorenheim früher bezogen wird, auch eher.

Léonie von Roten ist im schweizerischen Vevey geboren und in der Schweiz aufgewachsen. Sie ist mit einem Markgräfler verheiratet und lebt in Sulzburg. Im Jahr 1991 schloss sie ein Studium an der Ecole cantonale d’art du Valais (ECAV) in Sion mit einem Diplom in experimenteller Fotografie ab.

Die Künstlerin präsentierte ihre Werke unter anderem im Jahr 2010 in der Ausstellung „Erinnerungsorte“ im Markgräfler Museum Müllheim sowie 2012 in der Ausstellung „Kunstdialoge am Oberrhein“ in der städtischen Galerie Stapflehus in Weil am Rhein.

Umfrage

Laschet

Die Bundestagswahl 2021 ist entschieden. Nun stehen schwierige Koalitionsverhandlungen an. Welches Regierung wünschen Sie sich? Jamaika oder eine Ampelkoalition?

Ergebnis anzeigen
loading