Rheinfelden Alle Kinder haben ihre Rechte

Die Oberbadische
Die beiden Mitglieder des Jugendrates Vincenzo Duida (rechts) und Kevin Carlsohn (Zweiter von links) übergeben das Praxishandbuch an Susanne Schmidt, Leiterin der Heimaufsicht des Landkreises Lörrach (Zweite von rechts), im Beisein von Birgit Ackermann, Vorstandsmitglied des St. Josefshauses. Foto: zVg Foto: Die Oberbadische

Die Debatte über die skandalösen Zustände in Kinderheimen der Nachkriegszeit bis zu den jüngsten Missbrauchsfällen in Betreuungseinrichtungen war der Anlass: Das St. Josefshaus Herten setzte sich mit sieben Trägern von Behinderteneinrichtungen zusammen, um die Rechte von Heimkindern zu stärken. Im Mittelpunkt standen dabei die Kinder selbst, mit ihren Erfahrungen, ihren Wünschen und Ängsten.

Rheinfelden-Herten. „Grundsätzlich ist uns klar geworden, dass wir Kinder Rechte haben, was uns so vorher nicht klar war“, sagt Vincenzo Duida, Mitglied des Jugendrates im St. Josefshaus. Ein Gremium, das neu ist im St. Josefshaus und aus der Arbeit mit Kinderrechten entstanden ist. Das Gremium ist Sprachrohr und Bindeglied zwischen Jugendlichen und Erziehern.

„In erster Linie ging es darum, die Kinder ’sprachfähig’ zu machen“, erläutert Silke Wahlen, Heimleiterin des Kinder- und Jugendbereiches im St. Josefshaus Herten. Gerade für Kinder und Jugendliche, die in Heimen leben, sei es von großer Bedeutung, dass sie klar sagen, wenn ihnen etwas nicht passt. So steht in der UN-Kinderrechts- wie auch in der UN-Behindertenrechts-konvention, dass Kinder und Jugendliche an Entscheidungen, die sie betreffen, alters- und entwicklungsangemessen beteiligt werden müssen.

Aus Sicht der Kinder

„Grundlegend für das Projekt war, dass wir dazu keine Antworten aus Erwachsenen- oder Mitarbeiterperspektive geben, sondern aus Sicht der Kinder“, sagt Wahlen. Die Kinder sollten als Experten in eigener Sache gehört werden. Die Frage war also: Woran würden die Kinder selbst festmachen, ob in ihrem Alltag auf ihre Rechte geachtet wird? Im Wesentlichen also, ob man ihnen respektvoll begegnet, dass sie an den Fragen ihres Alltags beteiligt werden, ihre Entwicklung gefördert und dass sie in einem sicheren Umfeld leben?

Um die Kinder für ihre Rechte zu sensibilisieren, wurden die Kinderrechte so einfach dargestellt, dass die Kinder sie in der Praxis anwenden konnten. „Dabei halfen Rollenspiele, Malarbeiten, Gespräche und praktische Alltagsbeispiele“, erklärt Wahlen. Die Kinder lernten dabei, dass sie genauso ein Recht auf Spiel und Freizeit haben, wie auf Bildung und Gesundheit.

Umfrage

In einem zweiten Schritt konnten die Kinder und Jugendlichen an einer Umfrage teilnehmen. Sie wurden vor dem Hintergrund des Erlernten danach befragt, was ihnen in ihrer Wohngruppe wichtig sei. Die Ergebnisse wurden dann auf einer „Kinderrechte-Rallye“ vorgestellt. Auf großen Plakaten war zu lesen, dass die Kinder zum Beispiel ihr Recht auf Beteiligung einforderten, wenn der Klamottenkauf anstand oder wenn Gruppenregeln aufgestellt wurden. Sie forderten ihr Recht auf Achtung ein, beim Verliebtsein oder wenn getratscht wird. Und was Handys, das Internet oder ihre Hobbys betrifft, wiesen sie auf ihr Recht auf Förderung hin. „Die Auseinandersetzung mit den Kinderrechten zeigt sich heute deutlich im Alltag“, sagt Silke Wahlen. „Die Möglichkeit, bestehende Regeln oder Abläufe zu hinterfragen wird deutlich stärker genutzt.“

Praxishandbuch

Aus den Umfrageergebnissen der beteiligten Einrichtungen sind schließlich Arbeitsblätter entwickelt worden, mit deren Hilfe Mitarbeiter und Kindern in Behinderteneinrichtungen, Heimen und Schulen zukünftig auf Kinderrechte aufmerksam gemacht werden können. Diese Arbeitsblätter mit einer Beschreibung des ganzen Projekts wurden zudem für pädagogische Fachkräfte als Praxishandbuch herausgegeben.

Weitere Informationen: Das Praxishandbuch „Kinderrechte im Alltag von Kinderheimen. Geachtet, beteiligt, gefördert, beschützt!“ fasst die Erfahrungen und Ergebnisse des Projektes zusammen. Es ist bei Beltz-Juventa erschienen, hat 142 Seiten und kostet 19,95 Euro. ISBN: 978-3-7799-3290-1.

Umfrage

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