Rheinfelden Froh, in Deutschland zu sein

Logitha Annalingam: Die 19-jährige Gymnasiastin kam im Jahr 2010 aus Sri Lanka nach Rheinfelden. Sie zählt zu den 53 „Talent im Land“-Stipendiaten, die von der Baden-Württemberg- und Robert Bosch-Stiftung gefördert werden. Foto: Gerd Lustig

Rheinfelden - "Mir gefällt es gut in Deutschland – man hat hier so viele gute Bildungschancen“, sagt Logitha Annalingam aus voller Überzeugung. Und die 19-Jährige, die 2010 mit ihrer Mutter und ihrer älteren Schwester aus Sri Lanka flüchtete und nach Stationen in Karlsruhe und Lörrach seit knapp acht Jahren in Rheinfelden lebt, hat ihre Chance genutzt. Das findet auch Anerkennung.

Seit September 2018 zählt sie zu den jährlich 53 Talenten im Land, die von der Baden-Württemberg-Stiftung in Kooperation mit der Robert-Bosch-Stiftung im Rahmen des seit 2003 bestehenden Projekts „Talent im Land“ (TIL) gefördert werden. Belohnt werden damit neben guten schulischen Leistungen auch der von hoher sozialer Motivation geprägte Einsatz im Gemeinwesen.

Monatlich 150 Euro erhält die als besonders begabt eingestufte Jugendliche. Sie kommt aus schwierigen Lebensverhältnissen. Zunächst besuchte sie die Goetheschule, macht dann an der Realschule ihre Mittlere Reife und schickt sich an , im kommenden Jahr am Beruflichen Gymnasium der Mathilde-Planck-Schule in Lörrach, Bereich Erziehung, das Abitur zu machen. Bis dahin erhält sie auch die finanzielle Förderung. Dazu kommen als weitere Förderung persönliche Beratung bei der Berufsorientierung sowie attraktive Bildungsangebote, Seminare, Workshops, Stipendiatentreffen und Sommerakademien.

Dass das Stipendium gut angelegt ist, davon ist auch Herwig Popken vom Freundeskreis Asyl überzeugt. Er, der damals Leiter des Asylbewerberheims an der Schildgasse war, hatte die Patenschaft für Logitha übernommen, gab Nachhilfe, förderte sie und half bei der Antragstellung für das Stipendium. „Die Loggi ist ein tolles Mädchen, das diese Förderung verdient hat“, sagt Popken. Bereits bei Logithas Schwester gab er Unterstützung. Und die studiert inzwischen Jura in Konstanz.

„Ich bin froh, dass ich hier bin“, sagt Logitha. Im Gegensatz zu Sri Lanka, wo sie mit der Mutter damals wegen des Bürgerkriegs wegging, könne man hier in Frieden leben, sich bildungsmäßig frei entfalten und auch noch nach 18 Uhr auf der Straße herumlaufen, was in ihrer Heimat nicht oder kaum möglich sei. Natürlich sei alles auch hier nicht so einfach gewesen. Dabei denkt sie nicht nur an die vier Jahre im Asylbewerberheim an der Schildgasse, sondern auch an die Zeit der Ungewissheit, ob die Familie bleiben darf, die letztlich erst mit der Annahme des Härtefallantrags zu Ende war. Ob sie denn ihre Heimat vermisst? „Nur, wenn ich Heimweh habe, aber das ist nicht so oft“, erklärt sie. Freunde und Verwandte würde sie aber schon gerne mal wiedersehen. Und natürlich auch ihren Vater und ihre kleine Schwester. „Derzeit versucht meine Mutter, dass auch sie zur Familie nach Rheinfelden kommen dürfen“, berichtet die 19-Jährige.

Was sie nach dem Abitur einmal machen will, weiß sie derzeit noch nicht. Bedingt durch die Mathilde-Planck-Schule, werde es wohl auf Pädagogik oder Psychologie hinauslaufen.

Was Logitha aber in jedem Fall beibehalten will, ist das Malen und Zeichnen. „Das mache ich neben Mathematik sehr gerne“, bekennt sie. Einmal hat sie sogar schon mit weiteren jungen Künstlern Acrylbilder und Zeichnungen in der Volkshochschule ausgestellt. Weiterhin arbeitet sie in ihrer knapp bemessenen Freizeit daran, die noch bestehenden kleineren Defizite in der deutschen Sprache via Nachhilfe abzustellen.

Darüber hinaus gibt sie aber selbst ehrenamtlich Nachhilfe für eine Siebtklässlerin, die sie einst im Wohnheim Schildgasse kennenlernte.

Was sie sich denn mit dem Stipendiumsgeld bislang geleistet hat? „Ich hab Bücher für die Schule und auch Zeichenmaterial gekauft“, lässt sie wissen. „Und außerdem spare ich derzeit für einen eigenen Computer “, ist sie in heller Vorfreude.

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