Rheinfelden Nicht reden, sondern helfen

Petra Wunderle
Engagiert und tatkräftig: Celina Steinegger mit „Hugo“. Foto: Petra Wunderle

Rheinfelden -  Von wegen gemütliches „Chillen“ oder Partymachen: Celina Steinegger aus Rheinfelden hat eine ganz andere Wochenendabwechslung für sich entdeckt. Die 19-Jährige steigt regelmäßig am Freitag nach der Arbeit ins Auto, fährt 450 Kilometer ins von der Hochwasserkatastrophe gezeichnete Ahrtal, packt dort bei den Aufräumarbeiten kräftig mit an, und sonntags geht’s wieder heim nach Rheinfelden.

Celina Steinegger macht diesen freiwilligen Einsatz seit Mitte September regelmäßig. „Es ist krass, real mitanzusehen, wie schlimm die Hochwasserkatastrophe ihre Spuren hinterlassen hat. Da sind Menschen, die haben alles verloren, ihr ganzes Hab und Gut, sie stehen vor dem Nichts. Klar, einige haben noch ihr Haus, oder Hausteile, aber es ist nicht mehr bewohnbar. Die Fenster sind raus, alles ist voll mit Schlamm, Einsturzgefahr besteht. Diejenigen, die nicht bei Verwandten oder Freunden Zuflucht gefunden haben, leben in einem riesigen Zelt. Als Lager sind zweistöckige Feldbetten da, man ist von den anderen Mitbewohnern lediglich mit einer Folie getrennt. Auch sind inzwischen Container aufgestellt“, beschreibt Steinegger die Situation.

Ein Wochende in Schlamm und Dreck

Die junge, engagierte Frau ist gegenwärtig noch Auszubildende bei der Firma Evonik in Rheinfelden. Sie erlernt dort den Beruf der Elektronikerin für Automatisierungstechnik.

Auf die Idee, den Menschen im katastrophengebeutelten Ahrtal zu helfen, habe ein Ausbildungskollege sie gebracht. „Er hat im Radio den Aufruf zum Helfen gehört, nahm eine Woche Urlaub und stellte im Ahrtal seine Arbeitskraft gerne zur Verfügung.

Wieder in Rheinfelden angekommen, machte er mir dieses soziale Engagement schmackhaft. Ich sagte: Da helfe ich mit“, erzählt die 19-Jährige. Schnell bildete sich ein Quartett: Steinegger, ihre zwei Arbeitskollegen Marcus Kalder und Victoria Huber sowie ihr Bruder Raphael.

Das Autohaus Anti aus Langenau stellte dem Quartett kostenlos einen Kombi zur Verfügung. Den hatten Steinegger und ihre Mitstreiter eigentlich mieten wollen, bekamen ihn aber gratis gestellt, als der Autohändler den Zweck der Fahrt erfuhr.

Vollbepackt mit Werkzeug und Arbeitskleidung, Schutzbrillen und Handschuhen fuhren die Vier nach Grafschaft im Landkreis Ahrweiler im Norden von Rheinland-Pfalz. Im „Helfer Shuttle“ – das ist eine private Initiative von Ahrtaler Unternehmern – registrierten sich die Rheinfelder Freunde.

Die Helfer leben während ihres Einsatzes wie viele der Katastrophenopfer in einem großen Zelt. Frühmorgens werden sie eingeteilt und mit einem Shuttle-Bus zu ihren Einsatzorten gefahren. „Ich und weitere 24 Frauen und Männer kamen zu einem Einfamilienhaus, das war voller Schlamm und hatte durchweichte Wände. Den Putz von den Wänden entfernen, Decke und Boden raus – in zwei Tagen haben wir ein ganzes Haus gerockt. Der Hauseigentümer war angeschlagen, schaute mal vorbei und freute sich, dass es Menschen gibt, die helfen und Hoffnung bringen.“

Nicht nur für Celina Steinegger hat dieser uneigennützige Einsatz den Zauber der Verbundenheit und des Neubeginns. Sie erzählt fröhlich von vielen Begegnungen, von ganzen Generationen aus ganz Deutschland, der Schweiz und Österreich, die im Ahrtal im Einsatz sind.

Steineggers Bruder ist nach dem zweiten Wochenendeinsatz sogar im Ahrtal geblieben. Er ist gelernter Maurer und nun seit zwei Monaten im Helfereinsatz, arbeitet täglich zwölf Stunden. „Der hat vor, ganz im Ahrtal zu bleiben. Er will dort sesshaft werden“, erzählt Celina.

Steinegger, Kalder und Huber wollen auch künftig regelmäßig im Ahrtal mithelfen. Zunächst steht für die 19-Jährige aber die Abschlussprüfung an.

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