Rheinfelden Sie schrauben und hämmern mit

Die Oberbadische

Beim Bau des neuen behindertengerechten Spielplatzes der Karl-Rolfus-Schule ist die Mitarbeit der Schüler Teil des Konzepts.

Rheinfelden-Herten. Kevin bleibt skeptisch: Wirklich gut fährt es sich mit seinem selbst gesteuerten Rollstuhl auf dem Rundweg noch nicht. Er fürchtet immer noch steckenzubleiben. Doch natürlich wird Thomas Lang, Geschäftsführer der Firma Bauwerk, dafür sorgen, dass der neue Spielplatz der Karl-Rolfus-Schule des St. Josefshauses in Herten rollstuhlgerecht ist, wenn er fertig ist. Das soll nach den Herbstferien soweit sein. Vorher darf jede Klasse der Karl-Rolfus-Schule beim Feinschliff mit anpacken.

Das Konzept der Firma Bauwerk aus Neuenburg, die sich auf „Spielräume für Kinder und Senioren“ spezialisiert hat, ist die Beteiligung der späteren Nutzer schon am Bau des Spielplatzes. Über zwei Wochen darf jede Klasse der Karl-Rolfus-Schule, vom Kindergarten bis zur Berufsschulstufe, einen Tag auf der Spielplatz-Baustelle verbringen. An diesem Tag sind es mit Kevin zusammen sechs Schüler zwischen 13 und 15 Jahren der Klasse HH3, die mit der Klassenlehrerin Jasmin Lutz trotz des Herbstwetters auf der Baustelle unterwegs sind. Geschäftsführer Thomas Lang führt sie von Spielgerät zu Spielgerät und lässt sie ausprobieren.

Schüler, Eltern und Lehrkräfte werden von Anfang einbezogen

Das Konzept und die Planung des neuen Spielplatzes, der auf 35 Ar den alten ersetzen wird, wurden von Anfang an mit Schülern, Eltern und Lehrkräften erarbeitet. „Dabei ging es um Grundsatzentscheidungen“, erklärt Lang, „ob wir zum Beispiel den ganzen Spielplatz für alle zugänglich machen – dann wäre er sehr einfach geworden – oder ob wir akzeptieren, dass es Bereiche zum Klettern und Springen gibt, die Kinder mit Bewegungseinschränkungen eben nicht nutzen können.“

Weiter war Lang beim Entwurf des Spielplatzes wichtig, multifunktionale Einheiten zu schaffen. So könne das Podest, das im Eingangsbereich der Ort für Kommunikation werden soll, auch als Theaterbühne genutzt werden; und die Holzeinfassungen um die Spielgeräte seien gleichzeitig Balancier-Schlangen. Auch auf den großen Altersunterschied der Schüler nahmen die Planer Rücksicht: So wurde der Pavillon im hinteren Bereich des Spielplatzes von den Schülern der Berufsschulstufe gleich auf den Namen „Knutschecke“ getauft.

Genutzt wird der Spielplatz laut Standortleiterin Christine Langen vor allem für die tägliche Mittagspause. Der eigentliche Schulhof zwischen Schulgebäude und Mehrzweckhalle sei dafür nur eingeschränkt geeignet, weil er unter anderem als Haltestelle von den Schulbussen genutzt werde. „Auf dem Spielplatz können sich die Kinder und Jugendlichen frei bewegen, aktiv sein oder sich je nach Bedürfnis auch mal in eine ruhigere Ecke zurückziehen“, sagt Langen. Er weiß, wie sehr sich die Kinder mit dem Spielplatz identifizieren, wenn sie selbst beim Bauen ein wenig mitgeholfen haben: „Es ist dann ,ihr‘ Spielplatz. Sie gehen mit den Spielgeräten ganz anders um und kennen noch jede Schraube, die sie selbst reingedreht haben.“

Genau das macht Geschäftsführer Lang gerade mit den sechs Helfern: Mit einem Akkuschrauber dürfen sie die Bretter für das Podest befestigen. „Ich habe noch nie so motivierte und engagierte junge Menschen erlebt wie die Schüler der Karl-Rolfus-Schule“, sagt Lang, der vor der Gründung seiner Firma selbst 15 Jahre als Erzieher arbeitete. Einen Spielplatz, der von Kindern mit und ohne Behinderung gemeinsam genutzt werden kann, hat er in Lörrach und Herten nun aber zum ersten Mal geplant: „Mir ist klar geworden, dass unsere Gesellschaft viel lernen kann von Menschen mit Behinderungen, vor allem von den jungen: Sie haben viel weniger Masken auf und sind viel ehrlicher. Das bestätigen mir auch alle meine Mitarbeiter.“

Die zusätzlichen Sicherheitsnormen für behindertengerechtes Spielgerät haben ihn dabei nicht abgeschreckt: „Auch wenn es allgemeine und behinder­- tenspezifische Normen gibt, die sich tatsächlich widersprechen, kann man noch sehr vieles machen.“ Die Normen würden regelmäßig vom deutschen Normausschuss anhand tatsächlicher Unfälle überprüft: „Es ist deshalb Quatsch zu sagen, die Normen würden nur alles verbieten.“

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