Rümmingen „Danke, dass ihr wieder da seid“

Arwen Stock
Callia Blu in Aktion beim Auftritt in der Schweiz: Am Sonntag gastiert das Ensemble in der Friedhofskapelle Rümmingen. Foto: Fotos: zVg

Die Kulturo-Reihe 2022 in der Friedhofskapelle Rümmingen endet am morgigen Sonntag mit dem Abschlusskonzert von Callia Blu. Unsere Zeitung hat mit dem künstlerischen Leiter Richard Geppert über die Saison, zehn Jahre Kulturo und die Musik gesprochen.

Von Arwen Stock

Rümmingen . Nach den Konzerten „Wir sind wieder da – Bring back the Colour“, Flamenco-Jazz und den Twiolins steht nun das Abschlusskonzert mit Callia Blu auf dem Programm.

Frage: Was erwartet das Publikum morgen?

Callia Blu ist ein innovatives Gesangsensemble aus dem Aargau, das in den Konzerten Lieder nicht einfach nur singt, sondern quasi darstellt und lebt.

Frage: Es wird also ein Chorkonzert sein. Welche Musik steht auf dem Programm?

Zunächst nennt sich Callia Blu ganz bewusst nicht Chor, sondern Ensemble. Die 25 Mitglieder der handverlesenen Gruppe haben alle eine Gesangsausbildung absolviert und singen am Sonntag eine Mischung aus Pop, Musical, Soul, Klassik und auch Eigenkompositionen von mir.

Frage: Sie leiten das Ensemble?

Ja, ich habe das Ensemble 2018 gegründet. Damals habe ich mir vorgenommen: Wenn ich nochmal einen Chor gründe, dann möchte ich mit diesem ganz neue Wege in der Bühnenperformance gehen.

Frage: Woher kommen die Mitglieder?

Nahezu aus der ganzen Schweiz. Die Sänger fahren teilweise bis zu zwei Stunden, um zu den relativ seltenen Proben zu kommen. Die Mitglieder arbeiten zunächst viel selbst. Dann treffen wir uns zweimal pro Monat, um musikalisch zusammenzuwachsen und die Choreografien einzustudieren.

Frage: Es ist das letzte Konzert der ersten Kulturo-Konzertreihe nach der Pandemie-Pause. Wie resümieren Sie die diesjährige Saison?

Sensationell, schon das Auftaktkonzert war traumhaft. Ich habe eine große Gruppe an Sängern und Musikern zusammengestellt und das Konzert ganz bewusst „Wir sind wieder da“ genannt. Da hat man wirklich gespürt, was wir in der Pandemie verloren hatten, nicht nur musikalisch, sondern auch emotional. Es war sicher eines der schönsten und emotionalsten Konzerte meiner Karriere.

Frage: Was hatte es mit dem zweiten Teil des Konzerttitels „Bring back the colour“ auf sich?

Wir wollten sagen: „Wir bringen die Farben zurück.“ Die Pandemie war auch eine Zeit von Schwarz und Weiß und Grau in Grau. So habe ich mit Kollegen einen Song mit diesem Titel komponiert. Das war dann quasi auch die Hymne für dieses Jahr. Übrigens werden wir auch am Sonntag dieses Stück singen.

Frage: Wie war die Resonanz beim Publikum?

Überwältigend. Wir haben einen Stamm von fachkundigen Besuchern und eine sehr treue Mitgliederschaft. Und so langsam spricht sich das Niveau unserer Konzerte herum. Beispielsweise beim Konzert von „Twiolins“ haben mich Zuschauer gefragt: „Wie kommen solche Künstler nach Rümmingen?“ Das ist nur möglich, weil ich in Klassik und Popmusik viele kenne, ein riesiges Netzwerk in Deutschland habe. Außerdem haben wir mittlerweile einen guten Ruf, sodass uns Agenturen aus ganz Deutschland anschreiben, die gerne ihre Künstler nach Rümmingen bringen wollen. Das macht uns natürlich stolz.

Frage: Und warum die Kapelle am Friedhof in Rümmingen?

Die Kapelle hat eine sehr gute Akustik und eignet sich für solche Konzerte ausgezeichnet. Dazu hat sie eine Kapazität von 150 Zuschauern.

Frage: Die Kulturo-Konzertreihen gibt es dort seit zehn Jahren. Wie kam es dazu?

Als ich 2009 nach Rümmingen gezogen bin, habe ich mich bei Bürgermeisterin Meier vorgestellt und angeboten, dort ehrenamtlich Kultur auf die Beine zu stellen. Mittlerweile sind wir bei Kulturo ein eingespieltes Team mit etwa zehn Mitgliedern, mit dem wir die Veranstaltungen organisieren.

Frage: Obwohl Sie große Künstler nach Rümmingen holen, kosten die Konzerte keinen Eintritt. Wie geht das mit den Gagen zusammen?

Die Künstler, die bei uns auftreten, bekommen reguläre Gagen. Das ist mir sehr wichtig. Wir haben von Anfang an ein System aufgebaut mit Förderern, Gönnern und Sponsoren. Diese halten uns mehrheitlich über die Jahre die Treue. Nicht zu vergessen auch die Unterstützung der Gemeinde Rümmingen, im finanziellen wie im ideellen Bereich.

Frage: Was für ein System?

Das System ist so angelegt, dass jeder die Veranstaltungen mit freiem Eintritt besuchen kann. Beim Ausgang gibt es eine Kollekte, wo jeder gibt, was er kann. Manche werfen 50 Euro in die Kasse, andere gar nichts. Und das ist gut so. Dank den Förderern, Gönnern und Sponsoren geht das finanzielle Konzept auf. Und trotz Pandemie sind wir ganz gut aufgestellt.

Frage: Was ist als nächstes geplant?

Die Konzerte der Kulturo-Reihe laufen 2023 regulär weiter und finden im April, Mai, Oktober und November statt. Zusätzlich wird es im kommenden Jahr noch ein Adventsspecial geben.

Frage: Was hat die Corona-Pause für Sie bedeutet?

Keine Frage, für uns Künstler waren diese Monate eine ganz schwere Zeit. Aber wir spüren jetzt auch, wie sehr man uns vermisst hat. Uns allen hat die Pandemie gezeigt, was Kunst und gerade Musik bedeutet, was sie uns gibt: Emotion, Herzenswärme, das gemeinsame Lachen und Weinen. Das ist auch das Feedback, das ich nach jedem Konzert von den Zuschauern bekomme: Danke, dass ihr wieder da seid.

Weitere Informationen: Das Konzert mit Callia Blu findet am Sonntag, 6. November, ab 18 Uhr in der Kapelle am Friedhof in Rümmingen statt. Der Eintritt ist frei. Einlass ist ab 17.30 Uhr. Weitere Details: www.kulturo.de.

Richard Geppert wurde 1963 in Lörrach geboren. Mit fünf Jahren begann er, Klavier zu spielen, mit elf Jahren hatte er seinen ersten Organisten-Vertrag. In Mannheim studierte er Orgel und Dirigieren, das er mit Kapellmeisterexamen abschloss. Als Komponist und Musicalproduzent arbeitete er in der Rhein-Neckar-Region. Sein erstes Musical „Human Pacific“ mit Xavier Naidoo in der Hauptrolle brachte ihm den Durchbruch. Viele Kompositionen für andere Künstler entstanden. Als 2009 der damalige Burghof-Chef eine Stimmen-Akademie aufbauen wollte, brachte Geppert sich als Leiter ins Spiel und zog nach Lörrach. Heute lebt Geppert in der Schweiz, arbeitet und unterrichtet aber international. Aktuell entstehen neben neuen Produktionen Musikvideos für Callia Blu.

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