Rümmingen Gemeinderat Rümmingen stimmt Bestattungswald auf der Wittlinger Höhe einstimmig zu

Regine Ounas-Kräusel
Hier soll ein Bestattungswald entstehen. Foto: Regine Ounas-Kräusel

Rümmingen trägt dem Wandel der Bestattungskultur Rechnung.

Das Unternehmen Friedwald soll den Bestattungswald im Röttler Forst auf Rümminger Gemarkung beim Parkplatz Wittlinger Höhe betreiben. Rümmingen bekomme damit die Chance, neben dem Friedhof alternative Bestattungsformen anzubieten, sagte Bürgermeisterin Daniela Meier.

Da die Gemeinde selbst nur sehr wenig Wald besitzt, soll der Friedwald im Staatswald entstehen. Als nächstes wird die Gemeinde die Ausweisung eines Friedhofs beantragen, außerdem mit der Firma Friedwald und mit ForstBW die nötigen Verträge abschließen. Das Unternehmen Friedwald betreibt in Deutschland 87 Bestattungswälder. Michael Erni, dort für Standortentwicklung zuständig, erläuterte das Konzept: In einem Friedwald werden Verstorbene in einer biologisch abbaubaren Urne unter einem Baum bestattet. Ein kleines Namensschild am Stamm erinnert an sie. Im Friedwald könnten Menschen sich schon zu Lebzeiten einen Baum als Grabstätte ähnlich einem Familiengrab aussuchen – oder einen einzelnen Begräbnisplatz unter einem Gehölz.

Zeitgemäßes Angebot

Ein Bestattungswald sei ein zeitgemäßes Angebot in der Trauerkultur, da immer mehr Menschen sich ein Begräbnis in der Natur wünschten. Da der Wald die Gräber schmücke und keine Grabpflege nötig sei, würden die Angehörigen entlastet.

Zu einem Friedwald gehören außerdem ein schlichter Andachtsplatz, eine Infotafel mit Karte, eine Schutzhütte und ein Parkplatz. Michael Erni, Elke Stäbler und Daniela Spittler von ForstBW erläuterten die Zusammenarbeit im Friedwald Rümmingen: Forst BW stellt die Fläche von 54 Hektar bereit. Davon soll zunächst nur ein Teil für Grabstätten ausgewiesen werden.

Die übrige Fläche bewirtschafte weiterhin ForstBW mit dem Ziel, alte Bäume nicht zu fällen, sondern zu erhalten. Dies diene auch der Artenvielfalt, merkte Erni an. Die Gemeinde fungiere als Trägerin und erhält dafür eine Vergütung: Sie erlässt eine Nutzungsordnung und führt die Aufsicht. Betrieb und Verwaltung des Bestattungswaldes übernimmt komplett die Firma Friedwald. Bei einem Einzugsbereich im Umkreis von 20 Kilometern fänden im Friedwald Rümmingen voraussichtlich maximal drei bis vier Beerdigungen pro Woche statt, schätzte Erni.

Die Atmosphäre des Orts

Damit werde sich wohl auch die Atmosphäre auf dem Parkplatz Wittlinger Höhe ändern, vermutete Henriette Benner-Boll und fragte nach Erfahrungen. Es sei ausdrücklich erwünscht, dass Radfahrer, Jogger, Spaziergänger und andere Erholungssuchende im Friedwald unterwegs seien, erklärte Erni: „Niemand soll ausgesperrt werden.“ Erfahrungsgemäß nähmen die Menschen Rücksicht auf die Atmosphäre des Orts.

Erni beantwortete weitere Fragen von Gemeinderäten und Bürgern: einen Baum als Begräbnisstätte erwerbe man für die gesamte Nutzungsdauer des Friedwaldes – also für bis zu 99 Jahre. Die Liegezeit in einer Grabstätte betrage 15 Jahre wie auf jedem Friedhof. Erlaubt sei es, bei der Beerdigung Rosenblätter oder andere Beigaben aus der Natur ins Grab zu legen, Grabschmuck sei nicht erlaubt. Erni erläuterte die Bestattungspreise, die auf der Internetseite nachzulesen sind.

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