Schallbach Eine Hommage an den ersten Arbeitgeber

Schallbach (ag). Am Anfang stand ein Zeitungsbericht: Der Historiker Hubert Bernnat hatte in der „Oberbadischen“ eine Abhandlung über 200 Jahre Stadtentwicklung in Lörrach verfasst. Schließlich entdeckte Helmut Ebner noch eine VHS-Kassette von 1992, dem Jahr, als die Firma Kern Konkurs anmelden musste. Das Interesse an der Geschichte seines früheren Arbeitgebers war geweckt.

Bei ein paar Nachfragen ließ es Ebner jedoch nicht bewenden. Diese Woche ist bereits die dritte kleine Auflage innerhalb eines Jahres seiner Aufarbeitung der „Geschichte der Familie Kern“ erschienen. Immer wieder neue Informationen über den einstigen Hersteller von Drehbänken und Drehmaschinen erforderten die wiederholte Überarbeitung des gut 80 Seiten starken Heftes im DIN A4-Format.

Sogar einen Stammbaum der Gründerfamilie hat der ehemalige Mitarbeiter erstellt. Dabei kommt Firmengründer Leonhard Kern ebenso wenig zu kurz wie dessen Sohn Julius Kern, ein maßgeblicher Förderer des „Lörracher Trämli“, dessen Wiedereinführung derzeit diskutiert wird. Vertreten sind aber auch die Enkel und Urenkel. Ebner hätte sich von ihnen ein wenig mehr Unterstützung gewünscht.

„Dieses kleine Kern-Werk ist nur durch Begeisterung, Fleiß und Durchhaltevermögen entstanden“, macht der Rentner im Gespräch deutlich. Vier Monate hat er an der ersten Ausgabe gearbeitet, an den beiden Nachfolgern jeweils einen weiteren Monat.

Es ist eine Mischung aus Technikbegeisterung, historischem Interesse und der Liebe zu alten Gebäuden, die Ebner antreibt. Mit seiner Arbeit hat er sich aber auch auf seine eigenen Spuren begeben. Denn Ebner hat in jungen Jahren bei Kern seine Ausbildung absolviert und in der Firma ein paar Jahre gearbeitet. Dort, wo in den 60er-Jahren sein Arbeitsplatz an der Fräsmaschine war, ist jetzt die Gemüseabteilung von Hieber, hat er festgestellt.

Und dann war da noch die Frage, was zum Niedergang des traditionsreichen Unternehmens mit seinen Qualitätsprodukten geführt hat. Ebner hat nach intensiven Recherchen nun immerhin eine Vorstellung davon, warum es mit der Firma Kern nach 150 Jahren zu Ende ging.

Wie erhält sich nach Jahrzehnten eine solche Verbundenheit zum alten Arbeitgeber? Für Ebner waren es fünf prägende Jahre. Mit seinem Moped fuhr er jeden Tag von Weil am Rhein nach Lörrach durch die Fabrikstraße. „Ich habe dort eine gute Maschinenschlosser-Ausbildung erhalten – als Grundlage auch fürs spätere Leben“, sagt Ebner. Noch heute führt er gerne Metallarbeiten aus. Besonders stolz ist er auf ein selbst angefertigtes Modell im Maßstab 1:30 der Kern-Drehbank D 20.

Aus dem ersten Moped wurde bald ein Auto, dem ersten Job folgten weitere, die Ebner in der Welt herumführten. Als Konstrukteur war er bei der Firma Roche in den Sparten Diagnostica und Pharma tätig. Er betreute Pharmafirmen in Jakarta, Mexiko, Montevideo und Seoul.

Mit 58 Jahren ging Ebner in den Vorruhestand. Seither lebt er in Schallbach und hat sich eine Harley zugelegt, mit der er schon mehr als einmal die Route 66 entlang brauste. Auch bringt er sich im Dorfleben ein. So hat er zum Beispiel eine Festschrift für den Gesangverein Schallbach entworfen.

 „Die Geschichte der Familie Kern“ mit vielen Fotografien gibt der Autor zum Selbstkostenpreis für zehn Euro beziehungsweise zwölf Euro mit Versand ab. Interessenten können sich bei ihm per E-Mail melden: ebnerh@gmx.de.

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