Schliengen Viele Fragen – viele Antworten

Alexander Anlicker
Gut gefüllt waren die Reihen im Bürger- und Gästehaus Schliengen. Foto: Alexander Anlicker

„Proppevoll“ war das Schliengener Bürger- und Gästehaus bei der Informationsveranstaltung zum Bürgerentscheid Windkraft. Abgestimmt wird über drei von acht Standorten.

„Der Gemeinderatsbeschluss war eine Reaktion darauf, dass der Staatsforst Flächen für Windkraft ausgeschrieben hat. Die Gruppe, die den Zuschlag bekommen hat, hat gefragt ob die Gemeinde sich nicht auch mit Flächen beteiligen will“, erläutert Bürgermeister Christian Renkert zu Beginn auf Nachfrage von Moderatorin Christiane Freitag vom Forum Energiedialog. Die Gemeinde habe sich dem Ziel des Landes, klimaneutral zu werden, angeschlossen. Neben der Klimaneutralität gehe es auch um monetäre Interessen der Gemeinde, betonte der Bürgermeister.

Um was geht es?

Tobias Tusch von Bürgerwindpark Blauen, eine gemeinsame Gesellschaft der Genossenschaften Bürgerenergie Südbaden (BEGS), Bürgerwindrad Blauen Erneuerbare Energie und Elektrizitätswerke Schönau (EWS) erläuterte nochmals die Planung und das Angebot an die Gemeinden sowie den aktuellen Planungsstand. Aktuell gehe es noch um die privatrechtliche Sicherung der Standorte. Parallel dazu werde bis zum Jahresende die Genehmigungsplanung erstellt. Hierfür laufen bereits seit einem Jahr artenschutzrechtliche Untersuchungen.

„Das zahlreiche Erscheinen macht deutlich, dass die Informationsveranstaltung vor einem Jahr nicht ausreichend war“, erklärte Martin Vollmer von der Interessengemeinschaft Lebensraum Blauen. Das der Gemeinderatsbeschluss vier Tage nach der Veranstaltung gefällt wurde, habe dazu geführt, dass der Eindruck entstanden ist, dass die Windräder im Schnellverfahren durchgewunken werde sollen. Ante Messerschmitt ergänzte, dass mit den Windrädern der zweite Schritt vor dem ersten gemacht werde. Sie vermisste ein Gesamtkonzept zur Klimaneutralität das auch Themen wie Abwasser, Photovoltaik, Wärmeversorgung und Verkehr umfasst. Auch der Wald leiste seinen Beitrag zum Klimaschutz, indem nicht nur Bäume sondern auch der Boden Kohlendioxid speichere. Aus ihrer Sicht sei der Flächenverbrauch ein massiver Eingriff in den Wald. Man sei sich der komplexen Zusammenhänge von Geologie, Hydrologie und Ökologie nicht bewusst, meinte sie und erhielt lauten Beifall aus der Ecke der Windkraftgegner im Saal.

Nach dem Auftakt hatten die Besucher Gelegenheit sich an Ständen zu informieren und auf Karten ihre Fragen für die Schlussrunde zu vermerken – davon wurde so rege Gebrauch gemacht, dass zwischenzeitlich das Papier ausging.

Moderatorin Christine Freitag (Mitte) stellte unter anderem Peter Ochs (v.l.) und Anja Messerschmitt von der Interessengemeinschaft Lebensraum Blauen sowie Kurt Mayer vom Verein Bürgerwindrad Blauen und Tobias Tusch von der Gesellschaft Bürgerwindpark Blauen die gesammelten Fragen der Besucher. Foto: Alexander Anlicker

Fragerunde

Anschließend wurden die Fragen mit den Experten abgearbeitet. Ein Frage war dabei der Rückbau bei einem möglichen Konkurs. Eine entsprechende Sicherheitsleistung – sei es als Geldeinlage beim Landratsamt oder in Form einer Versicherung – sei Voraussetzung für eine Baugenehmigung, erläuterte Alice Schneider vom zuständigen Fachbereich Umwelt des Landratsamts.

Kritische Fragen gab es zum Eingriff in den Wald. Der Verlust der Flächen für die Windräder seien das „kleinere Übel im Vergleich zum unbegrenzt weiterlaufenden Klimawandel“, machte Bernhard Schirmer vom Forstbezirk Kandern deutlich. Nach sechs Hitzesommern seien die Folgen nicht nur bei der Fichte sondern auch bei Buche und Tanne sichtbar. Bei einem Temperaturanstieg von drei bis vier Grad Celsius bis 2100 sei der ganze Wald am Blauen in Gefahr.

Luca Bonifer vom Dialogforum Energiewende und Naturschutz setzte auf ein Abwägen von Klima- und Artenschutz sowie Biodiversität. Sie begrüßte einerseits, dass ein Standort wergen eines Habitats der Mopsfledermaus aufgegeben wird, andererseits leisteten die Windräder einen Beitrag zum Klimaschutz. „Wir sehen in einer waldreichen Region auch Vorteile beim Waldumbau“, sagte sie und verwies darauf, dass von Offenlandflächen auch ganz andere Tier- und Pflanzenarten profitierten.

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