Schliengen Vom Raubritter zur Kanonenkugel

Fast jeder Parisreisende hat am Arc de Triomphe die Inschrift zur Schlacht von Schliengen entdeckt. Wer genau hinschaut, entdeckt in der Winzergemeinde heute noch Spuren davon. Überhaupt hat der Ort eine spannende Geschichte zu bieten, wie ein Rundgang mit der Historikerin und Gemeindearchivarin Petra Maier anlässlich der Jahrestagung des Geschichtsvereins Markgräflerland zeigte.

Von Alexander Anlicker

Schliengen. „Ich bin froh, dass die Veranstaltung stattfindet“, sagte Schliengens Bürgermeister Christian Renkert bei der Begrüßung der fast 40 Geschichtsinteressierten auf dem Parkplatz des Bürger- und Gästehauses. Die Tagung des Geschichtsvereins sei eingebettet in die 1200-Jahr-Feier der Gemeinde, von der – wegen der Corona-Pandemie – nicht viel übrig geblieben sei. Er dankte dem Geschichtsverein und dessen Vorsitzenden Hubert Bernnat für den diesjährigen Band von „Das Markgräflerland“, mit einer Fülle von Beiträgen über Schliengen.

Dorf ist katholisch geprägt

Maier begann den Rundgang zunächst mit einem kurzen Abriss über die 5800 Einwohner zählende Gemeinde die sich mit ihren Ortsteilen Mauchen, Liel, Nieder- und Obereggenen mit Schallsingen vom Rhein bis zum Hochblauen erstreckt und als Weinbaugemeinde rund 250 Hektar Rebfläche zählt. Das Dorf sei katholisch geprägt, da es über viele Jahrhunderte dem Hochstift Basel gehörte.

Um ein Jahr vertan

Lange Jahre sei man bei der Ersterwähnung vom Jahr 820 ausgegangen. Für das Jubiläum habe sie beim Kloster St. Gallen nach der entsprechenden Urkunde nachgefragt. Die Urkunde könne zwar nicht für eine Ausstellung zum Schliengener Jubiläum herausgegeben werden, aber die Historiker hätten sich diese nochmals genau angeschaut. Mit einem interessanten Ergebnis: Die Urkunde ist auf das achte Regierungsjahr Ludwig des Frommen ­– also das Jahr 821 – datiert.

Der gut zweistündige Rundgang führte vom Bürger- und Gästehaus über Marktplatz, Wasserschloss Entenstein, Schule, Mauchener Gasse, Kirche, Loretto-Kapelle, Friedhof und Murbacher Hof wieder zurück. Dabei gab es einige spannende Dinge zu entdecken. Manche bleiben ein Rätsel, wie der Anker im Wappen über einer Haustür an der Eisenbahnstraße, andere verweisen auf bestimmte Ereignisse, wie die Kanonenkugel, die im Giebel auf der Nordseite des Gasthauses „Sonne“ steckt. Sie ist ein Relikt aus der Schlacht bei Schliengen am 24. Oktober 1796. Nur bei genauem Hinsehen zu entdecken ist ein Säbelhieb im steinernen Türrahmen des Gasthauses.

Zuvor ging es am Dorfbrunnen vorbei, der im Zuge des Kreisverkehrs verlegt wurde. Wo sich heute die Kreuzung befindet, war früher eine Furt durch den Mauchenbach. Ab 1704 war hier der Marktplatz. Nachdem die Stadt Neuenburg zerstört worden war, hat das Dorf Schliengen das Marktrecht erhalten. Zeitweise habe es hier bis zu 140 Marktstände gegeben, berichtete Maier. Nebenan war die Wirtschaft Baselstab (heute Weingut Blankenhorn) als Umspannstation für die Kutschen mit Platz für bis zu 60 Pferde.

Wasserschloss ist Thema

Nicht weniger spannend die Geschichte des Wasserschlosses Entenstein, das im Jahr 1525 vom Raubrittergeschlecht Nagel von der Alten Schönstein erworben wurde. Einer der Herren habe einen Schäfer erschlagen und musste zur Sühne eine Geldstrafe bezahlen und einen Brunnen errichten. Die Reste des sogenannten Nagelbrunnens standen lange vor dem einstigen Polizeiposten.

Gegenüber des Wasserschlosses sind das alte Rathaus und der stattliche Badische Hof, der den Herren von Baden zu Liel gehörte, zu finden. Hier war lange Zeit auch die Schule untergebracht. Vorbei geht es an einer der drei einstigen Mühlen, dem Freihof – frei bedeutete dies „frei vom Zehnten“ –, der einst dem Kloster in Bad Säckingen gehörte. Weitere Stationen waren die St. Leodegar-Kirche, die Loretto-Kapelle und der Friedhof.

Im Anschluss fand im Landgasthof Graf in Obereggenen die Jahrestagung des Geschichtsvereins Markgräflerland statt (wir berichten noch ausführlich).

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