Schliengen Weniger Nitrat in den Böden

Zoë Schäuble

Die jahrelange Arbeit macht sich bezahlt: Die Nitratwerte bei den Trinkwasserbrunnen in Efringen-Kirchen und Schliengen sind unter die kritische Grenze gesunken. Mehrere Maßnahmen, welche die Landwirte in Zusammenarbeit mit dem Landratsamt umgesetzt haben, führten zum Erfolg.

Von Zoë Schäuble

Efringen-Kirchen/Schliengen. Der Nitratgehalt ist in den Wasserschutzgebieten bei Schliengen und bei Efringen-Kirchen unter den kritischen Wert von 50 Milligramm je Liter Wasser gesunken. „Lange Zeit war der Stickstoffgehalt im Wasser zu hoch“, weiß Landwirt Heinz Kaufmann, der mit seiner Familie den Seebodenhof in Efringen-Kirchen betreibt und zudem in seiner Funktion als Kreisverbandsvorsitzender für Lörrach beim Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverband (BLHV) viel für den Umweltschutz im landwirtschaftlichen Bereich tut.

Den Stickstoffgehalt im Trinkwasser auf den Feldern in den Einzugsgebieten der Brunnen zu senken, ist ein wichtiges Ziel. Bei Efringen-Kirchen gehören rund 340 Hektar mit Ackerbauflächen in den Brunneneinzugsgebieten zum betroffenen Bereich, in dem jahrelang ein zu hoher Nitratgehalt gemessen wurde. Bei Schliengen erstreckt sich das rund 370 Hektar große Wasserschutzgebiet von den Rebhängen und Auggen über die Bahnlinie bis nach Steinenstadt.

Die Ackerbauflächen, die mit Getreide, Gemüse, Feldsalat oder Erdbeeren bestellt sind, sind stärker mit Nitrat belastet als Dauergrünland, erklärt Kaufmann. „Gewisse Kulturen, wie eben der Feldsalat, benötigen viel Stickstoff und wachsen selbst im Herbst noch.“ Um den Stickstoffgehalt im Boden trotz des Anbaus zu verringern, sei eine Maßnahme gewesen, solche Kulturen aus den Brunneneinzugsgebieten rauszunehmen. Auch eine Zwischenbegrünung der Flächen – beispielsweise zwischen den einzelnen Weinreben oder Obstbäumen – habe langfristig dazu geführt, dass im Boden weniger Bewegung stattfindet und damit auch weniger Stickstoff freigesetzt wird. Dieser würde wiederum nicht ausgewaschen würde und gelange daher auch nicht ins Trinkwasser.

Auch der Anbau sogenannter Zwischenfrüchte trägt zur Reduktion des Nitrats in Boden und damit im Trinkwasser bei. „Zwischenfrüchte werden nach der Ernte des eigentlichen Anbaus gesät. Sie bilden unterschiedlich lange Wurzeln aus und entziehen so dem Boden das Nitrat.“ Kaufmann hat viele seiner Ackerflächen vom Seebodenhof mit Zwischenfrüchten wie Leguminosen, Winterrüben oder Senf begrünt. Die Pflanzen entziehen nicht nur den überflüssigen Stickstoff – sie tragen auch noch eine schöne Blüte „und verhindern bei Starkregen im Winter das Auswaschen des Bodens“, so der Landwirt.

Auf dem Weg zu „Normalgebieten“

Seit dem 1. Januar fallen die Wasserschutzgebiete rund um Efringen-Kirchen und Schliengen nicht mehr unter die Kategorie Sanierungsgebiete, sondern sind in der Schutzgebiets- und Ausgleichsverordnung in die niedrigere Kategorie der Problemgebiete eingestuft worden, erklärt Sonja Bierer, die für die Wasserschutzberatung im Landratsamt Lörrach zuständig ist. Das nächste Ziel, so Bierer, wäre die Einstufung zu Normalgebieten, „mit Nitratwerten von unter 35 Milligramm pro Liter Rohwasser.“ Grund- und Quellwasser, und damit auch die Trinkwasserbrunnen, sollen durch die Verordnung vor der Einbringung von zu viel Nitrat geschützt werden. Bierer, die für das Umweltministerium Baden-Württemberg die Werte überwacht, erklärt: „Die entsprechende EU-Nitratrichtlinie wurde bereits 1987 erlassen. Sie legt fest, dass der Nitratwert die Grenze von 50 Milligramm je Liter Rohwasser nicht überschreiten darf.“

Um den Nitratwert nachvollziehen zu können, werden immer im Herbst, im Zeitraum von Mitte Oktober bis Mitte November, in den Wasserschutzgebieten Bodenproben entnommen. Mit der Beprobung hatte man Anfang der 2000er-Jahre begonnen. „Seitdem wurden bei Schliengen, Efringen-Kirchen und Grenzach-Wyhlen bis November 2021 185 Bodenproben gezogen.“ Etwa 60 der Proben habe man auf der Schliengener Gemarkung, und weitere 60 auf Efringen-Kirchener entnommen.

Dass die Maßnahmen nun von Erfolg gekrönt seien, habe man der guten Zusammenarbeit mit den ortsansässigen Landwirten zu verdanken, weiß Bierer. Und auch die Landwirte wollen weiterhin an ihnen festhalten, sodass der Trend weiter nach unten gehe, ergänzt Kaufmann.

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