Schönau Bauzaun am Gymnasium: Schüler kämpfen für ihre Rechte

Verena Wehrle
Die Gymnasiasten am Eingang der Schönauer Talstraße. Hier war am Montag kein Durchkommen für Autofahrer. Foto: /Verena Wehrle

Bei einer Demo sperren die Schönauer Gymnasiasten die Talstraße ab und zeigen wie schön es sein kann, wenn sie genügend Platz haben. Die Botschaft: „Wir wollen nicht eingezäunt sein.“

„Wir warten auf den Mauerfall“ steht auf einem Plakat der Gymnasiasten und aus den Lautsprechern tönt „Looking for Freedom“ von David Hasselhoff – die Hymne des Berliner Mauerfalls. Ganz so geschichtsträchtig ist der Bauzaun in Schönau nicht, aber das Schwarzwaldstädtchen erlebt derzeit einen großen Medienhype rund um die rot-weiße Absperrung um den Pausenhof.

Die Schüler demonstrierten am Montag und sperrten selbst die Talstraße von 7 bis 14 Uhr ab, so wie es auch ihre Wunschvorstellung einer Dauerlösung wäre. Die angemeldete Demo war an die Gemeinderäte gerichtet, die am Abend nochmals über die weitere Schulhof-Abgrenzung diskutierten.

„Durchfahrt verboten“, zeigen die Schüler bei der Demo.

Das sagen die Schüler

Mit Mikrofonen stehen sie auf Holzkisten und machen klare Ansagen: „Wir wollen nicht eingezäunt sein“, sagt Luisa Philipp: „Wir gehören auch zu Schönau und verstehen nicht, warum wir jetzt so abgegrenzt werden.“ Auf Plakaten sieht man Ölsardinen und Sprüche wie: „Schüler sind jetzt hinter Gittern.“

Luisa Philipp bei der Demo.

Schüler hinter einem Plakat.

Auf dem an diesem Tag vergrößerten Pausenhof, der auch den Rathausplatz und die Talstraße umfasst, ist jede Menge los: Die Schüler spielen Federball und Fußball und toben. Sie wollen mit der Aktion zeigen, wie schön es wäre, wenn sie mehr Platz hätten.

Die Schüler wollen mehr Platz zum Spielen.

Am Eingang der Talstraße sind es die Schüler selbst, die mit Plakaten die Straße sperren, unter Aufsicht von Erwachsenen. Ein Autofahrer sei wutentbrannt wieder auf die Bundesstraße umgekehrt, erzählen sie. Passanten jedoch freuten sich über die Aktion.

Das sagt die Schule

Begeistert von der Aktion zeigt sich auch Schulleiter Jörg Rudolf: „Es ist genial, dass die Schüler sich so aktivieren und demokratisch für ihre Rechte kämpfen.“ Überrascht ist er von der großen Medienwelle, die der Bauzaun in den letzten Tagen mit sich brachte. Kamerateams aus ganz Deutschland berichten.

Und auch Julian Heimer, Lehrer am Gymnasium, ist erfreut: „Es ist prinzipiell sehr positiv, wenn Schüler sich für eine Veränderung einsetzen, da aktuell die Stimme der Jüngeren nicht so stark ist. Sie lernen von mir in der achten Klasse, wie Demokratie funktioniert und erleben diese Theorie jetzt live. Wichtig ist, dass wir als Lehrer nicht die treibende Kraft waren, sondern die Initiative von den Schülern kam – das ist etwas Besonderes.“ Seiner Meinung nach spreche nichts gegen eine temporäre Sperrung der Straße.

Die Bürgerinitiative

Auch die neu gegründete Bürgerinitiative war vor Ort, um zu informieren. Bald sammle sie Unterschriften, denn bis zum 7. Mai muss das Bürgerbegehren eingereicht werden. Dann wird der Gemeinderat einen Termin für dieses festlegen, so Carolina Bruck-Santos. Zuerst aber muss die konkrete Frage für das Begehren formuliert werden. „Ich habe wenig Hoffnung, dass der Gemeinderat seine Entscheidung noch ändert“, so Initiator Issac Hailperin. Er würde sich aber darüber freuen. Denn: „Der Zaun ist eine Katastrophe für die Schüler, aber auch für ganz Schönau.“

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