Schönau Bei minus 13 Grad auf den Gipfel

Die Sonnenaufgangswanderer erlebten auf dem Belchen eine tolle Fernsicht, von der Zugspitze im Osten bis zum Mont Blanc im Südwesten. Foto: Gerald Nill

Oberes Wiesental - Der Moment, wenn der erste Sonnenstrahl den Bann der dunklen Nacht und bittere Eiseskälte bricht, ist unbeschreiblich erlösend. Insgesamt sieben Wintersportler haben sich dieser Tage von Multen oder vom Kleinen Wiesental aus aufgemacht, um den magischen Moment um Viertel nach 8 am Gipfelkreuz  des schönsten Schwarzwaldberges zu erleben, dem 1414 Meter hohen Belchen. 

Zahlreiche Ausflügler nutzen die aktuell idealen Winterverhältnisse für Aktivitäten in der verschneiten Welt des Hochschwarzwalds. Zumindest am Belchen stehen sie sich nicht auf den Füßen. Die Weitläufigkeit des dritthöchsten Schwarzwaldgipfels macht es leicht, dort die Corona-Regeln einzuhalten.

Seit Dreikönig geht die Sonne morgens minutenweise wieder etwas früher auf. Und wo ließe sich das besser beobachten als an dem Berg, der nach dem keltischen Sonnengott Belenus benannt ist?

„Wir waren schon um 5 Uhr hier und wollten den Sonnenaufgang am Belchen erleben“, sagen Sven Döbele und Patric Becherer und schmunzeln mit dem 13jährigen Jan darüber, dass der Sonnenaufgang am wolkenverhangenen Dreikönigstag ein frommer Wunsch blieb. „Sonnenaufgang am Gipfel im Sommer, das kann jeder“, erklärte Patric Becherer. Sie selbst hätten schon etwas „Adventure“ gesucht, oben am Felsen ein Lagerfeuer entzündet und gegrillt. „Was will man machen bei Corona?“, meint das Trio aus Lörrach und zeigt, dass mit Fantasie durchaus etwas geht im winterlichen Schwarzwald. Vor zwei Wochen am Feldberg war es den Naturburschen zu voll.

Auf ihrer Wanderung mussten die sieben Belchen-Besteiger erst einmal die Zähne zusammenbeißen: Minus 13 Grad zeigte das Thermometer beim Abmarsch. Dafür funkelten die Sterne mit den Schneekristallen im Scheinwerferlicht der Stirnlampe um die Wette.

Schneeschuhe, Langlaufbretter und Tourenski werden in diesen Tagen aus dem Keller geholt, weil die Lifte derzeit nicht laufen.  Eine Wanderin aus dem Kleinen Wiesental würde jetzt liebend gerne Schneeschuhe kaufen. „Aber jetzt sind ja die Geschäfte zu und online ist für mich keine Alternative, weil ich auf die Beratung nicht verzichten will“, erklärt sie den Lockdown-Nachteil. 

Am Belchen ist vom Lockdown nichts zu spüren. So war es auch schon bei der ersten Corona-Welle im Frühjahr: Die Menschen hatten plötzlich ein starkes Verlangen, den Schwarzwald auf Schusters Rappen oder per Mountainbike zu entdeckten. Jetzt also mittels sanfter Wintersportgeräte.

Gut ein halber Meter Pulverschnee knirscht unter den Kufen. Und die Ausflügler genießen den Spaß in vollen Zügen. Ein Paar ist aus Breisach am Rhein zum Belchen gefahren, um im Schnee herumzustapfen. „Wir wollen die klassischen Skigebiete eher meiden und suchen entlegenere Ziele“, begründet Jonas Winkler, warum man ausgerechnet zum Hau gekommen ist.

Strahlend kommt Frank Kiefer aus Mambach vom Berg herunter; er war um 7 Uhr oben auf dem Gipfel: „Windig, saukalt, aber super!“ Ein Dutzend Leute hätten sich am Dreikönigstag am Gipfelkreuz eingefunden.

Dann stapfen drei Skitourengeher auf ihren Brettern mit Fellen die Aufstiegsspur hinauf. Sie stammen aus Herbolzheim, Emmendingen und Freiburg und sind sonst in Vorarlberg unterwegs. „Dabei haben wir verpasst, wie schön es im Schwarzwald ist“, schwärmt einer. Selbst die Gämsen hätten sie schon gesehen, und bestimmt seien sie nicht zum letzten Mal hier. 

Fast oben am Belchen  stehen die letzten Bäume vom Wind zerzaust und dick in Schnee eingepackt wie Eisskulpturen. Wer nicht liftet, hat einen noch besseren Blick für die erhabene Schönheit der Natur. Am derzeit verlassenen Belchenhaus ist man dem Himmel ein Stück näher gekommen. Und der Sonne auch, dank Belenus.

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