Schönau Bisher sehr vieles richtig gemacht

Peter Schelshorn blickt vor der Bürgermeisterwahl am 5. Juli in Schönau zufrieden zurück und optimistisch nach vorn.Foto: Peter Schwendele Foto: Markgräfler Tagblatt

Auch bekennende Nicht-Propheten gehen stark davon aus, dass die Bürgermeisterwahl in Schönau eine Bestätigung des Amtsinhabers zum Ergebnis haben wird. Denn am 5. Juli ist Peter Schelshorn, der seit acht Jahren die Geschicke der Stadt lenkt, der einzige Kandidat, der auf dem Wahlzettel steht. Doch der Urnengang stellt nicht nur einen Alleingang für den Amtsinhaber dar, er fällt darüber hinaus mitten in Corona-Zeiten, weshalb von einem Wahlkampf auch im entferntesten Sinn keine Rede sein kann.

Von Peter Schwendele

Schönau. Auch wenn die Spannung sich in engen Grenzen hält, und auch wenn die Ausgangssituation eine ganz spezielle ist, hofft Peter Schelshorn auf eine ordentliche Wahlbeteiligung, Dass er ohne Gegenkandidat antritt, ist für den Amtsinhaber nicht zuletzt eine Bestätigung dafür, in seiner ersten Amtszeit sehr vieles richtig gemacht zu haben. Er spüre Anerkennung in der Stadt, so Schelshorn: „Viele sagen: Das ist ein starker Kandidat, gegen den braucht man gar nicht erst anzutreten.“

Tatsächlich kann Schönaus Bürgermeister auf eine positive Bilanz seiner ersten Amtszeit verweisen. Stolz ist Peter Schelshorn beispielsweise darauf, den rund viereinhalb Millionen teuren Neubau des Freibads, den er bei seiner ersten Kandidatur propagiert hatte, umgesetzt zu haben, denn dies sei „ein großer Kraftakt“ gewesen, wie der Bürgermeister bekennt. Das Ergebnis sei mehr als gelungen, betont Schönaus Rathauschef, auch wenn er bedauert, dass es nicht geklappt hat, ein Gemeinschaftsprojekt mit der Stadt Todtnau aufzugleisen (Schelshorn: „Gemeinsam hätte man mit weniger Geld ein größeres Bad betreiben können.“), und auch, wenn er bedauert, dass er es nicht geschafft hat, alle Mitglieder des Gemeindeverwaltungsverbands Schönau für das Projekt zu begeistern.

Der Bürgermeister glaubt im Übrigen, dass das Schwimmbad in den kommenden Jahren noch stärker an Bedeutung gewinnen wird. Aufgrund des Klimawandels, der die Temperaturen spürbar steigen lasse, würden die Menschen noch intensiver die Abkühlung suchen und der Stellenwert des 2016 wiedereröffneten Bads werde weiter steigen. Das Freibad sei für die Stadt mittlerweile viel wichtiger als noch vor zwanzig oder dreißig Jahren, meint der Bürgermeister.

Meilensteine der ersten Amtsperiode

Als weiteren wichtigen Meilenstein seiner ersten Amtsperiode wertet Peter Schelshorn das Projekt des Neubaus einer Mehrzweckhalle für den Gemeindeverwaltungsverband Schönau (GVV), dessen Vorsitzender Schelshorn ebenfalls seit acht Jahren ist. Das rund neun Millionen Euro teure Vorhaben wurde 2019 begonnen und soll im kommenden Jahr fertiggestellt werden.

Ein umfangreiches Vorhaben, das die Stadt und den GVV noch etliche Jahre beschäftigen wird, ist der Ausbau der Breitbandversorgung (schnelles Internet), in Schönau selbst im Verbund mit der gleichzeitigen Erweiterung des Nahwärmenetzes und der Sanierung diverser Straßenzüge. Es mache absolut Sinn, diese drei Stränge, wo immer es möglich sei, zusammenzuführen und gemeinsam voranzutreiben, so der Rathauschef.

„Kleinere Meilensteine“ habe es daneben viele in den vergangenen acht Jahren gegeben, so Schelshorn. Etwa die Umwandlung des Spitals zu einem Seniorenzentrum, die Friedhofsanierung, die Erneuerung des Fahrzeugparks im Werkhof, die fortschreitende Digitalisierung der Verwaltung, die Auswahl des GVV Schönau als ELR-Schwerpunktgemeinde, die üppige Zuschüsse für diverse Projekte mit sich bringt, die Einweihung des Energielehrpfads oder die Anerkennung des Biosphärengebiets Schwarzwald als Unesco-Biosphärenreservat. „Dafür haben auch wir in Schönau sehr gekämpft“, erinnert sich Schelshorn – und in der Folge sei es gar keine große Diskussion gewesen, dass die Geschäftsstelle der Organisation in Schönau angesiedelt wird.

Mit diesem Aspekt im Zusammenhang steht ein weiteres interessantes Projekt für die Schönauer Innenstadt, das unter Schelshorns Ägide aufgegleist wurde und kurz vor der Realisierung steht: Das sogenannte MTB-Gebäude, das Mehrzweckaufgaben erfüllt, Heimat für die eigene Tourist-Info werden soll und künftig auch besagte Geschäftsstelle beherbergen wird.

Trotz einer gewissen Aufeinanderfolge größerer Projekte verweist Peter Schelshorn darauf, dass er durchaus auch in seiner ersten Amtszeit die Strategie verfolgt habe, dass „man mit vielen kleinen Schritten auch einen großen Schritt machen kann“. Dazu passt, dass vieles, was in den vergangenen Jahren im Schönauer Rathaus an alltäglichen Aufgaben abzuwickeln war, geräuschlos über die Bühne gebracht wurde. Gleichwohl räumt der Bürgermeister ein, dass er von seiner Verwaltungsmannschaft, auf deren Führungsebene weiter ein Verjüngungsprozess im Gange bleiben wird, bisweilen auch schon mal gebremst werden muss. „Ich gelte als Chef, der Projekte zügig vorantreibt und gern das Tempo hochhält“, verrät er schmunzelnd.

Belchenbahnerweiterung bleibt „große Vision“

Ob dies auch in Zukunft so bleibt, muss abgewartet werden, denn die Rahmenbedingungen ändern sich gerade rapide. Dennoch: Wenn Peter Schelshorn vorausblickt, was in seiner mutmaßlichen zweiten Amtsperiode ansteht, dann taucht ein Großprojekt am Horizont auf, das in seinen ersten acht Amtsjahren auch angesichts der vielen anderen Vorhaben nicht vorangebracht werden konnte: Die Verlängerung der Belchenbahn bis hinunter nach Schönau. Dieses Projekt ist in Schelshorns Augen nämlich keineswegs tot, wie zuletzt einige Äußerungen suggerierten, sondern „es liegt lediglich auf Eis“, wie der Bürgermeister sagt.

Obschon Klaus-Peter Rudiger, der Geschäftsführer der Belchen-Seilbahn GmbH, nicht mehr bereit zu sein scheint, das Vorhaben federführend voranzutreiben, glaubt der Bürgermeister weiter daran, dass es realisiert werden kann. „Das bleibt meine große Vision“, so Schelshorn, der diesbezüglich nochmals in die Offensive gehen will. Es gebe durchaus Personen, die großes Interesse daran hätten, dass der eingeschlagene Weg weiter beschritten wird.

Allerdings ist dem Amtsinhaber mehr als klar, dass zumindest die erste Hälfte seiner zweiten Amtszeit von der Corona-Krise beziehungsweise deren finanziellen Auswirkungen stark beeinflusst sein wird. Neben der Tatsache, dass die Kommune ihren Gürtel wohl enger schnallen muss, werde es auch darum gehen, Anreize zu setzen, um das heimische Gewerbe zu stärken und so den Verlust von Arbeitsplätzen möglichst zu vermeiden.

Ein weiteres eher unerquickliches Thema, von dem der Bürgermeister sicher ist, dass es ihn mittelfristig beschäftigen und die Entwicklung der Stadt bremsen wird, ist der Zustand des Waldes. Schönau als sehr waldreiche Kommune würden die Themen Trockenheit, Borkenkäferbefall und Sturmschäden in den nächsten Jahren mit Sicherheit belasten. „Wir werden mindestens noch drei Jahre Geld in den Wald stecken müssen, bevor wir in diesem Bereich wieder eine schwarze Null schreiben können“, prognostiziert der Rathauschef.

Ebenfalls ein wichtiges Thema für Peter Schelshorn in den kommenden acht Jahren: Die interkommunale Zusammenarbeit. Denn gerade angesichts der Problemfelder Corona und Forst werde es insbesondere für die kleineren GVV-Gemeinden nicht einfacher, ihre Haushalte auszugleichen.

GVV soll noch enger zusammenarbeiten

„Vor dieser Realität können wir nicht die Augen verschließen, wir werden noch enger zusammenarbeiten müssen“, meint Schönaus Bürgermeister. In diesem Zusammenhang werde möglicherweise auch die Frage auftauchen, „ob man auf Dauer an dem Thema Einheitsgemeinde vorbei kommt“. Wenn man das jetzige Kon­strukt erhalten wolle, werde jedenfalls für die neun Verbandsgemeinden immer wichtiger, dass wesentliche Entscheidungen gemeinsam getragen werden. Schelshorn: „Wir müssen nicht nur am selben Strang ziehen, sondern auch in die gleiche Richtung.“

Dass er selbst mit seinem Gemeinderat dieses Anliegen in seinen ersten acht Amtsjahren zumeist erfolgreich umgesetzt hat, steht für den Bürgermeister außer Frage – auch wenn die Zusammenarbeit im Schönauer Ratsgremium nicht immer von extremer Harmonie geprägt war. Teilweise habe es „harte Kämpfe“ bis zu einem Beschluss gegeben, aber gerade in solchen Fällen sei es wichtig, sich hinterher wieder die Hand zu reichen. „Mir liegt auch nichts an einer Lex Schelshorn; wenn der Gemeinderat eine Entscheidung getroffen hat, gilt es, diese zu akzeptieren“, so der Rathauschef. Er agiere im Gemeinderat auch strikt parteineutral, sagt der Bürgermeister, der seit vielen Jahren CDU-Mitglied ist.

Der gebürtige Schönauer hat zu seiner Zufriedenheit auch festgestellt, dass er in seiner ersten Amtszeit nicht in interessengeleitete Kleinstadt-Scharmützel verstrickt wurde. Er habe, so Schelshorn, sein vor acht Jahren gegebenes Versprechen gehalten, dass unter seiner Ägide niemand bevorzugt oder benachteiligt werde.

Überhaupt: Als großen Vorteil seiner Amtsführung sieht Peter Schelshorn, dass er praktisch jederzeit in der Stadt ansprechbar oder übers Handy erreichbar ist. Zwar stoße die permanente Ansprechbarkeit bisweilen auf leichte Kritik seiner Freundin, die ihn schon mal fragt, ob er eigentlich auch mal richtige Freizeit hat, wie Schelshorn schmunzelnd erzählt – und doch will der Bürgermeister diese Praxis weiterführen, wenn er im Herbst seine zweite Amtszeit antreten kann.

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