Schönau Ein Konzept muss auf den Tisch

Markgräfler Tagblatt
Im Bürgersaal in Schönau wurde über die Entwicklung der Gewerbeschulen im Landkreis Lörrach diskutiert. Foto: Peter Schwendele Foto: Markgräfler Tagblatt

Von Peter Schwendele

Oberes Wiesental. Wie geht die Entwicklung der Gewerbeschulen in der Region weiter? Diese Frage treibt viele Mitnutzer der Einrichtung und Betroffene um - so auch den Initiativkreis Oberes Wiesental (IOW), der am Montagnachmittag in den Schönauer Bürgersaal zu einem „Runden Tisch“ eingeladen hatte, um die Thematik zu erörtern. Ziel muss es aus Sicht des IOW sein, den Bereich Metall in der Gewerbeschule Schopfheim zu halten.

Die Überlegung im Zuge der Neuordnung der Gewerbeschullandschaft, den Fachbereich Metall an die Lörracher Schule zu holen, wird vom IOW sehr kritisch betrachtet, wie eingangs Michael Schneider, Personalchef der Firma Interbros, darlegte.

Metallbereich ist das „Herzstück der Schule“

Denn der Metallbereich sei nicht nur mit deutlichem Abstand der größte Zweig und damit „das Herzstück“ der Schopfheimer Schule (derzeit 333 Schüler von insgesamt 914), so Schneider, sondern das Gros dieser Schülersparte komme auch aus dem oberen Wiesental und habe jetzt schon einen zum Teil sehr weiten Anfahrtsweg. Viele Schüler könnten realistischerweise gar nicht morgens rechtzeitig in der Schule sein, sollte der Unterricht tatsächlich nach Lörrach verlegt werden, wie im Laufe der zweistündigen Veranstaltung nicht nur von Michael Schneider, sondern mehrmals von verschiedenen Rednern bekräftigt wurde.

Zu Beginn stellte Schneider die Grundsatzfrage in den Raum, ob durch die Verlagerung des Metallbereichs die Gewerbeschule Schopfheim - und damit die Berufsschule im ländlichen Raum - sterbe? Der IOW gehe davon aus, dass, werde diese Frage bejaht, auch die Duale Ausbildung vor allem im oberen Wiesental leiden werde. Schneider bedauerte, dass die Unternehmen als Partner des Dualen Systems „bisher nicht vollumfänglich integriert und informiert wurden“.

Es gibt „absoluten Nachholbedarf“

Thomas Heß von der Landratsamt-Stabsstelle Bildung nahm zu den Plänen Stellung und legte zunächst die grundlegenden Einflussfaktoren dar, so etwa den demografischen Wandel, die komplexe Sparten- und Altersstruktur der Berufsschüler oder die Ausstattung der Schulen, wo es „absoluten Nachholbedarf“ gebe. Ziel sei es, Parallelstrukturen zu vermeiden. Im Hinblick auf den Status Quo und das Entwicklungspotential sei man aus Verwaltungssicht zu der Meinung gelangt, dass der Standort Lörrach besser geeignet sei als der Standort Schopfheim. Allerdings: „Entschieden ist noch nichts“, wie Heß betonte. Der Kreistag habe noch kein Votum gefällt, sondern weitere Prüfaufträge erteilt, die nun abgearbeitet würden. Man habe auch das Regierungspräsidium Freiburg gebeten, einen unabhängigen Fachberater zu stellen, der sich beide Schulen ansehen und dann eine Empfehlung aussprechen werde.

Wichtig sei, so der Experte des Landratsamts, dass nun auch die Gewerbeschule Schopfheim - ähnlich wie bereits die Lörracher Schule - ein konkretes Konzept auf den Tisch lege, das bei der endgültigen Entscheidung herangezogen werden könne. „Hier muss das Herzblut und das Detailwissen der Schule einfließen“, forderte Heß.

Ralf Dierenbach, der Schulleiter der Gewerbeschule Schopfheim, zeigte sich irritiert von dieser Forderung. Man habe bereits diverse Konzepte vorgelegt, fertige aber gerne nochmals eines, wenn dies der Entscheidungsfindung dienlich sei. Moderator Michael Schneider hakte hier ein: „Es muss jetzt was kommen von Schopfheim, und das muss besser sein als das Lörracher Konzept.“ Unter anderem gelte es, Kooperationsmöglichkeiten mit der Gewerbe Akademie und der IHK auszuloten.

„Hier wird eine Schule geschlossen“

Schulleiter Dierenbach stellte die provokative Behauptung auf, dass beim Abzug des Metallbereichs aus Schopfheim „eine Schule geschlossen wird“. Das mittlere und obere Wiesental liefere für diesen Bereich 78 Prozent der Schüler und sei eine Region von „weltführenden Unternehmen“, die den Metallbereich in der Nähe unbedingt benötigen würden.

„Benachteiligung des ländlichen Raums“

Kreisrat Martin Halm aus Todtnau kritisierte die bisherigen Überlegungen: „Wir haben eine Gewerbeschule fast im Herzen des Landkreises, und die will man jetzt umbauen an den Rand.“ Das sei eine „mordsmäßige Benachteiligung des ländlichen Raums“. Auch die Kreisräte Martin Bühler, Bürgermeister von Hausen, und Bruno Schmidt, Bürgermeister von Häg-Ehrsberg, bekräftigten, man dürfe nicht nur Kriterien wie Klassenräume, Werkstätten und Labore sehen, sondern auch der Anreiseweg der Schüler sei ein wichtiger Punkt. Ähnlich sah es ihr Kollege Herbert Baier aus dem Kleinen Wiesental: „Entscheidend für den Standort ist, dass er für alle tragbar ist.“ An das „politische Bewusstsein“ der Kreisräte appellierte auch Andrea Lutz von der Wirtschaftsregion Südwest. Man müsse sich schon überlegen, wo die „Kunden“ der Schule mehrheitlich herkommen.

Michael Schneider bekundete in seinem Schlusswort die Sorge, dass es am Ende zu einer „reinen Verwaltungsentscheidung“ kommen könnte. „Wir wollen dagegen, dass der ländliche Raum nicht weiter geschwächt wird, dass die Gewerbeschule Schopfheim gesund erhalten bleibt, und dass dies in eine Lösung eingebunden wird, die dem Ganzen zuträglich ist.“

Der Initiativkreis Oberes Wiesental (IOW) besteht aus den Firmen Elektrizitätswerke Schönau (EWS), Konfitürenmanufaktur Faller, Frank Bürsten, Nilit Plastics, Heinzmann, Interbros, Sensopart und Zahoransky sowie der Wirtschaftsregion Südwest und den beiden Kommunen Schönau und Todtnau. Der Verbund hat sich zum Ziel gesetzt, die hohe wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Region weiter zu stärken und damit auch attraktive Infrastrukturen für die Menschen im Wiesental zu fördern.

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