Schönau Gegengewicht zur Flucht aus Afrika setzen

Der Dikome-Kamerun-Verein besuchte die EWS: (von links) Alexander Sladek, Obe Nanje, Michael Sladek, Emerence Etonger und Richard Renz. Foto: Heiner Fabry Foto: Markgräfler Tagblatt

Schönau (hf). Auf ihrer Deutschlandreise besuchten die Verantwortlichen des Schopfheimer Dikome-Kamerun-Vereins kürzlich ihre Partner bei den Elektrizitätswerken Schönau (EWS) und dem Förderverein FuSS, der den Aufbau des Ausbildungsprojekts für eine berufsbildende Aus- und Weiterbildung in Kamerun mit insgesamt 200 000 Euro unterstützt.

Mit dem Vorsitzenden Richard Renz, der Schulleiterin Obe Nanje und der Managerin des Vereins, Emerence Etongwe, besuchten am vergangenen Freitag die Verantwortlichen des „Business-Ausbildungszentrums“ Kamerun die Zentrale der EWS, um über den Bestand und die positive Entwicklung der Nachhaltigkeitsinitiative der EWS und des Fördervereins FuSS zu berichten.

Das Schönauer Unternehmen will einheimischen jungen Leuten eine qualifizierte Ausbildung und ein existenzsicherndes Leben in der Heimat ermöglichen, damit sie nicht ihre Zukunft außerhalb Kameruns suchen müssen. Im ersten Kurs des Ausbildungszentrums haben in diesem Jahr acht Studierende des Bereichs Solartechnik ihre Ausbildung erfolgreich abgeschlossen. Am zweiten Ausbildungskurs nehmen seit Februar weitere zehn junge Leute teil.

Die Ausbildung wird begleitet von einem Programm, mit dem sichergestellt werden soll, dass die erlernten Fähigkeiten auch wirtschaftlich genutzt werden. Den Absolventen werden Werkzeuge finanziert, mit denen die jungen Leute in die Lage versetzt werden, sich in kleinen Gruppen zusammenzuschließen und gemeinsam kleine Solarprojekte selbstständig durchzuführen, um im Busch Hütten mit Strom für die Beleuchtung zu versorgen, damit künftig kein Petroleum und Diesel dafür eingesetzt werden muss. Den Absolventen werden zusätzlich kleine Kits mit Solarsystemen zur Verfügung gestellt, die auch isoliert im Busch eingesetzt werden können. Zusätzlich will der Dikome-Kamerun-Verein ein eigenes kleines Lager an Solarsystemen aufbauen, damit die Programme nicht durch den Bürgerkrieg im Land nicht behindert werden.

Das Programm wird mit Ausbildungen in den Bereichen Tischlerei, Landwirtschaft, Schneiderei, Blechnerei und Zimmerei flankiert. Kooperationen mit deutschstämmigen Unternehmen werden etabliert. Weiterhin besteht eine funktionierende Kooperation mit den Ärzten von Interplast Deutschland, die regelmäßig zu Behandlungen und Operationen nach Kamerun kommen.

Der Bürgerkrieg in Kamerun hat bisher die Projekte nicht wesentlich beeinträchtigt. Weder die Schulgebäude noch die Ausbildungsstätten wurden bis dato angegriffen oder zerstört. Die bestehende Wasserversorgung in Bakumba blieb ebenfalls verschont. Eine im Bau befindliche Anlage in Bikombe muss noch fertiggestellt werden, das gilt auch für das Projekt in Lokando, das durch Fördergelder aus Deutschland realisiert werden soll.

Das größte Projekt des Dikome-Kamerun-Vereins, die Vermarktung des Glory-Halleluja-Kaffees, bleibt weiterhin ein wichtiger Bestandteil des Vereins. „Egal was kommt, wir werden die Unterstützung der rund 360 Kleinbauern fortsetzen“, erklärte Richard Renz. Der ganze Erlös des Kaffeeverkaufs kommt den Kleinbauern zugute. Auch wenn die Arbeitsbedingungen erheblich schwieriger geworden sind, konnte Emmerence Etongwe in diesem Jahr wieder rund 23 Tonnen Rohkaffee auf zum Teil abenteuerlichen Wegen zur Hafenstadt Douala transportieren und dort einschiffen. Etwa 18 Tonnen Kaffee sollen im Lauf des Monats in Langenau eintreffen und weiterverarbeitet werden.

„In der Zusammenarbeit mit dem Dikome-Kamerun-Verein konnte ein beispielgebendes Projekt geschaffen werden, mit dem wir gemeinsam zu der Flucht aus Afrika ein Gegengewicht setzen, und den Menschen in Kamerun eine gute Ausbildung und die Möglichkeit bieten wollen, ihr Leben in einer auskömmlichen Zukunft selbstgestalten zu können“, fasste Michael Sladek die Ergebnisse des Besuchs in Schönau zusammen.

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