Schönau Harter Arbeiter und Weltenbummler

Von Peter Schwendele

Wembach. Akribischer, harter Arbeiter und Weltenbummler - diese beiden Facetten vereinigen sich im Wesen von Wilhelm Oswald. Seine Globetrotter-Ader lebte der heute 87-Jährige allerdings immer auf besondere, ganz individuelle Weise aus. Neben vielen noch exotischeren Zielen bricht der rüstige Senior am Montag zum zehnten Mal nach Moldawien auf. Sein Geburtsland hat ihn immer auf besondere Art und Weise angezogen.

1992 machte sich Wilhelm Oswald zum ersten Mal auf den Weg nach Osteuropa - und auf eine Reise in die eigene Vergangenheit. Im Alter von zwölf Jahren hatte Oswald mit seiner Familie und 180 000 weiteren Deutschen als Folge des Hitler-Stalin-Abkommens das damalige Bessarabien verlassen. Zuerst ging es in ein Lager nach Österreich, dann nach Polen und schließlich, in den Endwirren des Zweiten Weltkriegs, nach Schleswig-Holstein. Mit einer Zimmermannslehre ausgestattet, machte sich Wilhelm Oswald Anfang der 50er Jahre mit dem Fahrrad auf den Weg nach Süddeutschland, wo sich der umtriebige Charakter mit viel Fleiß und Können einen eigenen Zimmereibetrieb bei Waldshut aufbaute. Damit nicht genug: Bei einer Feier im „Meyerhof“ in Wembach lernte er seine Frau kennen und fand so auch sein privates Glück.

Über seine vielfältigen beruflichen Bau- und Renovierungstätigkeiten wurde er in der 80er Jahren des letzten Jahrhunderts auf den Seger-hof, einen unter Denkmalschutz stehenden Bauernhof in Wembach, aufmerksam und erwarb ihn. In den den altehrwürdigen Mauern, in denen er regelmäßig Führungen abhält, erzählt er gern von seiner Faszination fürs Reisen - und speziell für Moldawien.

Wilhelm Oswald, der sehr gut rumänisch - die moldawische Amtssprache - spricht, wuchs dort im Dorf Ebenfeld auf. 1992, nach dem Niedergang der Sowjetunion, konnte er erstmals dem Drang nachgeben, dorthin zurückzukehren, wo er seine Kindheit verbrachte. Und zwar wie immer, wenn er in der Weltgeschichte unterwegs war, auf höchst individuellem Weg - mit einem Geländebus.

„Ich hatte einfach den Drang, dorthin zu gehen, das hat damals sonst niemand gemacht“, erinnert sich der 87-Jährige. In Ebenfeld lernte er schnell etliche Bewohner kennen und knüpfte viele Kontakte, die zum Teil bis heute halten. Bei seinen Besuchen bringt Wilhelm Oswald immer Geschenke mit. Einmal hatte er 25 000 Mark in bar mit im Gepäck, die Zuwendung eines Sponsors. „Mit diesem Betrag und mit eigenen Händen haben wir dann ein neues Dach für die Schule gesetzt“, erinnert sich Oswald. Auf seine Initiative und mit im Umfeld von bessarabischen Landsmannschaftstreffen gesammelten Spenden wurde auf dem Friedhof in Ebenfeld auch ein Gedenkstein gestiftet. Auf diesem ist die Geschichte des Dorfes zu lesen, und man erfährt, welche Bewohner dem Krieg zum Opfer gefallen sind.

Am Montag geht es nun zum zehnten Mal auf die rund 3000 Kilometer weite Fahrt - wie so oft in den letzten Jahren mit dem eigenen Jeep. Wilhelm Oswald hat diesmal zwei Begleiter, unter anderem den 23-jährigen Enkel seiner in den USA lebenden Kusine, der ebenfalls unbedingt einmal erleben will, wie die Menschen in dem Land, aus dem seine Familie stammt, leben. Dass er nun - bei seiner voraussichtlich letzten großen Fahrt - seine Kenntnisse an die nächste Generation weitergeben kann, freut Wilhelm Oswald besonders.

Und sicher werden dabei auch viele Erlebnisse von Oswalds Trips rund um den Globus wieder aufleben. Denn den rüstigen Rentner zog es zeit seines Lebens immer wieder hinaus in die weite Welt. „Ich habe immer wahnsinnig viel geschafft“, erinnert sich der frühere Firmenchef, „aber regelmäßig hat es mich dann gepackt und ich musste los.“ So erkundete Oswald unter anderem Kanada, fuhr mit einem umgebauten Unimog durch die Sahara oder durchquerte mit dem Jeep Russland bis zur chinesischen Grenze. Jüngst ließ er sich von einer Reise nach Namibia begeistern.

Wo immer es ging, verzichtete er aufs Fliegen; „man erlebt einfach mehr, wenn man mit dem Auto unterwegs ist“, sagt Oswald. Überhaupt: Oswald ging immer seine eigenen Wege, mit einer Reisegruppe unterwegs sein, war nie sein Ding - vermutlich hätte er sonst auch nie in einem kirgisischen Zelt von einer Großfamilie einen Ziegenkopf als Leckerei vorgesetzt bekommen.

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