Schönau Mississippi, Mafia und Märsche

Markgräfler Tagblatt
Die Stadtmusik Schönau bei ihrem Jahreskonzert am Samstagabend. Foto: Michael Maldacker Foto: Markgräfler Tagblatt

Die Stadtmusik Schönau präsentierte sich am Samstag in der voll besetzten Buchenbrandhalle bei ihrem Jahreskonzert. Die verbreitete Blasmusikliteratur umschifften die Musiker dabei in freudiger Eleganz und schufen so einen spannenden Auftritt voller bekannter, aber ohne ganz bekannte Stücke.

Schönau. Mitzureißen ohne nur ein bloßes „Best of“ der Blasmusik zu liefern, ist seit Jahren das Programm der Stadtmusik. Und das Orchester unter der Leitung von Stadtkapellmeister Peter Lastein lud auch dieses Mal zu einem Fest für die Ohren. Gerade auch für jene, die sich mit traditionellen Bläserklängen eher schwer tun.

Gewohnt charmant und souverän moderierte die Flötistin Yvonne Fiedel das Jahreskonzert, dessen wahrhaft festlicher Auftakt die „Festive Overture op 96“ von Dmitri Schostakowitsch machte. Das Stück von 1954 ist ein Fest für alle Instrumente. Die schnellen Tempowechsel faszinierten Publikum und Musiker gleichermaßen, hatte man den Eindruck.

Ein schnelles Stück ist das anschließende „Swaying in the West Wind“ („Taumelnd im Westwind“) von Satoshi Yagisawa eigentlich nicht. Aber es strotzt, ähnlich wie die Komposition des 40-jährigen Japaners „Hymn to the Infinite Sky“, das die Stadtmusik im vergangenen Jahr spielte, nur so vor Dramatik. Die Stadtmusiker meisterten dabei selbst die anspruchsvollsten Parts mit Bravour. Von Taumeln keine Spur.

Die „Tom Sawyer Suite“ des zeitgenössischen Tessiner Komponisten Franco Cesarini lehnt sich an den Abenteuerroman von Mark Twain an. Dieser spielt in den Südstaaten der USA. Entsprechend ist auch die Musik vom Swing inspiriert. Mehr als inspiriert aber auch nicht, denn mit seinen glatten Harmonien erinnert das in fünf Sätze gegliederte Werk eher an den „weißen“ Jazz des Nordwestens der Vereinigten Staaten. Und was machte die Stadtmusik Schönau? Sie ließ eine schon liebevolle Art dramatischer Erzählung entstehen. Wunderschön.

Die anschließende Ouvertüre der Rossini-Oper „Die Italienerin in Algier“ ist gewissermaßen ein einziges Crescendo. Zarter Beginn, dramatische Steigerung bis hin zu den fulminanten Schlusstakten. So passt das Werk des Belcanto-Komponisten ideal zum traditionellen Vorgehen der Stadtmusik Schönau, die ihr Publikum gerne mit einem Knall, in höchster Dramatik, in die Pause entlässt.

Mit dem Schlagwort „Filmmusik“ war der zweite Teil des Konzert überschrieben. Die Dramatik des ersten Teils nahm die Stadtmusik gleich noch mit in das Stück „The Cowboys“ von John Williams aus dem gleichnamigen John Wayne-Western. Williams ist ein Meister des wuchtigen Auftritts, leise Töne sind seine Sache nicht.

Den anschließenden Soundtrack des Mafia-Epos „Der Pate“ von Francis Ford Coppola, komponiert von Nino Rota und Carmine Coppola, mit seinem immer wiederkehrenden, berühmten Walzer-Motiv, dominierte Flügelhornist Andreas Wetzel mit zwei Soli. Die Stadtmusik Schönau servierte damit ein spektakuläres Stück Mafiamusik.

Nochmals ein höheres Tempo gingen die Musiker mit „Two Worlds“ von Phil Collins aus dem Disneyfilm „Tarzan“ von 1999. Seit 2006 hat Collins‘ Musik auch Eingang in das gleichnamige erfolgreiche Musical gefunden und enthält somit vorwiegend Vokalstücke. Fühlbare Spannung und der Einsatz der Schönauer Perkussionisten machten den Auftritt zum echten Erlebnis. Trotzdem war dieses Arrangement der poetischen Collins-Musik sehr mutig ausgewählt. Es fehlte einfach die charismatische Gesangsstimme.

Häufig beendet ein Marsch das Jahreskonzert der Stadtmusik. So auch in diesem Jahr. „Domi Adventus“ des Allgäuers Alexander Pfluger legte zünftig den roten Teppich aus für die abschließenden beiden weiteren Märsche als Zugaben.

Das Jahreskonzert der Stadtmusik ist auch traditionell das Jahreskonzert der Schönauer Jugendmusik. In diesem Jahr spielte der Nachwuchs zu Beginn des Abends zwei Stücke unter der Leitung von Peter Lastein. „The Heaven Tree“ von Thierry Deleruyelle ist ein variationsreiches Stück Musik nach einer tragischen Romanvorlage von Edith Pargeter. Der französische Komponist ist selbst fast noch Jungmusiker (Jahrgang 1983).

„Double Dutch“ von Dizzy Stratford, der zweite Auftritt der Jugend, war voller Leben und Energie. Hinter dem Pseudonym Dizzy Stratford verbirgt sich der niederländische Blasmusikkomponist Jacob de Haan. Das turbulente Stück mit seinem enormen Schwierigkeitsgrad hingegen verbirgt nichts, doch die Jugendmusik meisterte die Hürden hochachtungswürdig. Als Zugabe spielte die Jugendmusik den Chartstürmer „Happy“ von Pharrell Williams. Und gingen „happy“ über ihren Auftritt von der Bühne.

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