Von Peter Schwendele

Schönau. Die Neuausrichtung des Tourismusgeschehens im Gemeindeverwaltungsverband Schönau nimmt immer mehr Form an. Am Mittwoch wurde das Strategiepapier, das in einem halbjährigen Arbeitsprozess entwickelt worden ist, der Öffentlichkeit präsentiert. Ziel ist ein „sanfter, authentischer Tourismus“, wie Verbandsvorsitzender Peter Schelshorn bekräftigte.

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Der Bürgersaal war gut besetzt, als Alexander Seiz von der Agentur Kohl & Partner den Ausfluss der bisherigen Überlegungen zur Zukunft des Tourismus im GVV-Gebiet vorstellte. Die Neuausrichtung war notwendig geworden, nachdem sich der Verbund mit Todtnau, die Bergwelt Südschwarzwald, aufgelöst hatte. Seit Kurzem läuft das Marketing unter der Dachmarke Schwarzwaldregion Belchen gemeinsam mit der Gemeinde Münstertal. Diese Zusammenarbeit soll gefestigt werden. Mit ins Boot holen will man auch die dritte Gemeinde, die im Belchengebiet liegt, das Kleine Wiesental. Vertreter der Tourismusorganisationen aus beiden Orten signalisierten bei der Vorstellung des Strategiepapiers Interesse.

„Es gibt ganz viele gute Ansätze, aber es fehlt ein bisschen am Profil“,so die grundsätzliche Einschätzung des Experten Alexander Seiz, der zunächst die Kulisse und die Angebote im GVV Schönau zusammenfasste und dabei nicht verhehlte, dass die Gästezahlen in den vergangenen Jahren im GVV gesunken sind (aktuell ist allerdings wieder ein Anstieg zu verzeichnen). Seiz erkannte ein „bipolares Bild“ im GVV-Gebiet. Zum einen gebe es die Höhenlagen, die geradezu die „stereotypischen Elemente“ des Schwarzwalds verkörpern würden; die „grandiosen Weitblicke“ und die „einfache, aber bodenständige authentische Qualität“ seien begeisternd. Zum anderen jedoch gebe es im Talbereich Orte ohne Aufenthaltsqualität mit starkem Durchgangsverkehr und einer Infrastruktur, die zu wünschen übrig lasse.

„Tourismusregion abseits des Rummels“

Als Top-Stärken identifizierte Alexander Seiz Natur (Belchen, offene Landschaft), Ruhe (Weite, Stimmungen, sanfter Tourismus), Gastfreundschaft (Tradition, Freundlichkeit) und Wandern (Wege und Angebote). Insgesamt habe man „eine Tourismusregion abseits des Rummels, mit regionalem Charme und viel authentischen Werten“.

Bei der Entwicklung von Visionen im Arbeitsprozess sei erstaunlicherweise deutlich geworden, dass das Leitbild aus dem Tourismuskonzept von 1994 („Belchenland“) immer noch hochaktuell sei, berichtete Seiz. Als Hauptprinzip gilt ein sanfter und authentischer Tourismus, das heißt, nicht Quantität und sportliche Highlights sollen im Vordergrund stehen, sondern Naturgenuss und ein bodenständiges, aber qualitativ hochwertiges Angebot. Als weitere Entwicklungsprinzipien wurden festgehalten: Langsames, aber dennoch gezieltes Wachstum, Haltung und Optimierung der Infrastrukturen, zielgruppenorientiertes, hochwertiges Angebot, regionale Wertschöpfung und Schaffung professioneller Strukturen.

Als Handlungsfelder empfahl der Experte vier Säulen: Winter- und Sommertourismus, lebendiges Landleben und entspannende Augenblicke. Als Zielgruppen wurden Familien, naturaktive Genießer, ältere Paare und ruhesuchende Wochenendaussteiger identifiziert.

Alexander Seiz empfahl, zügig diverse Projekte anzugehen, sich aber nicht zu verzetteln. Eine Erweiterung der Belchenbahn und eine konzeptuelle Inszenierung derselben würde der Experte als „sensationell“ bewerten.

Tatsächlich sind bereits einige konkrete Projekte am Laufen, wie die anschließende Vorstellung durch Beteiligte deutlich machte. So soll etwa das Loipenzentrum Hohtann aufpoliert und zu einem ganzjährigen Aktivzentrum gemacht werden. Weiterhin sollen Mountainbikerouten ausgearbeitet und Premiumwanderwege entwickelt werden. Des Weiteren wird daran gearbeitet, die Tourismusvereine im GVV-Gebiet zusammenzuführen. Und mit Verena Behringer stellte sich eine ausgebildete Touristikmanagerin vor, die zunächst stundenweise ins Geschäft einsteigt und Schritt für Schritt mehr Aufgaben übernehmen wird.

Schelshorn: „Zeigen, wie schön es bei uns ist“

Dies alles brachte den Verbandsvorsitzenden dazu, optimistisch in die Zukunft zu blicken. „Ich hoffe, dass es uns gelingt, Menschen aus aller Herren Länder zu zeigen, wie schön es bei uns ist“, sagte Peter Schelshorn. Er rief alle Einwohner dazu auf, sich einzubringen; selbst jede kleine, freundliche Geste könne die Erfolgschancen erhöhen. Mit den Worten „wir sind stark, wir können was, wir müssen uns nur besser vermarkten“ schloss der Verbandsvorsitzende die Veranstaltung.