Schönau Vom Krieg Reich gegen Arm

„Wir befinden uns in einem Krieg, in dem Geld wie eine Droge eingesetzt wird“, so die Analyse von Kabarettist Georg Schramm bei der Schönauer Stromnacht. Foto: Heiner Fabry Foto: Markgräfler Tagblatt

Schönau (hf). „Ich bin hier nicht engagiert, ich habe darum gebeten, heute auftreten zu dürfen“, betonte Georg Schramm bei seinem Auftritt bei der Schönauer Stromnacht am vergangenen Samstag. Der bekannte Kabarettist ist Ursula und Michael Sladek seit langem freundschaftlich verbunden und wartete bei seiner „Abschiedsvorstellung“ für die Stromrebellen mit Gesellschaftskritik der härteren Gangart auf.

Schnell kam Georg Schramm auf sein Thema, den Kernkonflikt unserer Zeit. So habe einer der Superreichen unverblümt darauf hingewiesen, dass der aktuelle Kernkonflikt der Krieg sei – nämlich der Krieg Reich gegen Arm. Finanzkonstrukte wie die Derivate sind die modernen Massenvernichtungswaffen, stellte er fest und kam auf Griechenland zu sprechen. Jetzt spreche Tsipras von einem Volksentscheid, und die Europäischen Institutionen schäumen vor Empörung. Schon 2011 habe der damalige Ministerpräsident Papandreou erklärt: „Der Wille des Volkes ist bindend“, und zwei Tage später habe man ihn aus dem Amt geputscht.

Man möge doch die Griechenland-Krise in einen größeren Zusammenhang stellen, forderte Schramm. „Der IWF hat eine Schneide der Verwüstung durch die Länder gezogen“, stellte Georg Schramm fest und fügte hinzu, natürlich können weder Griechenland, noch Italien oder Spanien ihre Schulden zurückbezahlen. Das ist möglicherweise auch gar nicht gewollt. „Geld ist eine Waffe, und wir befinden uns in einem Krieg, in dem Geld wie eine Droge eingesetzt wird.“ Zuerst werden die Länder mit billigem Geld „angefüttert“, bis sie immer mehr wollen. Und sie bekommen immer mehr, und dann kommt der IWF, schneidet das Geld ab, erklärt die Schulden seien zu hoch und verlangt die Rückzahlung. Und stürzt die Länder in den „kalten Entzug“. „Und jeder weiß, wie es einem Süchtigen im kalten Entzug geht“, so Georg Schramm, „die laufen Amok.“ Es mache keinen Sinn über die ‚faulen Griechen‘ zu schimpfen oder sie ‚politische Halbstarke‘ zu nennen, „es wäre besser, die Menschen würden versuchen zu verstehen, was hier wirklich gespielt wird“.

Am Ende seines Vortrags wandte Georg Schramm sich an Ursula und Michael Sladek. „Ich habe hier bei Ihnen viel gelernt, und darum habe ich gebeten, heute hier sein zu dürfen, um mich dafür zu bedanken“, erklärte er und verbeugte sich tief. Als er den Saal verließ erhob sich das Publikum, spendete stehende Ovationen und klatschte Georg Schramm wieder in den Saal zurück. Doch Schramm wäre nicht, der er ist, wenn er sich einfach bejubeln ließe. „Sie machen alles falsch“, ließ er das Publikum wissen. „Sie klatschen zu mir, dabei müssten Sie diesen beiden hier stehende Ovationen spenden.“

Den Abend hatte Jess Jo-chimsen aus Freiburg eröffnet. Neben dem „Russlandlied“, das er zusammen mit Sascha Bendix vortrug, und seinen spitzen Aphorismen thematisiert er Schule und Bildung. Er erinnere sich gern an die Schulzeit mit dem Völkerballspiel, „der spielerischen Einübung in den Weltkrieg“ oder beschrieb Elternabende, an denen leistungsorientierte Tigermütter über Lehrpläne schimpfen oder Väter sich ereifern, dass die Hochbegabung des Sohnes nicht gewürdigt werde, nur weil sie sich noch nicht gezeigt habe.

Mit einer Dia-Show von Fotografien, die er gemacht und schon in Buchform veröffentlicht hat, beendete Jess Jochimsen seinen Auftritt.

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