Schopfheim 1500 Bäume sind nicht mehr zu retten

Sorgen um den Buchenbestand in den Wäldern der Stadt treiben derzeit die zuständigen Mitarbeiter des Forstbezirks Kandern um. Dessen Leiter Bernhard Schirmer und der Schopfheimer Forstrevierleiter Stefan Niefenthaler führten am Freitag vor, was ihnen in den vergangenen Jahren die Kummerfalten auf die Stirn treibt.

Von Hans-Jürgen Hege

Schopfheim. Es ist das Sterben vieler über 100 Jahre alten Buchen, das speziell in der Südostecke des Entegast, im Bereich des „Roggenbachschen Waldes“, so beängstigende Ausmaße annimmt, dass schon bald rund 1500 Bäume gefällt werden müssen. „Sie sind“, sagen die Förster, „schlicht und ergreifend nicht mehr zu retten.“ Sie verdursten.

Rund 400 Liter Wasser pumpt eine gesunde Buche täglich bis in die Krone. Aber dieses Wasser fehlt in den Böden, die – dem Klimawandel geschuldet – in den zunehmend trockeneren Jahren von 2015 bis 2020 in den erforderlichen Tiefen ausgetrocknet sind.

Und zwar im vorderen Bereich des Entegast rund um den Waldkindergarten weniger, im hinteren Bereich aber umso mehr, wie deutlich wird, wenn man nach oben in die Kronen schaut. „Hier ist die Welt oder besser der Wald noch recht gut in Schuss“, sagte Bernhard Schirmer am ersten Halt, wo die Kronen dichter sind und das Sonnenlicht nicht den Boden erreicht, so wie das auf der anderen Seite des Ente­gast der Fall ist.

Dort wurden vor einigen Jahren Naturverjüngungsmaßnahmen vorgenommen, junge Buchen gepflanzt, die den „Alten“ das Wasser wegnehmen.

Sonnenbrand und Wassermangel

Da der Altbestand im Zuge der Maßnahmen zwangsläufig auch gelichtet wurde, traf dort die Bäume das volle Licht der Sonne. Mit der Folge: Sie litten unter Sonnenbrand. Neben dem Wassermangel, der auch durch den vergleichsweise nassen Sommer dieses Jahres nicht viel besser wurde (Stefan Niefenthaler: „Es dauert mehrere Jahre, bis sich der Boden wieder ausreichend gesättigt hat und vor allem die Altbäume wieder davon profitieren“) ein weiterer gravierender „Stressfaktor“, mit dem die Bäume fertig zu werden hatten oder haben, viele aber nicht fertig wurden.

Trotzdem musste die Naturverjüngung sein. Man erkenne das schon daran, dass die jungen Bäume – sie sind rund 20 Jahre alt und haben die vergangenen zwei trockenen Jahre gut überstanden - vor Vitalität strotzen, während ihre älteren Artgenossen in Tiefen weit unterhalb von 80 Zentimetern wurzeln, in denen das Regenwasser heuer noch gar nicht angekommen ist.

Außerdem legen die Experten großen Wert auf die Einhaltung ihrer Empfehlung, die Wälder zunehmend mit einer großen Vielfalt an Baumarten (Zauberwort: „Vielfaltige Mischbestände) auszustatten, „und zwar in weit größerem Ausmaß als bisher“, betonte der Forstbezirksleiter und deutet beim Vor-Ort-Termin im Entegast beispielsweise auf stattliche Eichen, die bisher dem allgemeinen Waldsterben Stand halten konnten. Die Auswahl dürfe sich aber nicht auf Eichen, Buchen oder Bergahorn beschränken. Alternativen sind gefragt. Die beiden Forstbeamten versichern: „Wir sind uns der Problematik des Klimawandels sehr wohl bewusst. Aber niemand von uns kann sagen, wie sich das Wetter weiter entwickelt oder wie die Situation des Klimas in 100 Jahren genau ist.“

Allerdings gebe es diverse Verläufe, die vom Weltklimarat registriert werden. Wenn man die bisher gesammelten Daten weiteren Überlegungen zugrunde lege, könne man sagen: „Wir müssen reagieren.“

Grund zur Panik? Stefan Niefenthaler meint zumindest beim Thema Buchensterben: „Nein. Was wir hier gesagt und gezeigt haben heißt nicht, dass die Buche nicht überleben wird. Bei den Bäumen ist es wie bei den Menschen auch. Je älter wir werden, desto mehr Krankheiten können wir bekommen.“

Hoffen auf ein erneut kühleres Jahr

Und die gelte es, in den Griff zu bekommen. Dazu werde intensiv geforscht, Waldbestand beobachtet und diskutiert, „wie wir die weitere Vorgehensweise managen können oder müssen“.

Zunächst einmal hoffen alle auf ein nochmals kühles und niederschlagsreiches Jahr 2022, aber auch auf einen niederschlagsreichen Winter, denn – so wurde nochmals stark betont – der Wald braucht mindestens drei bis vier Jahre, um ein weiteres Trockenjahr einigermaßen gut überstehen zu können. Man müsse, ergänzte Bernhard Schirmer, den Wald intensiv und ständig beobachten, um situativ über Maßnahmen zu entscheiden.

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