Schopfheim Abgebrannt, angemalt und pfletternass

Schopfheim-Wiechs - Zwei Jahre mussten sie wegen des Hallenbaus verzichten, jetzt können sie wieder Buurefasnacht auf dem Narrenbuckel feiern, auf dem seit Donnerstag „Prinz Marc I. vom Lindeweg“ Hof hält. Endlich. Endlich durften mal wieder Glunkis durchs Dorf marschieren – oder sich – wie in diesem Jahr – vom Wind durchs Dorf blasen lassen.

Närrisch ging’s zu beim Hemdglunkiball. Die „ewigi Baustell“ Wiechs wurde beim fantasievollen Preismottoball am Freitag durch den Kakao gezogen. Gestern tobten sich die Wiechser und nicht nur die, sondern eine Menge Hästräger aus der Umgebung, die ihre Fastnacht eigentlich längst zu Grabe getragen hatten, noch mal richtig aus beim närrischen Treiben und „durchgehend warmer „Kronen“-Küche. Und natürlich beim Umzug durchs Dorf, bei dem neben den Fußgruppen, den Aruba-Narren, Masken, der Wiechser Musik und den Guggemusiken die Schadenfreude über das eine oder andere Missgeschick eines Bürgers im Mittelpunkt stand.

Die meisten Malörchen sind oder waren wie immer in der gedruckten Ausgabe der Schnitzelbank zu finden. Viere davon aber hielten die Wibufa-Obersten für besonders geeignet, auf den eigens dafür zusammengezimmerten Wagen aufgebaut und bewundernswert einfallsreich gespielt zu werden.

Videoimpressionen vom Wiechser Umzug

Ein junger Mann, der seine Volljährigkeit auf Malle feierte, war der erste, der dran glauben musste. Er hatte beim Feiern auf der Insel seinen Ausweis verloren und größte Probleme „bim i’tschecke“. Seine Kollegen beschrieben die Tragödie so: „EC-Karte, Impfpass, ne Urkunde vo de Seepferdliprüefig het er no debi, au dä Uffneier, wo uff d’Badhose g’hört, isch im Geldbeutel gsi.“

Aber das alles half nichts. Der Gang zur Botschaft schien einziger Ausweg. Bis er auf die Idee kam, das Krankenkassenkärtchen (mit Lichtbild) als Ersatz vorzuzeigen, das ihm die Türe zum Flugzeug öffnete. Es war, wie sich herausstellte, ein teures Vergnügen, obwohl ein Holländer auf Malle den Ausweis inzwischen gefunden hatte und ankündigte, das Dokument per Post nach Wiechs zu schicken, was der frisch gebackene Volljährige ablehnte: „Nit nötig, ich due miehne Eltere so ne Mallorca-Wucheend spendiere, suscht duet sich dä Usswiss z’letscht uffem Postweg wieder neume verirre.“

Die nächste Katastrophe kann man fast nicht erzählen, da müsste man dabei gewesen sein. Ein Malerlehrling hatte den Auftrag, das Transportfahrzeug des Betriebs auf der Deponie in Wieselt zu entrümpeln. Weil der Chef ihm gesagt hatte, dass alles, was drin ist, raus muss, nahm er das wörtlich. Auch ein paar volle Farbeimer, die man auf einer Baustelle dringend benötigte, waren im Müll gelandet. Also fuhren Lehrling und Chef noch einmal zum Scheinberg, und zwar nur, um ganz lange Gesichter zu bekommen: „Dört acho, traute si ihre Auge nit recht: Überall ware si am striiche, im Chef wird schlecht.“ Und es wurde ihm nicht besser, als die Deponiemitarbeiter sich herzlich bedankten für die tolle Farbspende und gleich noch nachgefragt wurde, ob sie wegen der leeren Farbeimer zurück zur Deponie gefahren seien. Und: „Wenn ihr wieder mol vorbei lueget, e Eimer Sockelfarb chönnte mir no vertrage, si sött halt harmoniere mit dere do, mir dien im Vorus scho mol danke sage.“

Das gab dem Malermeister den Rest. Er drehte zusammen mit den Rädern seines Fahrzeugs durch und konnte sich über die letzte Weisheit seines Lehrlings gar nicht freuen: „Glück cha, Chef, aber ehrlich g’sait: zehn Eimer wäre schlimmer g’si.“

Das dritte Unglück ließ nicht lange auf sich warten. Eine Gruppe Wiechser elebte „e dreifachis Platsch Nass“ auf „Saar-Fari-Tour“ in der Saarschleife. Erzählt man’s ins Kurzform, hört sich’s so an: Zelt aufgebaut, Lampe vergessen, Kerze als Ersatz aufgestellt, Zelt abgefackelt, gegrillt, Kleider am Lagerfeuer getrocknet und vom Wasser der Saar „d’Schisserei“ bekommen. Am nächsten Tag Kanufahrt, Stromschwelle entdeckt, voll über Stock und Stein gefahren, Löcher im Kanu und schließlich das Fazit: „S’Zelt abg’facklet un s’Kanu kaputt, nassi Klamotte un des alles an einem Wucheend.“ Perfekte Tour, „mache mir wieder mol.“ Nur noch zu toppen von Nummer vier im Bunde, bei dem Geschenkpapier zu Weihnachten in Flammen aufging mit dem nach erfolgreichen Löschversuchen des zweiten Feuerwehrkommandanten, der mit dabei gewesen ist, bitteren Ende: Do het’s bigott ussgseh in dere Chuchi. 10 Zentimeter hoch duet’s Wasser stoh, im Leo wars recht, der het schön si neu Böötli chönne schwimme loh. Die Gäscht hen’s allerdings nit luschdig g’funde, was soll dass, Unverschämtheit, mir sin alli samt vo obe bis unte pfletternass.“

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